Gunther – eine schwache oder starke Figur der Nibelungensage?

Gunther, König der Burgunder, ist eher ein zwiespältiger Charakter.

 

Ausgestattet mit wenig bemerkenswerter Körperkraft, kann Gunther sein dringendstes Ziel, nämlich die isländische Königin Brunhild ins eheliche Bett zu kriegen, nur mit List und Tücke sowie der Unterstützung Siegfrieds erreichen.

Den aus diesem Handeln kurz darauf entstehenden Verwicklungen – bedingt durch ein zu erwartendes Eifersuchtsdrama zwischen Kriemhild und Brunhild – mag Gunther sich aus Eitelkeit und Geltungssucht nicht aussetzen.

Da sich der paranoide Burgunderkönig darüber hinaus in seiner Machtstellung durch den ihm überlegenen Siegfried bedroht fühlt und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen will (indem er versucht, gleichzeitig auch Kriemhilds Erbe, den Nibelungenschatz, in die Hand zu bekommen), lässt er Siegfried – wohl auch mit stiller Billigung der durch Kriemhild tödlich gekränkten Brunhild – kurzerhand von Hagen von Tronje ermorden.

So etwas kann keinesfalls als die so genannte feine englische Art betrachtet werden, oder?

Autor: Manfred Zorn

 

 

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