Woher kommt der Begriff Rokoko – was soll das sein?

Der Begriff ‚Rokoko‘ (‚Rocaille‘/‚Muschelwerk‘) stammt aus dem Französischen, bedeutet in der Kunstwissenschaft so viel wie ‚muschelförmige Ornamentik‘, ist für die einen eine eigene Stilrichtung, für andere die Spätphase des Barock und wiederrum für viele ‚noch andere‘ stellt das Rokoko lediglich den Übergang vom Barock zum Klassizismus dar.

Wie auch immer die Sichtweise angelegt sein mag, wird die Periode des Rokoko auf der Zeitschiene der Stilepochen etwa von 1730 bis 1780 datiert.

Wandel

In diesen Jahren entwickelte sich der im Rahmen des Absolutismus – vornehmlich unter König Ludwig XIV. (*1638/°1715) – präferierte ‚monumental-repräsentativ-schwülstige‘ Kunststil des Barock hin zu einer spielerischeren, leichteren, vergnügteren und oft auch frivoleren künstlerischen Ausdrucksform.

Dekor und Zierrat

Da das Rokoko mehr oder weniger ausschließlich das Dekorative, Private und Intime betont, findet man nur vergleichsweise wenige Bauwerke1 dieser Stilrichtung.

Vielmehr wurde großer Wert gelegt auf hübsche Accessoires, also auf modisches Zubehör – wie auf:

  • Schmuck, Ornamente und Verzierungen an Fassaden,
  • Raumgestaltung,
  • Wohnkultur (Möbel),
  • Gebrauchsgegenständen (Porzellan),
  • Mode

und in der bildenden Kunst wie

  • Malerei (Portraits, Landschaften, opulente Feste),
  • Bildhauerei (Skulpturen) und
  • Gartenarchitektur (akkurat angelegte Wege und Hecken, Brunnen, Fontänen).

Privatsphäre

Und – im Gegensatz zu den prunkvollen Palästen des Barock – zogen sich die, die es sich leisten konnten, auch gern einmal in ein mit Rokokodekor ausgestattetes ‚gemütliches‘ Lust- und Jagdschlösschen zurück.

Möglich, dass von den Wänden dann Bilder mit galant-erotischen Schäferspielen des von Madame Pompadour protegierten Malers Francois Boucher (*1703/°1770) auf die schönste Nebensache der Welt herunterblickten …

Bauwerke mit Rokoko-Elementen (Beispiele):

  • Schloss Solitude/Stuttgart,
  • die Wieskirche in Bayern,
  • Schloss Sanssouci in Potsdam,
  • die Amalienburg im Park Schloss Nymphenburg in München

Bedeutende Maler (Auswahl):

  • Giovanni Antonio Canal (Canaletto),
  • Francois Boucher,
  • Bernado Belotto,
  • Domenico Tintoretto,
  • Thomas Rowlandson

Sehr, sehr kurz gesagt, verdichtet sich in den Jahren des Rokoko und somit (fast) allen Bereichen alles zu einer unbekümmerten Denkweise, die sich nicht nur in geschwungenen Linien und hellen Farbtönen, sondern auch in Ästhetik sowie einer gewissen Behaglichkeit und Ausgelassenheit des Lebens/Wohnens ausdrückt…

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Deutsche Geschichte 1618-1815“ (Bertelsmann Lexikon Verlag), „Bildung“ (Dietrich Schwanitz/Goldmann-Verlag)

 

 

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