Wer waren die Hugenotten – und was haben sie mit der Bartholomäusnacht zu tun?

Das ist im Detail eine längere Geschichte. Versuchen wir´s also auf eine möglichst kurze Art.

 

Der Name

Als Hugenotten, deren Namen auf den schweizerisch-deutschen Begriff

  • „Eidgenosse“ (fz.: „eiguenot“ oder – verballhornt und als Schimpfwort gemeint – „huguenot“) und/oder
  • auf einen gewissen Schweizer Widerstandskämpfer namens Besancon Hugues (*1482/°1532) sowie einiger weiterer – aber nicht wirklich abgesicherter – Interpretationen zurückgehen soll,

wurden/werden die calvinistischen Protestanten seit etwa Mitte des 16. Jahrhundert in Frankreich bezeichnet.

Die Akteure

Protestantismus war dem katholischen Frankreich allerdings suspekt. Also wurden die Hugenotten wegen ihres Glaubens verfolgt.

Neben der den Hugenotten gegenüber oft ambivalent agierenden französischen Königin Katharina de’ Medici (*1519/°1589), waren die hauptsächlichen Initiatoren dieser auch von Hass geprägten Unterdrückung die königliche Familie im Allgemeinen und im Besonderen, die katholischen Adels- und Herzogsfamilien Guise, Bourbon und Chátillon sowie das ebenfalls streng katholische spanische Königshaus Philipps II. (*1527/°1598).

Interessengeleitete Unterdrückung und Verfolgung

In der Zeit zwischen 1562 und 1598 fanden acht so genannte Hugenottenkriege statt. Allerdings waren diese Auseinandersetzungen letztlich nur vordergründig religiös motiviert. Vielmehr spielten dabei Machterhalt sowie das Nichtaufgeben wollen einer – als ganz natürlich vorausgesetzten – Vorrangstellung seitens der herrschenden Klasse eine erhebliche Rolle.

Und wie so oft, wenn es um das Deutungsmonopol ging/geht, wechselten die Koalitionäre schon mal beherzt die Seiten. Je nach Lage der Dinge und der eigenen Interessen. Wie auch immer!

Killing Fields und deren Namensgebung

Ihren unrühmlichen Höhepunkt fanden diese Auseinandersetzungen 1572 im Massaker der so genannten Bartholomäusnacht, auch Pariser Bluthochzeit genannt.

Der Begriff „Bartholomäusnacht“ geht vermutlich auf einen der Jünger Jesu namens Bartholomäus zurück, dessen Namenstag – ebenso wie der Beginn dieser Mordnacht – auf den 24. August datiert wird.

Und die schauerliche Wortschöpfung „Pariser Bluthochzeit“ hat mit der um dieses Datum herum angesetzten Hochzeit Margarethes, einer Tochter Katharinas de’ Medici (*1519/°1589), mit dem Hugenotten Heinrich von Navarra (*1553/°1610) zu tun.

Gutgemeinter Beginn, desaströses Ende

Diese – die Gemüter eigentlich beruhigen sollende – Hochzeit war die Goodwill-Idee eines hugenottischen Admirals und geschah in Absprache mit dem vorübergehend pro protestantisch denkenden König Karl IX. (*1550/°1574).

Das Unternehmen scheiterte. Zwar wurde drei Tage tüchtig gefeiert, aber dann machte sich der Widerstand gegnerischer Kräfte Luft.

Im Schulterschluss mit dem Adeligen Henri de Guise (*1550/°1588) gab Katharina de’ Medici ihr ok – und ihr wenig den Verstand gebrauchender und politisch ohnehin dilettantisch regierender Sohn Karl IX. (*1550/°1574) den Befehl zum, man muss es so sagen, Abschlachten tausender Hugenotten in Paris und ganz Frankreich.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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