Was bedeutet Puritanismus - und was sind Puritaner?

Mit dem Begriff „Puritanismus“ wird eine religiöse Reformbewegung der Anglikanischen Kirche im England des 16/17. Jahrhunderts bezeichnet. Ihre Anhänger werden Puritaner (lat. „puritas“ oder „purus“/“Reinheit“, „pur“) genannt.

 

Puritanismus vs. Katholizismus und Absolutismus

Die sich etwa um 1560 in England rekrutierenden Puritaner verfolgten eine radikale Reform der (anglikanischen) Kirche, die auch vor der Eliminierung noch verbliebener katholischer Elemente, wie (zum Beispiel):

  • Abschaffung der Priestergewänder,
  • des Prunks in den Gotteshäusern, einschließlich der Orgeln sowie – wenn schon, denn schon –
  • auch vor der Abschaffung der Erzbischöfe, Bischöfe und sämtlicher weiterer kirchlichen Amtsträger

nicht Halt machte.

Damit standen die Puritaner in durchaus gewollter Opposition zu den seinerzeit absolutistisch herrschenden Monarchen James I. (*1566/°1625) sowie dessen Sohn, Charles I. (*1600/°1649).

Gruppenbildung

Im Zuge der sich rasch – vornehmlich in England unter der Herrschaft Oliver Cromwells (*1599/°1658) – verbreitenden Idee des Puritanismus, kam es schon bald zu einer Pluralität theologisch und organisatorisch unterschiedlich geprägter Glaubensrichtungen. Zwar orientierten sich die Puritaner – ob nun (z.B.):

  • „Prelaticals“,
  • „Kongregationalisten“,
  • „Presbyterianer“ oder
  • „Separatisten“ –

vornehmlich an Johannes Calvins (*1509/°1564) protestantisch-calvinistischer Lehre (Calvinismus) und standen/stehen weitestgehend für eine sittenstrenge, anspruchslose, unprätentiöse und ausschließlich auf Arbeit ausgerichtete Lebensführung, unterschieden/unterscheiden sich jedoch im Detail.

Duldung, Verfolgung und Auswanderung

Zu Beginn der puritanischen Reformbewegung wurden deren Wortführer und Anhänger nicht weiter ernst genommen und sogar geduldet. Später allerdings – etwa ab dem frühen 17. Jahrhundert – wurden sie verfolgt und eingesperrt. Grund genug für eine Vielzahl Puritaner aller Couleur, die Insel zu verlassen.

Zuerst gings in Richtung der religionsfreiheitlicheren Niederlande, dann – 1620 mit dem Aufbruch der so genannten „Pilgerväter“ („Pilgrim Fathers“) auf dem Segelschiff „Mayflower“ – nach Nordamerika.

Obwohl, dort angekommen, ganz sicher nicht alle Neuankömmlinge Puritaner waren, gaben diese dennoch weitestgehend den Ton an und hatten – trotz partieller theologischer Unterschiede (z.B. Baptisten, Quäker, Methodisten) – großen Einfluss auf die Entwicklung der Religion(en) in den heutigen USA.

PS

„Prelaticals“

  • akzeptierten zwar das so genannte Episkopat (Bischofsamt bzw. die Gesamtheit aller katholischen Bischöfe), traten aber dennoch für eine Neugestaltung der Liturgie und eine rigide Strenggläubigkeit ein.

„Kongregationalisten“ ( „Congregation“/„Gemeinde“),
oder auch Independenten („Independents“/„Unabhängige“) genannt

  • fühlten sich zwar auch weiterhin der Anglikanischen Kirche („Church of England“) zugehörig, lehnten aber sowohl jedwede übergeordnete staatliche, als auch kirchliche Autorität ab, präferierten in Eigenverantwortung agierende Einzelgemeinden und ließen/lassen einzig Jesus Christus als – sozusagen personifizierten – „Bischof“ gelten.

„Presbyterianer“

  • Die ursprünglich aus Schottland stammende presbyterianische Bewegung fühlte sich Gottes Willen verpflichtet, verhielt sich ablehnend gegenüber weltlichen Vergnügungen und befürwortete eine strikte Trennung von Staat und Kirche. Ihren jeweiligen Kirchengemeinden stehen keine Bischöfe vor, sondern ein so genannter „Presbyter“ (griech.: „presbyteros“/“der Ältere“). Eine Kirchenverwaltung auf Basis einer "Presbyterialverfassung" komplettiert ihr Religions- bzw. Kirchenverständnis.

„Separatisten“

  • waren sozusagen die Fundamentalisten unter den Puritanern. Und die am heftigsten Verfolgten! Denn konsequent plädierten sie für eine bedingungslose Loslösung von der Anglikanischen (Staats)-Kirche.

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Das Gewissen und die Macht (Peter de Mendessohn / Prestel Verlag)

 

 

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