Wer war Philipp Melanchthon?

Philipp Melanchthon (*1497/°1560) war der engste Weggefährte und Mitstreiter Martin Luthers (*1483/°1546).

Der Name

Eigentlich hieß Philipp mit Nachnamen Schwartzerdt. Was auch als „Schwarze Erde“ durchgehen kann. Und so wurde 1509 – großzügig interpretiert – aus  den Silben „Schwar(t)z“ (griech.: „melan“) und „erdt“ (griech.: „chthon“) „Melanchthon“.

Ausbildung

Philipp besuchte

  • ab 1507 die Lateinschule in Pforzheim,
  • studierte ab 1509 an der Universität Heidelberg,
  • wechselte 1512 an die Uni Tübingen,
  • promovierte 1514 zum Magister und war dort

gute vier Jahre unter anderem als in der Sache überzeugender Lehrer für „alte“ Sprachen tätig.

Professur und Antrittsrede

Vom Kurfürsten Friedrich III. (dem Weisen von Sachsen; *1463/°1525) 1518 als Professor für griechische Literatur an die Universität zu Wittenberg berufen, hielt Melanchthon vor einem begeisterten Auditorium seine Antrittsrede, studierte Theologie bei Martin Luther und erlangte 1519 seinen ersten theologischen Grad: „baccalaureus biblicus“.

Der Beginn einer lebenslangen Freundschaft

Hatte Luther schon der zwar körperlich sehr klein geratene und schmalbrüstig daherkommende, dafür aber rhetorisch exzellent auftretende Melanchthon anlässlich dieses ersten Auftritts stark beeindruckt, entwickelte sich bald auch eine bis an Luthers Lebensende währende Freundschaft zwischen den beiden.

Philipp Melanchthon – intelligent, scharfsinnig, auffassungsschnell und in seinem Tun klar strukturiert – wurde Luthers engster und treuester Mitarbeiter, sachkundigster Berater und einflussreichster Mitwirkender an fast allen reformatorischen Ansätzen und Entscheidungen des Reformators.

So soll Melanchthon Luther zum Beispiel bereits in den ersten Jahren ihrer Zusammenarbeit dringend angeraten und ermuntert haben, die Bibel in ein (für jeden des Lesens mächtigen) verständliches Deutsch zu übersetzen.

Familie

Ursprünglich gegen seine Überzeugung, heiratete Melanchthon 1520 die ihm von Luther vorgeschlagene Tochter des Wittenbergers Bürgermeister, Katharina Krapp (*1497/°1557).

Nicht wirklich wohlhabend, aber materiell letztlich doch ausreichend ausgestattet, scheint Melanchthon sich im Laufe seiner siebenunddreißig Jahre andauernden Ehe mit dem Familienleben arrangiert und, alles in allem, nicht nur ein harmonisches Zusammenleben geführt, sondern sich auch mit sorgenvoller Anteilnahme (der zweitgeborene Sohn verstarb bereits mit zwei Jahren, die älteste Tochter nach ehelichem Höllentrip mit Vierundzwanzig und der Erstgeborene sorgte für familiäre Unstimmigkeiten) um die insgesamt vier Kinder gekümmert haben.

Etikettierung, Tod und Begräbnisstätte

Der durch sein Wirken hoch angesehene sowie längst als „Philologe“, „Philosoph“, „Theologe“, „Lehrbuchautor“, „neulateinischer Dichter“ und „Humanist“ apostrophierte Philipp Melanchthon verstarb, dreiundsechzigjährig und seit Jahren gesundheitlich geschwächt, im April 1560 – drei Jahre nach dem Tod Katharinas, seiner Ehefrau.

Er wurde an der Seite Luthers in der Schlosskirche zu Wittenberg beigesetzt.

Würdigung

Heute erinnern (unter anderen) eine Vielzahl

  • Statuen, Gedenktafeln, Platz-, Straßen- und Schulnamen in weiten Teilen des Landes,
  • das Melanchthonhaus in seinem Geburtsort Bretten/Baden-Württemberg und das
  • Melanchthon Wohn- und Sterbehaus in der Lutherstadt Wittenberg (UNESCO-Weltkulturerbe seit 1996)

an den kleinen großen „Lehrer Deutschlands“ ("Praeceptor Germaniae") …

Autor: Manfred Zorn
Quelle: "Deutsche Geschichte 1378-1618" (Bertelsmann Lexikon Verlag)

 

 

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