Gotik – was ist das denn?

Mit dem Begriff 'Gotik' wird eine Stilepoche der abendländischen Kunst und Architektur bezeichnet, die den Zeitraum zwischen dem Ende der ‚Romanik‘ (11-13. Jahrhundert) und dem Beginn der ungefähr im frühen 15. Jahrhundert einsetzenden Renaissance umfasst. Allerdings ist der hier genannte Zeitrahmen lediglich über den Daumen gepeilt, da die reale Dauer in dem einen oder anderen Landstrich durchaus voneinander abweichend gewesen ist.

Wo es begann

Und doch wird als Ursprung der Gotik – etwa so um 1150 herum – durchweg Nordfrankreich, genauer: Die Ile de France, die Gegend um/bei Paris genannt.

Von Spitzbögen und Rippengewölben

‚…die Charakteristika des gotischen Stils...', so heißt es im farbigen rororo-Life Bildsachbuch ‚Kaiser, Ritter und Scholaren‘, ‚…der Spitzbogen, das Rippengewölbe, der Strebepfeiler waren, genau genommen, nicht seine (die der Gotik) Erfindungen. Wagemutige romanische Baumeister hatten hier und da schon damit experimentiert...‘

Jetzt wurden aber nicht nur die Kirchtürme, das Gewölbe und die kunstvoll bemalten Buntglasfenster höher und größer. Stein(oder Kreuz)rippen und so genannte Strebebögen leiteten den immensen Druck des Gewölbes zu Pfeilern, die ihrerseits von draußen an den Außenwänden angebrachten Strebepfeilern gestützt wurden.

Alles in allem hieß es für die damaligen Baumeister, die antiken Vorbilder zu vergessen. Also keine dicken Mauern mehr, sondern stattdessen mehr Licht und Leichtigkeit einzubringen.

Die Leichtigkeit des Seins

Die im gotischen Stil erbauten sakralen (Kirchen, Kathedralen), aber auch profanen (Burgen, Rathäuser) Bauwerke wirkten nun und wirken immer noch – im Gegensatz zur 'Romanik', wenn man diese beiden Stile vergleichen will – weiträumiger, lichtdurchfluteter und in gewisser Weise graziler.

Ergänzt wurde das filigrane Geflecht von Spitzbögen und Strebepfeilern unter anderem mit

  • Ziergiebeln,
  • gewaltigen bemalten Rosettenfenstern und
  • Säulenstatuen/Figurenschmuck (‚Gewändefiguren‘) an Wänden und Fassaden.

per exemplum

Exemplarisch – die fast unendliche Vielzahl gotischer Bauten incl. weltlicher Objekte in Europa lässt nur eine geringe Auswahl zu – wären hier zu nennen:

  • Stephansdom in Wien,
  • Kathedrale ‚Notre-Dame de Reims‘,
  • Kölner Dom,
  • ‚Liebfrauenmünster zu Straßburg‘ (Straßburger Münster),
  • ‚St.-Veits-Dom‘ (Veitsdom) in Prag,
  • Dom ‚St. Peter‘ in Regensburg (Regensburger Dom),
  • Rathaus von Löwen in Löwen/Belgien,
  • ‚Santa Maria de la Sede‘ (Kathedrale von Sevilla/Spanien),
  • ‚Notre-Dame de Paris‘,
  • Kathedrale ‚Santa Maria del Fiore‘ in Florenz/Toskana,
  • Kathedrale von Lincoln in Lincoln/GB,
  • Kathedrale ‚La Seu‘ in Palma de Mallorca,
  • Holstentor in Lübeck,
  • Kathedrale von Canterbury/England und viele, viele andere mehr.

PS

Der Begriff ‚Gotik‘ ist auf das snobistische und selbstgefällige Künstlervölkchen der Renaissance zurückzuführen. Die Kunstschaffenden jener Zeit sollen, so wird gesagt, der aus dem Mittelalter hervorgegangenen Stilepoche zunächst herablassend begegnet sein und ‚Gotik‘ abwertend mit den vermeintlich aus hartem Holz geschnitzten und ungehobelten "Goten"/"Barbaren" gleichgesetzt haben.

Nun ja, das war wohl etwas voreilig …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Bildung“ (Dietrich Schwanitz/Goldmann), „Kaiser, Ritter und Scholaren“ (Das farbige LIFE Bildsachbuch, rororo), „Das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag)

 

 

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