Wer war Moses?

Moses, aus dem Hause Levi, gilt – sowohl für Juden, als auch für Muslime und Christen – als Prophet von großer und ins Gewicht fallender Bedeutung, das heißt, er übermittelte den Menschen nicht nur die zehn Gebote sowie eine ganze Reihe weiterer Vorschriften und Instruktionen Gottes, sondern wird darüber hinaus auch als Begründer des Monotheismus gesehen.

Die Kinder Israels in Ägypten

Nachdem Joseph beim Pharao dafür gesorgt hatte, dass auch seine Familie Aufnahme mit zeitlich unbegrenztem Aufenthaltsrecht in Ägypten bekam (1. Mose, Kap. 46-47), verbrachten die Hebräer einige Jahrhunderte in Ägypten. Allerdings waren das Volk Israel vom Schicksal schwer gebeutelt. Heute würde man sagen, sie galten als Fremde mit Migrationshintergrund.

Sie waren unbeliebt, wurden unterdrückt, mussten Frondienste verrichten und kämpften vergebens um ihre Rechte.

Alles in allem – das Leben, das sie führten, war kein Sonntagsspaziergang. Noch zumal der gerade amtierende Pharao verfügt hatte, alle männlichen Neugeborenen töten zu lassen (2. Mose 1).

Aber, Glück im Unglück, Gott kam den Hebräern zur Hilfe.

Wie? Nun, in Gestalt Mose(s), der zwar – wegen des Tötungsbefehls – von seiner Mutter auf dem Nil ausgesetzt, aber von der Tochter des Pharao gerettet, später von der leiblichen Mutter gestillt und von der Pharaonentochter adoptiert sowie letztlich am Königshof erzogen wird (2. Mose 2, 1-10).

Totschlag, Flucht, Heirat und ein brennender Dornbusch

Im weiteren Verlauf dieser spannenden Geschichte erschlägt Moses, inzwischen erwachsen, einen ägyptischen Sklaventreiber, als er sieht, wie dieser einen der unter Mühen schuftenden Hebräer auf unschöne Art misshandelt.

Um nun einer möglichen Festnahme zu entgehen, flieht Moses nach Midian, heiratet, lebt und arbeitet dort. Eines Tages, Moses hütet gerade die Schafe seines Schwiegervaters, sieht er am Fuße des Berges Horeb einen brennenden Dornbusch. Neugierig geworden, will Moses sich davon überzeugen, warum eigentlich der Busch nicht wirklich verbrennt.

  • '...da aber rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Tritt nicht herzu, zieh‘ deine Schuhe von den Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land! Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs …‘

Moses' Berufung

Sei es, wie es sei.

Es entwickelt sich ein längeres Gespräch, in dem Gott Moses schließlich überzeugt von ihm, Gott, auserwählt zu sein, das Volk Israel aus der ägyptischen Unterjochung zu führen.

Zum Schluss des Gedankenaustauschs übergibt Gott Moses einen Stab

  • ‚… mit dem du (Moses) Zeichen tun sollst‘ (2. Mose 3/4).

Die zehn Plagen

Selbstverständlich befolgt Moses Gottes Weisung, kehrt zurück nach Ägypten und wird, gemeinsam mit seinem Bruder Aaron, vorstellig beim Pharao, um die Freilassung seines Volkes zu erwirken.

Als ihre Petition brüsk abgelehnt wird, schickt Gott, empört über diesen verbohrten Pharao, im ersten Schritt neun schreckliche Plagen über Ägypten:

  • die Verwandlung aller Gewässer in Blut,
  • eine ungeheure Froschplage,
  • Steckmücken,
  • Stechfliegen,
  • eine Viehpest,
  • die Blattern,
  • Hagel,
  • Heuschrecken,
  • eine dreitägige Finsternis

und – nachdem alle diese Plagen den Pharao unbeeindruckt lassen – die zehnte Plage, nämlich

  • die Tötung aller Erstgeborenen. Egal, ob Vieh oder Mensch und unabhängig von Rang und Namen.

Was endlich den Pharao bewog, die ‚Kinder Israels‘ ziehen zu lassen. In das Land

  • ‚… darin Milch und Honig fließt …‘.

Das geteilte Meer

Aber, man glaubt es nicht, der Pharao war unbelehrbar.

Kaum hatten sich die Israeliten auf den Weg gemacht, bedauerte er seine voreilige Freizügigkeit und verfolgte unerbittlich sowie ohne mit der Wimper zu zucken die Auswandernden – hatte aber die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht.

