Wann, von wem und wozu wurde Stonehenge errichtet?

Nun, wie schon der in München geborene Komiker Karl Valentin (*1882/°1948) irgendwann einmal gesagt haben soll: ‚Nichts genaues weiß man nicht‘. Dennoch werden die in der Nähe von Salisbury in der Grafschaft Wiltshire/England gelegenen – ursprünglich monumentalen, heute rudimentären – Steinkreise inzwischen in die Epoche der späten Jungsteinzeit (etwa von 6000/5500 bis 2200 v. Chr.) und frühen Bronzezeit (etwa von 2200 bis 800 v. Chr.) datiert. Wobei der exakte Zeitpunkt (bisher) weitestgehend unbestimmbar bleibt.

Vom 'grob geschätzten' Baubeginn bis zum plötzlichen Abbruch

Wissenschaftlich angenommen aber wird, dass die

  • ersten Spatenstiche der ebenfalls unbekannten Urheber und Gestalter dieses gewaltigen Megalith-Bauwerks auf lange Sicht gesehen ungefähr ab 3000 v. Chr. erfolgten,
  • sich im weiteren Verlauf in acht Bauabschnitten bis round about 1600/1500 v. Chr. hinzogen
  • und somit bis in die frühe Bronzezeit reichten.

Vergleichsweise kurz darauf, so um plus/minus 1400 v. Chr. herum, scheint Stonehenge von seinen Baumeistern urplötzlich aufgegeben worden zu sein.

Eine kraftzehrende Herausforderung

Warum das Handtuch geschmissen wurde, nachdem doch über Generationen hinweg viele Tausende Malocher, vermutlich überwiegend bäuerlicher Herkunft, aufopferungsvoll, entbehrungsreich und schweißtreibend an dieser Anlage gearbeitet haben, ist nicht bekannt.

Ebenso rätselhaft bleibt bisher, für was überhaupt die Menschen vor nunmehr gut 5000 Jahren begonnen haben, bis zu ca. 45 Tonnen schwere Gesteinsblöcke kilometerweit aus der näheren und weiteren Umgebung an diesen landschaftlich im Grunde unattraktiven Platz zu bugsieren.

Die Frage nach Sinn und Zweck

Theorien zu dem ‚Wozu‘ gibt es dagegen zu Hauf. Die Vermutungen reichen von der beabsichtigten Errichtung

  • eines Heldengrabes,
  • einer Opferstätte,
  • eines Observatoriums oder eines astronomischen Kalenders,
  • eines Druidentempels,
  • eines Thingplatzes oder Wallfahrtsortes
  • bis hin zum Heilbad.

Aber, um hier Bertold Brechts ‚Guten Menschen von Sezuan‘ zu Wort kommen zu lassen: ‚Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen‘. Vielleich gelingt es den sich nach wie vor mit der Entschlüsselung all der um Stonehenge kreisenden Fragen beschäftigenden Archäologen und Prähistorikern ja doch noch irgendwann, das Geheimnis dieser steinernen Kultstätte zu lüften.

Stonehenge heute

Bis dahin heißt es, sich zu gedulden, aber die 1986 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Überreste der Stonehenge, Avebury and Associated Sites gemeinsam mit jährlich bis zu einer Million Touristen trotzdem einmal zu besuchen. Denn selbst die verbliebenen und zahlenmäßig vergleichsweise wenigen

  • aufrechtstehenden Steinblöcke (Monolithen),
  • massiven steinernen ‚Tische‘ (Trilithen, das sind zwei Monolithen plus einem Deckstein) und
  • einiger weiterer bisheriger Funde und Forschungsergebnisse

auf dem Terrain der – Rekonstruktionen sowie bisherigen Erkenntnissen zur Folge – ehemals gewaltigen und von früher Ingenieurskunst zeugenden Anlage, sind durchaus einen Kurztrip wert. Sogar bei Regen …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „England“ (H.E. Conrad/Prestel Verlag München); „50 Klassiker der Archäologie“ (Wolfgang Korn/Anaconda); „Englands Süden“ (Manfred Wöbcke/Gräfe und Unzer)

 

 

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