Warum kam es im 16. Jahrhundert zur Reformation?

Die ursächlich möglichen Gründe für das Entstehen der Reformation sind, so heißt es, wohl bereits im Mittelalter zu suchen.

Demonen-, Geister- und Hexenglaube

Das war die Zeit, in der die Menschen überdurchschnittlich zum Aberglauben neigten und das Leben von der Furcht vor irdischen Strafen geprägt war. So wurden tatsächliche oder auch nur vermutete Missetäter aus nicht immer nachzuvollziehenden Gründen ausgepeitscht, gezüchtigt, aufgehängt, gevierteilt, verbrannt und/oder gehenkt.

... und immer droht das Fegefeuer

Zwar schien dieses missliche Lebensgefühl im 16. Jahrhundert überwunden zu sein, nichtsdestotrotz blieb aber die Angst vor einem möglicherweise zu erwartenden Fegefeuer allgegenwärtig. Und trotz der im 15./16. Jahrhundert Platz greifenden Renaissance, hatte sich unter den mehrheitlich „einfachen Leuten“ an dieser Vorstellung offenbar nur wenig geändert.

Denn immer noch waren die Lebensbedingungen ausgesprochen schwierig.

Erstes Grollen und auf dem Kieker haben

Kriegerische Auseinandersetzungen im und um das Land herum, schwächelnder Handel, Wetterkapriolen mit einhergehenden Missernten und immer wieder die Pest trugen ihren nicht unerheblichen Teil dazu bei. Ohnehin also verbittert und schlecht drauf, begannen die Gläubigen zunehmend mit der reichen päpstlichen Kirche zu hadern.

Die setzte ihr Geld nämlich auch schon mal zur Durchsetzung ihres machtpolitischen Anspruchs ein, und war auf allen kirchlichen Ebenen keinerlei weltlichen Freuden und Vergnügungen gegenüber abgeneigt.

Päpstlich-kirchliche Bezugsquelle

Eine beliebte Einnahmequelle zur Aufrechterhaltung des Wohllebens der Kirchenleute war der so genannte Ablass. Das war eine Möglichkeit für die gläubigen Christen, sich mit dem Kauf von Ablassbriefen von allen Sünden zu befreien, um somit den vermuteten grausamen Strafen im Jenseits zu entgehen.

Ein begnadeter Public Relations-Man

Einer der bekanntesten und verkaufstechnisch umtriebigsten Bußprediger und Ablasshändler war ein gewisser Dominikaner namens

  • Johann Tetzel (*um 1460/°1519 – Titel: „Baccalaureus artium“/„Bachelor“; seinerzeit der niedrigste akademische Grad),

dessen schlagkräftigste "Kundenwerbung" der Spruch (Zitat):

  • „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“

gewesen sein soll. Und Tetzel schreckte auch nicht davor zurück, entsprechende Give-aways in Form von Handzetteln und – heute würde man sagen – Flyern zu verteilen.

... und immer wieder die Päpste

Und alles geschah durchaus im Sinne der Päpste Julius’ II. (*1443/°1513) und Leos X. (*1475/°1521), die mit seinen Einnahmen (und denen anderer) – unter anderem, aber wesentlich – den Bau des Peterdoms in Rom zu finanzieren gedachten.

Schluss mit Lustig

Dieser grundsätzlich üble Tauschhandel – Ablass vs. Vergebung aller Sünden – brachte den bis dahin mehr oder weniger unauffälligen Doktor der Theologie aus dem Augustinerorden, Martin Luther (*1483/°1546), sozusagen auf die in Wittenberg/Sachsen-Anhalt nicht vorhandene Palme. Er beschloss, dagegen vorzugehen.

Zu Anfang mit Predigten gegen die Praxis des Ablasshandels, dann mit Essays, Artikeln, Protestbriefen und Traktaten sowie schließlich am 31. Oktober 1517 mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen (nicht erwiesen ist, ob Luther diese Zusammenfassung seiner Betrachtungen tatsächlich an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt, geschraubt oder geklebt hat), stellte Luther die althergebrachte Struktur und Verhaltensweise der etablierten Papstkirche aufs Deutlichste in Frage.

Spaltung der Kirche

Das war nicht nur eine offene Kampfansage, sondern gleichzeitig auch der Beginn der Reformation (lat.: "reformatio" = "Umgestaltung", "Wiederherstellung"). Einer Bewegung, die von Martin Luther ursprünglich lediglich als Erneuerung innerhalb der bestehenden Institution Kirche gedacht war, letztlich aber zur Bildung der evangelischen Kirche führte ...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Reformation“ (DVA/Spiegel Buchverlag); „Ketzer, Bauern, Jesuiten“ (rororo Sachbuch/Das farbige LIFE Bildsachbuch); „Deutsche Geschichte 1378-1618 – Reform und Reformation“ (Bertelsmann Lexikon-Verlag)

 

 

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