Wofür steht die Kunstepoche der Romantik und wann hat sie stattgefunden?

Die Kunstepoche der Romantik wird plus/minus auf die Zeit vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts datiert.

Voraus geschickt

Es war die Zeit

  • der Französischen Revolution,
  • Kaiser Napoleons I.  Bonaparte (*1769/°1821), der über Frankreich und (fast) über ganz Europa bestimmte,
  • der Auflösung der ‚Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation‘ (1806),
  • der Befreiungskriege (1813-1815),
  • des Wiener Kongresses (1815),
  • war zudem geprägt von der beginnenden Industrialisierung sowie zunehmender Landflucht in die Städte
  • und führte annäherungsweise bis zur so genannten Märzrevolution 1848/49.

Offenbar waren diese aufregenden und unsicheren Jahre mit einer der Gründe, warum die Menschen sich sehnsuchtsvoll bessere Zeiten zurückwünschten. Ihr Fokus lag, warum auch immer, auf dem Mittelalter. So liegt der Ursprung des Begriffs ‚Romantik‘ (altfranz.: 'romanz', 'romant' und 'roman' ) und des Adjektivs ‚romantisch‘ (engl.: ‚romantic‘, franz.: ‚romantique‘) folgerichtig in der mittelalterlichen Ritterdichtung.

Die Message

Er, dieser Begriff, suggerierte also – weitgefasst – so etwas wie ‚Roman‘/‚romanhaft‘,

  • beeinflusste – unter anderem – Literatur, Philosophie, Musik und Malerei,
  • verstand sich sozusagen im weitesten Sinne als Gegenentwurf zur kühlen Sachlichkeit sowie zum vernunftbetonten Wirklichkeitssinn des Klassizismus und des Realismus
  • und wandte sich einer gefühlsbetonten, schwärmerischen, emotionalen und idealisierenden künstlerischen Ausdrucksform zu.

Das galt für Länder wie Italien, Frankreich und England, erreichte aber in Deutschland eine ganz eigene Bedeutung, woraufhin der Sache mit ‚Deutsche(r) Romantik‘ ein sich deutlich unterscheidender Name gegeben wurde.

Grundsätzlich aber fanden allenthalben ein gewisser Hang zu Mystizismus, Individualismus, dem Träumerischen und Phantastischen, einer gefühlsbetonten Sicht auf die Natur und ähnlichem mehr Einzug in die Genres der Philosophie, der bildenden Kunst, der Musik und  der Architektur.

Beispiele (eine Auswahl)

So zeigt sich in der Architektur die Rückwendung – sozusagen ‚back to the roots‘ – zu neugotischen Elementen des Bauens beispielsweise am:

  • ‚Schloss Stolzenfels‘/Koblenz – in preußischer Rheinromantik/romantischem Historismus zwischen 1836 und 1842 nach Plänen Karl Friedrich Schinkels (*1781/°1841) wieder aufgebaut,
  • am so genannten Märchenschloss ‚Schloss Neuschwanstein‘, Füssen/Allgäu – im Stil des romantischen Historismus zwischen 1869 und etwa 1884 von König Ludwig II. von Bayern (*1845/°1886) in Auftrag gegeben,
  • an der Votiv-/Gedächtniskirche in Wien, die von 1856-1879 nach Plänen Heinrich Ferstels (*1828/°1883) im Auftrag des Erzherzogs Ferdinand Max sowie im Stil der Neugotik erbaut wurde

oder, neben vielen anderen,

  • am ‚Neuen Rathaus‘ am Marienplatz in München, das, ebenfalls im neugotischen Stil, ab 1867 geplant, entworfen und 1905 fertiggestellt wurde.

In der Malerei wären hier zwingend

  • Eugéne Delacroix (*1798/°1863),
  • Philip Otto Runge (*1777/°1810)
  • Carl Spitzweg (*1808/°1885), der allerdings auch der zeitgleich übereinstimmenden 'Epoche' des 'Biedermeier' zuzuordnen ist.
  • Moritz von Schwind (*1804/°1871)

und , ganz vorn,

  • Caspar David Friedrich (*1774/°1840)

zu nennen.

In der Musik – um nur einige wenige zu erwähnen –

  • Franz  Schubert (*1797/°1828),
  • Johannes Brahms (*1833/°1897),
  • Ludwig van Beethoven (*1770/°1827),
  • Felix Mendelsohn Bartholdy (*1809/°1847),
  • Frédéric Chopin (*1810/°1849) oder
  • Franz Liszt (*1811/°1886).

In der Literatur ist nicht an

  • E.T.A. Hoffmann (*1776/°1822),
  • Joseph von Eichendorff (*1788/°1857),
  • Clemens Brentano (*1778/°1842),
  • Friedrich Hölderlin (*1770/°1843)

und – nicht zu vergessen – an

  • Heinrich Heine (*1797/°1856)

sowie den Märchen und Sagenerzählern

  • Gebrüder Grimm (*1785/86-°1859/63), Hans Christian Andersen (*1805/°1875) und Wilhelm Hauff (*1802/°1827) vorbeizukommen

und ‚last but not least‘ fallen die Namen

  • Friedrich Schlegel (*1772/°1829),
  • Friedrich Schleiermacher (*1768/°1834) oder
  • Novalis (mit vollem Namen Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, *1772/°1801)) ein,

wenn man über Vertreter der Philosophie im Zuge der ‚romantischen‘ Ära spricht.

Kurz skizziert

Zusammenfassend und auf den Nenner gebracht, war die Epoche der Romantik nicht nur eine temporäre Kunstform, sondern auch die einer sich verändernden Kultur im Allgemeinen.

Politisches Auf und Ab, gesellschaftliche Umbrüche wie zum Beispiel die beginnende Industrialisierung und Urbanisierung sowie, daraus folgend, der Wunsch, sich die Welt in der man lebt gewissermaßen ‚schönzureden‘, mag also tatsächlich der Anlass dafür gewesen sein, sich mit einer romantisierenden Sicht der Dinge ‚auf andere Gedanken‘ bringen zu wollen …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Deutsche Geschichte – 1618-1815“ (Bertelsmann Lexikon Verlag), „Wahrig – Deutsches Wörterbuch“ (Bertelsmann Lexikon Verlag), „Duden – Das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag), „Hölderlin“ & „Schubert“ (Peter Härtling/Luchterhand Literaturverlag)

 

 

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