Raffael – wann hat er gelebt, womit hat er sein Geld verdient?

Raffael (*1483/°1520), alias Raffaello Sanzio da Urbino, Raffael da Urbino, Raffaello Santi oder Raffaello Sanzio, gehört mit Sandro Botticelli (*1445/°1510), Leonardo da Vinci (*1452/°1519), Michelangelo Buonarroti (*1475/°1564) und Tizian (*um 1488/°1576) zu den 'Big Five' der (Hoch)Renaissance, also zu den anerkanntermaßen  bedeutendsten italienischen Malern und Baumeistern jener Zeit.

 

Berufliche Entwicklung

Sein künstlerischer Werdegang begann, als er nach dem Tod beider Eltern (1491/94), also mit – vermutlich – elf Jahren seinen Geburtsort Urbino in der Region Marken/Italien verließ.

Auf Wunsch des verstorbenen Vaters, der ihm ein erstes Grundwissen und spezielle Praktiken der  Malerei vermittelt hatte, machte er sich – mutmaßlich etwa zur Mitte oder auch erst gegen Ende der 90iger Jahre des 15. Jh’s, so ganz genau weiß man es nicht – auf den Weg nach Perugia.

Dort, in der Künstlerwerkstatt des Malers Pietro Perugino, vervollkommnete Raffael seine anscheinend bereits angeborene bemerkenswerte Begabung. Schnell übernahm er die Techniken seines Lehrers, um schon bald keinen Unterschied mehr zu denen des Tutors  erkennen zu lassen.

Und binnen kurzem – nach den im Archiv vorhandenen Unterlagen zur Folge so um 1500 herum, also mit siebzehn Jahren – galt Raffael unter seinen Zeitgenossen als so etwas wie ein ‚Master of Arts‘ (Maestro/Magister/Meister).

Während seiner zwischen 1504 und 1508 zweimaligen Besuche in Florenz, studierte er eingehend die Arbeiten Leonardo da Vincis, Michelangelos sowie einiger anderer und

  • ‚… trat schließlich…‘

– wie im ‚farbigen rororo Life Bildsachbuch: Fürsten, Künstler, Humanisten‘ beschrieben –

  • ‚… als ein Maler von gelassen-heiterer, doch durchdringender Gestaltungsgabe und erstaunlicher Virtuosität hervor, dessen Linienführung sanft wie Schmeichelei oder scharf wie ein Peitschenhieb wirken konnte…‘

Wertgeschätzte 'Heilige Jungfrauen'

Bevor Raffael etwa 1508/09 von Papst Julius II. (*1443/°1513) nach Rom gerufen wurde, schuf er in der Zeit seiner Florentiner Aufenthalte – neben anderen – mehrheitlich seine noch heute vielbeachteten Madonnenbildnisse, wie zum Beispiel:

  • ‚Madonna im Grünen‘ (Kunsthistorisches Museum/Wien),
  • ‚Madonna mit dem Jesuskind und dem kleinen Johannes‘ bzw. ‚Die schöne Gärtnerin‘ (Louvre/Paris),
  • ‚Madonna mit dem Zeisig‘ (Uffizien/Florenz),
  • ‚Madonna mit Kind und Buch‘ (Norton Simon Museum/Pasadena, Kalifornien)

und darüber hinaus sowie einige Jahre später (1512/13) fügte er den Madonnen – sozusagen – noch die 'Mutter aller Madonnen',

  • die ‚Sixtinische‘ hinzu.

Ursprünglich von Papst Julius II. veranlasst und von Raffael für den Hochaltar der Klosterkirche San Sisto in Piazenza/Emilia-Romagna gefertigt, hängt dieses berühmteste seiner Madonnenbilder heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden.