Am Schilfmeer angekommen, die ägyptischen Häscher hinter sich, teilte Moses mit dem Stab Gottes das Meer, zog mit seinen Leuten hindurch und ließ – die Ägypter folgten ihnen bereits blindlings und sozusagen hautnah – das Wasser wieder zurückfluten. Das war’s dann für den Pharao und dessen Mannschaft (2. Mose 14). Dumm gelaufen.

Gebuhe und Missfallenskundgebung

Egal. Für Moses und sein Volk hieß es nun, tapfer weiter zu marschieren. Durch die Wüste. Zum Berg Sinai.

Hitze, Hunger und Durst setzt den (noch) heimatlosen Umsiedlern stark zu. Eine Protesthaltung gegen Moses im Besonderen und das ganze Unterfangen im Allgemeinen wird spürbar.

Und erneut schafft Gott Abhilfe. Großmütig sorgt er für ausreichend Wachteln, Manna und Wasser.

Die 'Zehn Gebote' und der 'Tanz ums Goldene Kalb'

Dann, am ersten Tag des dritten Monats nach ihrem Auszug aus Ägypten, erreicht Moses mit seiner Gefolgschaft im Schlepptau schließlich die Wüste und den Berg Sinai. Auf letzterem, also auf dem Berg, erläutert Gott Moses was es mit den zehn Gebote auf sich hat (2. Mose 20), erklärt ihm ausführlich die damit einhergehenden so genannten ‚Rechtsordnungen‘ (2. Mose 21,1-23,19) sowie eine beträchtliche Reihe sonstiger Regeln und beordert ihn, Moses, im 2. Buch Mose, Kap. 24, V 12-18 hinauf zu ihm auf den Berg, um ihn die steinernen Gesetzes- und Gebotstafeln in Empfang nehmen zu lassen:

  • ‚… Und Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg und blieb auf dem Berge vierzig Tage und Nächte‘.

Zeit genug für die am Fuße des Berges zurückgebliebenen Kinder Israels, ihrem inzwischen weiter angestauten Unmut über Moses Abwesenheit lautstark Luft zu machen. Und im gleichen Atemzug Aarons Ordnungs- und Sicherungsdienst überdrüssig, verdonnerte ihn die aufgebrachte Menge ein ‚goldenes Kalb‘ zu gießen. Der nach Fertigstellung folgende Tanz um das 'Goldene Kalb', fand aber weder Gottes noch Moses‘ Beifall.

Moses, verständlicher Weise arg wütend, zerschmetterte die beiden ihm von Gott übergebenen Tafeln, und Gott war nur schwer zu bremsen, nicht gleich das ganze Volk zu vernichten.

Langer Rede, kurzer Sinn

Moses erhält dann doch noch neue Gesetzestafeln, darf im Zuge der Übergabe – als erster und letzter Mensch – Gott zwar nicht von Angesicht zu Angesicht sehen, ihm aber doch ganz nah kommen (AT, 2. Mose 33,18-33,23) und hat, während er und die Kinder Israels weitere vierzig Jahre durch die Wüste ziehen mussten, noch etliche Aufgaben und Pflichten abzuwickeln und umzusetzen.

So, zum Beispiel,

  • erläutert und vermittelt er Gottes Gesetze,
  • teilt das Land ‚… indem – wie gesagt – ‚Milch und Honig fließen…‘ unter den israelischen Sippen per Los auf,
  • besteht als Heerführer sämtliche kriegerischen Auseinandersetzungen,
  • bestimmt seinen Nachfolger,
  • verstirbt kurz vor Erreichen des ‚Gelobten Landes‘

und wird, privilegiert wie Moses nun einmal gewesen zu sein scheint, von Jahwe (Gott) höchstpersönlich bestattet.

  • ‚…So starb Mose, der Knecht des Herrn, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des Herrn. Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Beth-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. Und Mose war einhundertzwanzig Jahre alt, als er starb…‘ (5. Mose 34, 5-7).

Hinterhergeschoben

Was auch immer über den Propheten Moses bekannt ist, stammt aus dem Alten Testament. Bis annähernd ins 17. Jahrhundert hinein wurde vermutet, Moses selbst sei der Verfasser der fünf Bücher Mose gewesen. Das allerdings nimmt die Bibelforschung heute keineswegs mehr an. Und über die Frage, ob überhaupt Moses tatsächlich gelebt und all die in den Büchern geschilderten Taten vollbracht hat, wird nach wie vor trefflich ‚gestritten‘.

Um es abschließend mit Bertold Brecht und seinem ‚guten Menschen von Sezuan‘ zu sagen:

  • ‚Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen den Vorhang zu – und alle Fragen offen..‘

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Bibel“ (Württembergische Bibelanstalt Stuttgart), „50 Klassiker – Bibel“ (Christian Eckl/Gerstenberg Verlag)

 

 

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