Gab es überhaupt Künstler der Romanik und Gotik?

Na klar! Und wie! Nur, obwohl es bei der, salopp gesagt, zahlreichen ‚Hinterlassenschaft‘ romanischer und gotischer Kathedralen, Basiliken und Abteien – aber vergleichsweise nur weniger Profanbauten – Baumeister, Maler und/oder Bildhauer in großer Zahl gegeben haben muss, sind deren Namen (Ausnahmen bestätigen die Regel) nur wenig bis überhaupt nicht bekannt. Das waren, wie es scheint, ausgesprochen bescheidene Künstler, die ihr künstlerisch angelegtes Gewerbe ausschließlich als Handwerk verstanden und ihre Kunstwerke daher nicht ‚unterzeichnet‘ haben.

Anstatt der Namen gibt es – dessen ungeachtet und erfreulicherweise – aber dennoch eine Fülle historischer Baudenkmäler aus jener Zeit, die zu besuchen und betrachten lohnen.

Romanik – Speyerer Dom (Beispiel)

Der auch ‚Kaiser- und Mariendom zu Speyer‘ oder – offiziell – ‚Domkirche St. Maria und St. Stephan‘ genannte Dom beispielsweise, gilt mit 134 Metern Länge und äußerer Breite des Langhauses mit circa 38 Metern als das  eindrucksvollste erhaltene romanische Gotteshaus der Welt.

Angenommen wird, dass der ursprüngliche Auftraggeber mutmaßlich der salische König und spätere Kaiser Konrad II. (*um 990/°1039) war, der um 1025 herum den ersten Spatenstich in Gang gebracht hat. Allerdings gibt es darüber in Chroniken nichts schriftlich Festgehaltenes.

Ob nun doch, oder eben nicht – weder Konrad noch sein Sohn Heinrich III. (*1016/°1056) erlebten zu Lebzeiten die Vollendung des Pi mal Daumen

  • 1025 begonnenen,
  • 1061 unter Heinrich IV. (*1050/°1106) geweihten und schließlich,
  • im Todesjahr Heinrichs IV., 1106 fertiggestellten Baus.

In der Folgezeit mehrfach wegen verheerender Brände und Zerstörungen um- oder wiederaufgebaut, unter anderem:

  • 1689 – Brand infolge des Pfälzischen Erbfolgekrieges,
  • in den 70igern des 18. Jh. Wiederherstellung,
  • 1806 Verwüstung im Zuge der Französischen Revolution,
  • Erneuerung im Verlauf des 19. Jh.,
  • in den 50igern des 20. Jh. weitestgehend in den ursprünglichen (romanischen) Originalzustand wiederhergestellt,

wurde der Dom zu Speyer 1981 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

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Weitere Bauwerke der Romanik – unter anderen:

  • Abteikirche Saint-Remi/Reims,
  • Stiftskirche Notre-Dame-la-Grande/Poitiers,
  • Markusdom in Venedig,
  • ‚Schiefer‘-Turm und die Kathedrale zu Pisa/Toskana,
  • Klosteranlage ‚Unser Lieben Frauen‘ in Magdeburg,
  • Mainzer Dom,
  • Benediktinerabtei Maria Laach,
  • Bamberger Dom

Gotik – ‚Kathedrale der Heiligen Maria‘ Palma de Mallorca/‚La Seu‘ (Beispiel)

Die mit 6600 qm Gesamtfläche, einer Länge von 110-, einer Breite von etwa 40- und einer Höhe von fast 45 Metern, gehört die aus Sandstein errichtete dreischiffige Kathedrale unzweifelhaft mit zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik.

Grundsteinleger war König Jakob I. der Eroberer (span.: Jaime I. – *1208/°1276). Der hatte zuvor, 1229, die Mauren – sozusagen – von der Insel gejagt, daraufhin ein Gelübde abgelegt und 1230 aus Dankbarkeit für seinen errungenen Sieg den Startschuss zum Bau der Kathedrale gegeben.

Die Arbeiten dauerten nahezu vierhundert Jahre.

Die Fertigstellung der Apsis 1269 hat Jaime I. noch erlebt. Nach seinem Tod führten und förderten reiche Kaufleute und wohlhabende andere Bürger die Bauarbeiten weiter:

  • 1377 wurde der zweite Teil des Mittelschiffs vollendet,
  • ab 1397 kamen die Seitenschiffe, die Südfassade und die Kapelle ‚Unserer Frauen von la Clastra hinzu,
  • bis in die Mitte des 16. Jh’s. schuf man Säulen, Bögen, Strebepfeiler und Maßwerkfenster,
  • 1587 wurde der letzte Rundbogen eingefügt und mit der
  • Fertigstellung des großen Hauptportals ‚de l’Almoina‘ (‚Almosentor‘) – gegenüber dem aus der arabischen/muslimischen Besatzungszeit stammenden Almudaina-Palast – wurde die Kathedrale 1601 fertiggestellt.

Und doch wurde ‚La Seu‘, die – wegen ihrer einundsechzig Buntglas- und der sieben Rosettenfenster (das größte hat einen Durchmesser von zwölf Metern) auch ‚Kathedrale des Lichts‘ genannt wird – bis ins 20. Jh. hinein einige Male sowohl außen als auch innen erweitert, verändert und umgestaltet.

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Weitere Bauwerke der Gotik – unter anderen:

  • Stephansdom/Wien,
  • Kathedrale ‚Notre-Dame de Reims‘,
  • Kölner Dom,
  • ‚Liebfrauenmünster zu Straßburg‘ (Straßburger Münster),
  • Dom ‚St. Peter‘ in Regensburg (Regensburger Dom),
  • ‚Santa Maria de la Sede‘ (Kathedrale von Sevilla/Spanien),
  • ‚Notre-Dame de Paris‘,
  • Kathedrale ‚Santa Maria del Fiore‘ in Florenz/Toskana

Autor Manfred Zorn
Quellen: „Mallorca“ (W. M. Healy/Prestel-Verlag), „Mallorca“ (Vis-á-Vis/DK-Penguin Random House), „Mallorca“ (Thomas Schröder/Michael Müller Verlag), „Deutsche Geschichte 500-1152“ (Bertelsmann Lexikon Verlag)

 

 

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