Wie kam der Tannenbaum zum Weihnachtsfest?

Oh, ha – das war, wie’s scheint, ein ziemlich langer und nur vage nachzuvollziehender Weg.

Wie es nicht gewesen zu sein scheint

So werden auf der Suche nach dem Ursprung des grünen Schmucks zu Weihnachten beispielsweise bereits die heidnischen Bräuche der Germanen und Römer oder auch die der Menschen des Mittelalters bemüht, die – einer vermuteten Gepflogenheit zur Folge – mit dem Auslegen immergrüner Tannenzweige (oder adäquater Pflanzen) möglicherweise zu einer atmosphärisch freundlicheren Stimmung während der dunklen Zeit der Wintersonnenwende (21/22. Dezember) beitragen sollten.

Allerdings haben diese Rituale ebenso wenig mit dem Auftauchen des Weihnachtsbaumes in den Wohnstuben zu tun, wie das 813 n. Chr. („Mainzer Synode“) offiziell erklärte und fortan auf Dauer festgelegte Fest der Geburt Christi („festum nativitas Christi“) am 25. Dezember eines Jahres.

Wie es vermutlich gewesen sein könnte

Erste Berichte, Zeugnisse und Darstellungen von Christ-, Tannen- oder Weihnachtsbäumen, tauchen erst sehr viel später, mit Beginn des 15. sowie im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts, auf.

So sollen während dieser beiden Jahrhunderte sowohl Freiburger Bäcker, Lucas Cranach der Ältere (*1472/°1553) und Weihnachtsbaumhändler aus dem Elsass, als auch Handwerkerzünfte aus Basel und/oder Bremen in der einen oder anderen Art und Weise mit der heute nicht mehr wegzudenkenden Tradition des Aufstellens eines Tannenbaums, ob nun Nordmann-, Edel- Blautanne oder Fichte, befasst gewesen sein bzw. diese sogar (im weitesten Sinne) begründet haben.

Wie es wurde, was es heute ist

Danach – im Laufe des 17/18/19. Jahrhunderts – nahm dieser Brauch eindeutig an Fahrt auf.

Zuerst ausschließlich in den Städten, in Adelskreisen und unter sonstigen wohlhabenden Bürgern, dann – allmählich und peu a peu – auch unter den so genannten „kleinen“ Leuten in Stadt und Land.

Der Christbaumschmuck, bis dahin unter anderem bestehend aus Äpfeln, Nüssen, getrockneten Pflaumen und Ähnlichem, wurde stetig ergänzt. Hinzu kamen unter anderem:

  • Kerzen (17/18. Jh.),
  • Lebkuchen,
  • Spekulatius,
  • weiße, silberne, goldene oder andersfarbige Glas- und/oder Kunststoffkugeln (19. Jh.),
  • Lametta (19. Jh.),
  • farbige Schleifen und vieles andere mehr –

je nach Gusto! Zum Beispiel auch die – aus Kindertagen unvergesslichen – so genannten Tannenbaumkränze/Gartmann Kringel (erhältlich seit Beginn des 20. Jahrhunderts).

Spätestens mit Beginn des 20. Jahrhunderts fand der geschmückte Lichterbaum endgültig und weltweit Eingang in so gut wie (fast) allen Haushalten – nur, um es hier, etwas abgewandelt, mit Loriot zu sagen: „… früher war einfach mehr Lametta …“

Apropos

Im Zuge der Reformation (1517 bis 1648) und sanktioniert durch Martin Luther (*1483/°1546), wurde der Weihnachtsbaum zunächst protestantisch. Offenbar und sozusagen gedacht als Gegenpol zum katholischen Krippenspiel.

Ein Gedanke, der sich letztlich und zum Glück nicht durchsetzte. Warum sollte nicht beides, Christbaum und Krippenspiel, möglich sein?

Nun, so hat sich’s inzwischen ja auch entwickelt. Jedenfalls spätestens seit den frühen Achtzigern des 20. Jahrhunderts, als Papst Johannes Paul II. (*1920/°2005) einen Christbaum auf dem Petersplatz in Rom aufstellen ließ …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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