Karriere

In Rom, genauer im Apostolischen Palast, den offiziellen Räumlichkeiten der Päpste im Vatikan, sollte Raffael Wände und Decken der Prunkgemächer (sog.: ‚Stanzen‘ – ital.: ‚stanza/Zimmer‘)

  • Sala di Costantino (Saal des Konstantins),
  • Stanza di Eliodoro (Saal des Heliodors),
  • Stanza della Segnatura (Saal der Signatur) und
  • Stanza dell’Incendio di Borgo (Saal des Borgobrandes)

mit Fresken, einer Technik der Wandmalerei, ausstatten.

Als die wohl beachtenswertesten Beispiele dieses außergewöhnlich imposanten, ja, geradezu mächtigen Meisterwerkes gelten seither – um nur einige wenige zu nennen – die Fresken

  • ‚Die Schule von Athen‘ und ‚Die Disputa des Allerheiligsten Sakramentes in der ‚Stanza della Segnatura‘,
  • ‚Die Verjagung des Heliodors aus dem Tempel‘ und ‚Die Messe von Bolsena‘ in der Stanza di Eliodoro sowie
  • ‚Die Seeschlacht von Ostia‘ und ‚Der Borgobrand‘ in der  Stanza dell’Incendio di Borgo.

Teilweise Übertragung von Zuständigkeiten

Nun hat Raffael, leicht vorstellbar, die enormen Quadratmeter Wände und Decken dieser vier Räume nicht alle mit dem eigenen Pinselstrich gestaltet. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten auch die Schüler seiner Werkstatt – beispielsweise:

  • Guilo Romano (*1499/°1546),
  • Francesco Penni (*1488/°1530),
  • Pierin del Vaga (*1501/°1547),
  • Giovanni da Udine (*1487/°1564) und andere –,

deren Arbeiten allerdings nach Raffaels Angaben ausgeführt wurden.

Alles in allem aber schuf Raffael mit den überwältigenden Fresken in den saalähnlichen Zimmern unbestritten sein Hauptwerk, das, nach dem Tod Papst Julius‘ II., unter Papst Leo X. (Giovanni de‘ Medici – *1475/°1521) wie selbstredend weitergeführt wurde.

Very hard worker

Neben der Mordsarbeit, die die Ausgestaltung der päpstlichen Räume mit sich brachte, war der Workaholic darüber hinaus und unablässig mit vielerlei weiteren Aufträgen und Verpflichtungen unterwegs. So malte er zahlreiche

  • Portraits von Personen in herausgehobener Stellung,
  • Selbstportraits,
  • kümmerte sich nach dem Tod Donato Bramantes (*1444/°1514) interimsmäßig als Architekt und Bauführer um den Neubau des Petersdoms,
  • entwarf für Papst Leo X. Wandteppiche für die Sixtinische Kapelle,
  • fertigte als letztes – heute in der Vatikanischen Pinakothek hängendes – Werk: ‚Die Verklärung Christi‘ und, und...

... und verstarb plötzlich und unerwartet im April 1520 mit nur siebenunddreißig Jahren.

Theorien und Dauerhaftes

Unterschiedlichsten Deutungen zur Folge entweder aufgrund seiner zahlreichen amourösen Vergnügungen, der Pest oder an Malaria. Vielleicht auch an Überanstrengung? Wie so oft – die genauen Umstände sind noch nicht abschließend geklärt. Wie auch immer.

Was allerdings bleibt, ist die starke Ausdrucksform seiner reichhaltigen und vielfältigen Kunstwerke, die den gutaussehenden, im Umgang angenehmen und, so heißt es, bei den Frauen gut ankommenden  Raffael zu einem der bedeutendsten Künstler der (Hoch)Renaissance gemacht haben.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Rom“ (Leonard von Matt & Franco Barelli/DuMont Kunst-Reiseführer), „Bildung“ (Dietrich Schwanitz/Goldmann), „Fürsten, Künstler, Humanisten – Renaissance“ (rororo – Das farbige Life Bildsachbuch), „Duden – das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag)

 

 

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