Barock – was ist damit gemeint?

Mit dem Begriff Barock ist eine Stilepoche gemeint, die ihren Ursprung in Italien hatte und etwa zu Beginn des 17. Jahrhunderts begann und bis ins 18. Jahrhundert andauerte.

Kriegstraumata

Der Dreißigjährige Krieg mit seinen schrecklichen Folgen hatte die Menschen erschüttert, geschockt und traumatisiert. Verfielen die einen, die weniger Begüterten, in Verarmung, Verzweiflung und Pessimismus, setzten diejenigen, die es sich leisten konnten, sozusagen ein ‚Wenn nicht jetzt, wann dann‘ dagegen.

So nach dem Motto ‚Der Mensch lebt nur einmal.

Da die Aussage: 'Alles ist endlich‘ zunehmend mehr ins Bewusstsein der Menschen vordrang, wollte man dennoch nicht auf Daseinsfreude, Amüsement und Pep verzichten.

Kunstformen

Dieser gegensätzliche Ansatz des Barock fand seinen künstlerischen Ausdruck sowohl in der

  • Architektur (z.B.: Jakob Prandauer/Stift Melk, Georg Bahr/Dresdner Frauenkirche, Johann Balthasar Neumann/Würzburger Residenz, Louis Le Vau/Louvre),
  • Malerei (z.B.: Peter Paul Rubens, 1577-1640/NL, Michelangelo Merisi, 1571-1610/I, Rembrandt van Rijn, 1606-1669/NL, Diego Velázques, 1599-1660/E) und
  • Bildhauerei (z.B.: Giovanni Lorenzo Bernini, 1598-1680/I, Balthasar Permoser, 1651-1732/D, Francois Girardon, 1628-1715/F, Gregorio Fernándes, 1576-1636/E) als auch in der
  • Musik (z.B.: Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Georg Phillip Telemann) und der
  • Literatur (z.B.: Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, 1621-1676/D, Andreas Gryphius, 1616-1664/D, Miguel de Cervantes, 1547-1616/E, 'Don Quijote').

Merkmale

Auf irgendeine Weise bildeten diese künstlerischen Ausdrucksformen so etwas wie eine Symbiose. Zumindest schienen Architektur, Malerei und Bildhauerei sozusagen Hand in Hand miteinander verwoben zu sein.

Liest man hierzu Dietrich Schwanitz‘ ‚Bildung‘ aus dem Goldmann-Verlag, erfährt man, dass

‚…in der Ausrichtung auf den höfischen oder göttlichen Kosmos der Barockstil die Unterordnung einzelner Glieder der Bauten unter das Ganze betont. Die Spannung wird ausgedrückt durch geschwungene Formen und starke Bewegtheit. Das Schmuckwerk ist überreich, und die Innenräume werden malerisch gestaltet, um prächtig und festlich zu wirken…‘

Der Name

Der Name Barock, ist, so heißt es, auf das portugiesische Wort ‚barocco‘ (franz.: ‚baroque‘) zurückzuführen. Es soll aus dem Juwelierhandwerk stammen, so viel wie ‚unregelmäßige Perle‘ bedeuten und wird, wo es anwendungsbezogen passt, auch schon mal mit ‚schwülstig‘ übersetzt.

Was im Manierismus – das war eine vergleichsweise kurze Stilepoche zwischen Spätrenaissance und Frühbarock – auch mit ‚überladen‘ bezeichnet wurde und immer noch wird. Nun denn.

Bauherren

Hauptauftraggeber der Kunstschaffenden jener Zeit waren Kirche und Fürsten. Die hatten’s nämlich. Das nötige Geld.

Die Kirche, also die Päpste pochten –

das waren in dem ein gutes Jahrhundert andauernden Zeitraum, angefangen bei

  • Clemens VIII. (Papst von 1592-1605) bis etwa zu
  • Clemens XIV. (Papst von 1769-1774),
  • immerhin achtzehn- bis neunzehn auf dem ‚Stuhl Petri‘ sitzende ‚Heilige Väter‘ –

mit großem Engagement auf ihren Suprematsanspruch (lat.: ‚supremus‘/‚der Oberste; ‚Suprematie‘/‚Vorherrschaft‘).

Sie gaben zahlreiche Sakralbauten in Auftrag, die, um ihrem Anspruch auch nach außen Ausdruck zu verleihen, nicht prachtvoll, pompös bis protzig genug sein konnten.

Da wollten die absolutistischen Fürsten selbstverständlich in nichts nachstehen, und übten sich ebenfalls in mit allen Schikanen hergerichteten Palästen, Schlössern und sonstigen repräsentativen Bauten. Statussymbole, eben.

Versailles. Ein Beispiel.

Als Musterbeispiel des Barock gilt zum Beispiel Schloss Versailles.

Das hatte der gigantomanische und selbsterklärte ‚Sonnenkönig‘ von Frankreich, Ludwig XIV. (*1638/°1715), etwa um 1660 herum in Auftrag gegeben. Ursprünglich ein von Ludwig III. (*1601/°1643) erbautes und irgendwann erweitertes kleines Jagdhaus, wurde es unter seinem Sohn jetzt zu einem circa 800 qm großen und ungefähr 2300 Räumlichkeiten umfassenden Märchenschloss, in dem sich Heerscharen von Bediensteten um den absolutistisch regierenden König zu kümmern hatten.

Rauschende Feste wurden gefeiert, um den Gästen aus aller Herren Länder die Macht und Größe Ludwigs XIV. zu demonstrieren.

Die Damen in mehreren übereinander getragenen Glockenröcken, Miedern, Masken, Perücken und überdimensioniert geschminkt flanierend und die Männer, ebenfalls gern mit Perücke, in Strümpfen, Kniehosen, aufwendiger Oberbekleidung und Schuhen mit Absätzen stelzend rundeten das Bild ab.

Redensart

Ob nun aber die Redewendung ‚leben, wie Gott in Frankreich‘ tatsächlich auf das Barockzeitalter zurückzuführen ist, ist noch nicht abschließend geklärt.

‚De toute facon‘ (‚Wie auch immer‘).

PS

Weitere Bauwerke des Barock. Unter anderen:

  • Zwinger/Dresden,
  • Karlskirche und Schloss Belvedere/Wien,
  • Invalidendom/Paris,
  • Kirche ‚Santa Maria della Salute‘/Venedig,
  • Petersplatz/Rom,
  • Saint Paul’s Cathedral/London,
  • Winterpalais/Moskau

und etliche andere mehr…

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Bildung“ (Dietrich Schwanitz/Goldmann Verlag), „Ketzer, Bauern, Jesuiten“ (rororo ‚Das farbige Life Bildsachbuch), „Deutsche Geschichte 1618-1815“ (Bertelsmann Lexikon Verlag), „Versailles und Fontainebleau“ (Bernhard Champigneulle/Prestel-Verlag)

 

 

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