Gab es den Turm zu Babel wirklich?

Ja, den Turm zu Babel scheint es in der Tat gegeben zu haben.

Zumindest wird heute angenommen, dass die etwa um 1913 entdeckten, allerdings seinerzeit nur teilweise freigelegten Fundamente südlich von Bagdad im heutigen Irak, so gut wie sicher auf den in der Bibel (Genesis 11/1-9) geschilderten Turm(bau) zu Babel zurückzuführen sind.

Geleitet wurden die Ausgrabungen damals vom deutschen Architekten, Mitbegründer der archäologischen Bau-/Architekturforschung und bedeutenden „Vorreiter“ der so genannten „vorderasiatischen“ Archäologie: Robert Koldewey (*1855/°1925).

Architektonisch werden die Ruinen des ausgehobenen Fragments – Grundfläche: ca. 91x91m, Höhe: ebenfalls etwa 91m, mit sieben bis acht Ebenen – den in Stufen angelegten Tempeltürmen („Zikkurate“) Mesopotamiens (Babylonien und Assyrien) zugerechnet.

Zwar weiß man es abschließend noch nicht so ganz genau, nimmt aber an, dass es sich bei diesen Bauwerken um sakrale Bauten gehandelt haben könnte. Vorstellbar, dass die Menschen der Zeit ganz oben auf diesen Hochtempeln den Sitz ihrer Gottheiten vermutet haben.

Bisher sind etwa fünfundzwanzig Ruinenstätten dieser Tempeltürme/Zikkurate – hauptsächlich im heutigen Iran und Irak – bekannt.

PS

Geschichte des Turmbaus zu Babel:

Laut Bibel, also nach Genesis 11/1-9, kamen die in einem Volk vereinten Menschen nach Babylonien, sprachen alle die gleiche Sprache und lernten Häuser, Paläste und Stadtmauern zu bauen. Irgendwann wollten sie ganz hoch hinaus und beschlossen, den Turmbau zu Babel anzugehen. Das hat Gott nicht gefallen. Hatte er doch die Befürchtung, dass die Menschheit mit ihren Stadtgöttern mächtiger werden könnte, als er selbst. Also verwirrte er ihre Sprache („Babylonische Sprachverwirrung“).

Fortan konnten sich die Menschen untereinander nicht mehr verständigen – was schlecht war für die finale Fertigstellung des Turms. Sie ließen alles liegen und stehen, liefen auseinander und zerstreuten sich über die ganze Erde.

Ausgelegt wird diese kurze Bibelerzählung allgemeinhin als Strafe Gottes für die Überheblichkeit der Menschen, wie Gott sie in Babel/Babylon empfunden zu haben scheint – wenn’s denn tatsächlich so gewesen ist.
Bedauerlich dagegen ist, dass mit dem Abbruch des Turmbaus und der Zerstreuung der Menschen in alle Gegenden dieser Welt, gleichzeitig auch die Entwicklung unterschiedlichster Sprachen unter den Menschen begonnen haben soll. Nun, ja. Sei’s drum …

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "50 Klassiker (der) Bibel" (Christian Eckl/Gerstenberg Verlag)

 

 

Verwandte Beiträge

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige