Wer kämpft wann wo gegen Windmühlen?

Ein gewisser Don Quijote, der in der spanisch-kastilischen Landschaft La Mancha gegen Windmühlen kämpft.

Abgesehen von Don Quijote. Was bedeutet ein Windmühlenkampf sprichwörtlich?

Gegen Windmühlen kämpft sinngemäß jemand, der sich vergeblich gegen Situationen stellt, die sich ohnehin nicht ändern lassen; also ein Aufbegehren gegen Ärgernisse, Unannehmlichkeiten und/oder sonstige Widrigkeiten jeglicher Art, von vorn herein keine Aussicht auf Erfolg verspricht.

Und? Woher stammt die Redensart ‚… gegen Windmühlen(Flügel) kämpfen…?

Aus Miguel de Cervantes Saavedras (*1547/°1616) 1605 erstmals erschienenen 1. Teils des Romans ‚Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha‘.

Was erzählt uns Miguel de Cervantes?

Darin, in diesem literarischen Epos, geht es grundsätzlich um den verarmten Edelmann Alfonso Quijano, der sich – nach langer und ausgiebiger Lektüre von Ritterromanen – schließlich selbst zum Ritter sowie, damit einhergehend, zum Beschützer der Armen, Witwen und Waisen berufen fühlt. Natürlich liegt dem Idealisten, Enthusiasten und Träumer auch der Fight für Gerechtigkeit und den ‚Weltfrieden‘ am Herzen. Also nennt er sich fortan

  • ‚Don Quijote de la Mancha‘,
  • setzt sich auf sein klappriges Pferd namens Rosinante,
  • trifft auf den schlichten, aber dennoch schlitzohrigen, mit Schlagfertigkeit sowie einer gesunden Portion Realitätssinn ausgestatteten Bauer Sancho Pansa und
  • erklärt ihn zu seinem Schildknappen.

Ab sofort machen sie sich – gemeinsam und im Zuge der Geschichte bald freundschaftlich verbunden – auf, die ‚Welt zu retten‘.

Ein schräges Paar!

Don Quijote, lang und klapperdürr, Sancho Pansa, klein, dick und rund auf seinem ebenso kleinen Esel Rucio (span.: ‚grau‘) reitend, besteht dieses skurrile und in ihren Ansprüchen gegensätzliche Paar in der Folge auf etwa tausendeinhundert Seiten die kuriosesten und spleenigsten Abenteuer.

Die aberwitzigste Episode ist zum Beispiel (Zitat):

  • Von dem glücklichen Erfolg, den der mannhafte Don Quichote bei dem erschrecklichen und nie erhörten Kampf mit den Windmühlen davontrug, nebst anderen Begebnissen, die eines ewigen Gedenkens würdig sind‘

im 1. Teil, Kapitel 8 nachzulesen.

Dort heißt es (noch'n Zitat):

  • 'Indem bekamen sie dreißig oder vierzig Windmühlen zu Gesicht, wie sie in dieser Gegend sich finden; und sobald Don Quijote sie erblickte, sprach er zu seinem Knappen:
  • "Jetzt leitet das Glück unsere Angelegenheiten besser, als wir es nur immer zu wünschen vermöchten; denn dort siehst du, Freund Pansa, wie dreißig Riesen oder noch etliche mehr zum Vorschein kommen; mit denen denke ich einen Kampf zu fechten und ihnen allen das Leben zu nehmen. Mit ihrer Beute machen wir den Anfang, uns zu bereichern; denn das ist ein redlicher Krieg, und es geschieht Gott ein großer Dienst damit, so böses Gezücht vom Angesicht der Erde wegzufegen."
  • "Was für Riesen?" versetzte Sancho Pansa.
  • "Jene, die du dort siehst", antwortete sein Herr, "die mit den langen Armen, die bei manchen wohl an die zwei Meilen lang sind."
  • "Bedenket doch, Herr Ritter", entgegnete Sancho, "die dort sich zeigen, sind keine Riesen, sondern Windmühlen, und was Euch bei ihnen wie Arme vorkommt, das sind die Flügel, die, vom Winde umgetrieben, den Mühlstein in Bewegung setzen."
  • "Wohl ist's ersichtlich", versetzte Don Quijote, "dass du in Sachen der Abenteuer nicht kundig bist; es sind Riesen, und wenn du Furcht hast, mach dich fort von hier und verrichte dein Gebet, während ich zu einem grimmen und ungleichen Kampf mit ihnen schreite.“

