Wer war William Shakespeare?

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker und Lyriker. Seine umfangreichen Arbeiten – es sollen u.a. zwischen 36 und 38 Dramen und 154 Sonetten (ital. Gedichtform/Klinggedicht) sein – gehören heute zur Weltliteratur.

Vita mit weißen Flecken

Dass es einen William Shakespeare tatsächlich gegeben hat, ist im Kirchenregister der Holy Trinity Church seines Geburtsortes Stratford-upon-Avon in der englischen Grafschaft Warwickshire nahe Birmingham zu erfahren. Danach soll William dort im April 1564 getauft worden sein.

Das genaue Geburtsdatum ist – wie auch eine ganze Reihe seiner sonstigen Lebensdaten – unbekannt. Vieles von dem, was man über Shakespeare weiß, beschränkt sich in weiten Teilen auf Vermutungen. Wie auch immer.

Elternhaus

Vater John verdiente seinen Lebensunterhalt wohl überwiegend mit dem Handel von Wolle, Fellen, Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten, soll mutmaßlich aber auch als Handschuhmacher unterwegs gewesen sein.

Der einen oder anderen Quelle zur Folge soll er es durchaus zu einigem Wohlstand, zum Bürgermeister des Ortes sowie in den Stand eines Gentleman (mit entsprechendem Wappen) gebracht haben – womit er der wohlhabenden Familie seiner Frau Mary Arden endlich auf Augenhöhe begegnen konnte.

The Birthplace, Schule, Heirat

Williams vermutliches Geburtshaus, The Birthplace genannt, ist ein restauriertes Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert in der Henley Street in Stratford-upon-Avon. Es ist jetzt ein Museum und eine beliebte Besucherattraktion, die vom Shakespeare Birthplace Trust verwaltet wird.

Anzunehmen ist, dass William die Lateinschule (Grammar School) in Stratford, allerdings nie eine Universität besucht hat.

Mit Achtzehn, gegen Ende des Jahres 1582, heiratete William eine gewisse Anne Hathaway (1540-1608) aus gut situiertem Elternhaus.

Ein eindeutiges Hochzeitsdatum scheint nirgends dokumentiert zu sein, das Datum des Aufgebots dagegen (27. November 1582) ist in den Unterlagen des kirchlichen Verwaltungsbezirks Worcester aktenkundig. William und Anne bekamen drei Kinder – Susanna und die Zwillinge Hamnet und Judith.

Verlorene Jahre

Etwa ab 1585 verlieren sich die nächsten sieben, acht Lebensjahre William Shakespeares sozusagen im Ungefähren, um nicht zu sagen: Im Dunkeln. In der Shakespeare-Forschung spricht man von verlorenen Jahren.

Ob es ihm zu eng in seinem Elternhaus mit nun immerhin sieben Menschen wurde, ob er sich klammheimlich einer Wanderbühne angeschlossen, oder sonst so seine Gründe, welche auch immer, hatte – man weiß es nicht.

Vermutet wird allerdings mit knapper Gewissheit, dass er sich nach London abgesetzt, dort als Schauspieler und Stückeschreiber gearbeitet und 1592 den ersten Teil seines Dramas Heinrich VI. zur Uraufführung gebracht hat.

Prosperierender Aufwärtstrend

Ab 1594 gehörte William Shakespeare zur erfolgreichsten Theatertruppe Londons, der Lord Chamberlain´s Men, die nach dem Tod Elisabeths I. (1533-1603) unter ihrem Nachfolger, König Jakob/James I. (1566-1625), in The King’s Men umbenannt wurde.

Williams steigende Erfolge als Dramatiker und Schauspieler brachten ihm schließlich, gegen Ende des 16. Jahrhunderts, nicht nur den erhofften wirtschaftlichen Durchbruch, sondern auch die Mitdirektion des 1599 an der Themse erbauten Globe-Theaters.

Privatier

Nach dem, was die Chroniken hergeben, scheint sich Shakespeare, etwa ab 1610, aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen zu haben und lebte nun – mit einigen Abstechern nach London – vorzugsweise in seinem 1597 in Stratford-upon-Avon erworbenen Domizil New Place in der Chapel Street, wo er im April 1616, vermutlich am Tag seines 52. Geburtstags verstarb und nachweisbar im Chorraum der Holy Trinity Church bestattet wurde.

Wie über so vieles, was man immer noch nicht so ganz genau über William Shakespeare weiß, ist auch nichts über die eigentliche Todesursache bekannt. Es kann also auch in diesem Punkt weiterhin trefflich spekuliert werden.

Literarisches Erbe

Aber, obwohl bereits seit Generationen darüber gerätselt und diskutiert wird, ob Shakespeare tatsächlich der alleinige Dramatiker und Dichter all der ihm zugeschriebenen Werke ist, geht die sich mit dieser Frage beschäftigende Wissenschaft inzwischen doch davon aus, dass die Bühnenwerke, wie unter anderen

  • Richard III. (1593),
  • Romeo und Julia (1592/93),
  • Der Widerspenstigen Zähmung (1594),
  • Der Kaufmann von Venedig (1595),
  • Die lustigen Weiber von Windsor (1598),
  • Wie es euch gefällt (1599),
  • Hamlet (1602),
  • Othello (1604),
  • Macbeth (1605),
  • Antonius und Cleopatra (1607)
  • und vieles andere

nach Lage der Erkenntnisse selbstverständlich von Shakespeare stammen.

... Shakespeare bleibt ...

Wie auch immer es sein mag, noch heute gehören die Komödien, Tragödien und historischen Dramen, ob im Sprech- oder Musiktheater, zu den meistgespielten Bühnenstücken weltweit.

Was auch dem Statement des deutschen Schriftstellers Otto Ludwig (1813-1865) einen gewissen Sinn verleiht, der – im Hinblick auf die Doppelbegabung des Dramatikers – einmal gesagt haben soll: ‚…Shakespeare hat seine Stücke aus dem Herzen der Schauspielkunst heraus geschrieben…‘.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Reclams Schauspielführer" (Reclam), "England" (H.E.Conrad / Prestel Verlag München), "Duden - Das große Buch der Allgemeinbildung" (Dudenverlag)

 

 

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