Na klar. Der Kampf endet, wie zu erwarten ist, nicht zum Vorteil für den ‚Ritter von der traurigen Gestalt‘. Trotzdem bleibt er uneinsichtig, vermutet, dass der Magier Fristón

  • ‚… diese Riesen in Windmühlen verwandelt hat, um mir den Ruhm ihrer Besiegung zu entziehen…‘

und reitet unverdrossen neuen Abenteuern entgegen.

Wer war Miguel de Cervantes Saavedras, und wie hat er gelebt?

Ereignis- und abwechslungsreich, um nicht zu sagen: Abenteuerlich!

Miguel de Cervantes Saavedras war ein spanischer Schriftsteller, dessen berühmtestes Werk eben die Erzählungen um den ‚Fahrenden Ritter‘ Don Quijote sind.

Flucht

Vermutlich 1547 in Alcalá de Henares nahe Madrid geboren und aus verarmtem Adel stammend, studierte Cervantes Theologie, wurde 1569 von der Justiz verdächtigt – ob zu Recht oder Unrecht ist nicht eindeutig erwiesen – seinen Duellpartner verletzt zu haben, entgeht aber einer möglichen Verhaftung, indem er sich vorsorglich nach Rom absetzt.

Rom, Barras, Algier, Sklave und Knast

Dort, in Rom, soll er kurzzeitig als Kammerdiener gejobbt, sich daran anschließend in Neapel der spanischen Marine angeschlossen, 1571 an der Schlacht von Lepanto am Golf von Korinth teilgenommen haben und schwer verletzt worden sein. So blieb beispielsweise seine linke Hand dauerhaft bewegungseingeschränkt.

Obwohl dann 1575 von algerischen Seeräubern nach Algier gebracht und zu fünf Jahren Sklavendienst verdonnert, ging Cervantes nach seiner Freilassung ein weiteres Mal zum Militär.

Ein Mensch, wie man ihn nicht überall trifft

Dann, in den frühen 80igern des 16. Jahrhunderts, vermutlich noch während der Inhaftierung in Algerien,

  • begann Cervantes ernsthaft mit der Schriftstellerei,
  • war vorübergehend verheiratet (keine Kinder),
  • wurde Steuereintreiber,
  • vergriff sich an Kircheneigentum,
  • wurde exkommuniziert,
  • veruntreute Staatsgelder, wurde obendrein des Mordes verdächtigt, kam erneut ins Gefängnis und
  • stürzte sich dort ‚kopfüber‘ in die Arbeit an seinem größten Werk ‚Don Quijote‘.

Der erste Teil wurde 1605 veröffentlich, der zweite etwa 1615.

Bedeutung, Renommee und Würdigung

Der ‚Ritter von der traurigen Gestalt‘ wird weltbekannt. Und Cervantes mit ihm.

Schon früh setzte die Literaturwissenschaft den Protagonisten Don Quijote – man höre und staune – (unter anderen) mit Odysseus, Hamlet oder Faust gleich.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des 2. Teils verstirbt Cervantes plötzlich und unerwartet im April 1616. In Madrid.

Sein eigenwilliger, ungewöhnlicher und – vorwiegend im 1. Teil – abgedrehter Möchtegern-Ritter Don Quijote allerdings, gehört bis heute zur Weltliteratur. Sie, die Figur mit ihrem Wirken und Wollen, ist sozusagen zeitlos ...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ (Miguel de Cervantes Saavedra/Winkler Verlag München), „Miguel de Cervantes – Ein wildes Leben“ (Uwe Neumahr/C.H.Beck)

 

 

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