Wer war Martin Luther?

Die Lehre des Priesters, Theologieprofessors und Reformators Martin Luther (*1483/°1546), gilt als Basis der evangelischen Glaubenslehre.

Von Eisleben nach Mansfeld

Luther wurde 1483 in Eisleben/Sachsen geboren. Seine Kindheit und Grundschulzeit dagegen hat Luther in der nur wenige Kilometer von Eisenach entfernten Bergbaustadt Mansfeld verbracht. Und zwar deswegen, weil der Vater den Wohnsitz der Familie aus beruflichen Gründen – er arbeitete im Kupferbergbau, wo er es als Hüttenmeister und (möglicher?) Besitzer einer eigenen kleinen Kupferhütte zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben soll – dorthin verlegt hatte.

Von Magdeburg über Eisenach nach Erfurt

Mit Vierzehn (1497) besuchte Luther ein Jahr lang die Magdeburger Domschule, lebte zwischen 1498 und 1501 bei Verwandten in Eisenach, vervollkommnete dort an der Pfarrschule zu "St. Georgen" sein Latein, studierte daran anschließend auf Anraten seines Vaters Jura an der Universität Erfurt und trat 1505 – mit zweiundzwanzig Jahren und für den entsetzten Vater total unverständlich – dem Augustinerorden in Erfurt bei.

Ein Gewitter und religiöse Erweckung

Der Grund für den unvermittelten Abbruch des Jurastudiums sowie den Wechsel zum Mönch bei den Augustinern soll ein fürchterliches Gewitter gewesen sein, von dem Luther auf dem Rückweg von Mansfeld nach Erfurt überrascht wurde.

Möglicherweise sorgten Blitz und Donner, einhergehend mit entsprechenden Ängsten vor den Naturgewalten, für den Sinneswandel und sein Gelübde, Mönch zu werden.

Kurzum: Luther hat das Unwetter überlebt, und sich definitiv für das Klosterleben entschieden.

Klösterliche Karriere und Studium der Theologie

Schnell brachte er es in der Ordenshierarchie zum Diakon, wurde schon bald darauf zum Priester geweiht und schließlich vom Mitbegründer der Universität Wittenbergs, Johann von Staupitz (*um 1465/°1524) – der in Personalunion auch Beichtvater und Mentor Luthers war – zum Studium der Ethik und christlichen Theologie in Wittenberg überredet.

Alle Wege führen nach Rom ...

Als "Baccalarius biblicus" ("Bachelor") kehrte Martin Luther zurück nach Erfurt und wurde 1510 im Auftrag des Klosters, gemeinsam mit einem oder mehreren? Mönchen nach Rom geschickt, um dort das Anliegen der Klosteroberen (es ging um Zwistigkeiten und Flügelkämpfe wegen eines nicht einvernehmlichen Regelwerks innerhalb des Augustinerordens) zur päpstlichen Entscheidung vorzutragen.

Die Strecke der gut eintausendzweihundert Kilometer bewältigte Luther beachtenswerterweise "per pedes" ("zu Fuß")!

Die Reise, der Aufenthalt in Rom und die ihm ermöglichten Einsichten in das Innere des seiner Meinung nach stark verweltlichten "Heiligen Stuhls" haben Luther anscheinend, so heißt es, wohl eher verwirrt als begeistert. Seine später von ihm geschilderten Eindrücke jedenfalls lassen durchaus eine widersprüchliche Deutung zu.

Höhepunkte, Reichsacht und Tod

Wieder zurück in Wittenberg, wurde Luther

  • 1512 Doktor der Theologie,
  • schlug (der Legende nach) im Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg und löste damit die Reformation aus,
  • verbrannte 1520 vor dem Elstertor in Wittenberg nicht nur die gegnerischen Schriften, sondern warf auch gleich die schriftliche Bannandrohung Leos X. mit ins Feuer,
  • wurde 1521 auf dem Wormser Reichstag mit der Reichsacht belegt (Wormser Edikt, erlassen von Kaiser Karl V. – *1500/°1558) und floh auf die Wartburg bei Eisenach/Thüringen, wo er – incognito als "Junker Jörg" – das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte,
  • kehrte 1522 zurück nach Wittenberg,
  • verließ 1524 den Augustinerorden,
  • heiratete 1525 Katharina von Bora, eine ehemalige Nonne,
  • veröffentlichte 1534 die gesamte Bibel (AT und NT), deren Altes Testament er gemeinsam über die Jahre mit Philipp Melanchthon ins Deutesche übertragen hatte und
  • verstarb 1546 in Eisenach.

Luthers Theorie und Glaubensansatz kurzgefasst

Für Martin Luther galt ausschließlich die Bibel als Offenbarungsquelle und Richtschnur für christliches Handeln.

Demnach waren seiner strikten und unumstößlichen Meinung zur Folge, Erlösung und Gottes Gnade keinesfalls durch die Lehren und etablierten Traditionen der Kirche mit ihrem forcierten Ablasshandel – mit dem sich die Gläubigen von allen Sünden freikaufen konnten (und der Institution Kirche zu nicht unerheblichen finanziellen Einnahmen verhalfen) – zu erlangen.

Nach Luther ist der Weg zu Gott also nicht durch gute Werke des gläubigen Christen, die Anbetung von Reliquien oder gar durch den Kauf von Ablasszetteln zu finden, sondern einzig durch das Vertrauen in das Evangelium und den Glauben an die Gnade Gottes. Folglich habe allein die Predigt über Gottes Wort im Mittelpunkt des Gottesdienstes zu stehen.

Martin Luther hat diese Grundüberzeugung – kurz gesagt – wie folgt zum Ausdruck gebracht:

  • "sola scriptura" – allein durch die Schrift,
  • "sola gratia" – allein durch die Gnade,
  • "sola fide" – allein durch den Glauben,
  • "solus Christus" – allein durch Jesus Christus

Abendmahl

Und in Bezug auf das Abendmahl hielt Luther an seiner Überzeugung fest, dass Jesus Christus tatsächlich – also seine Körperlichkeit im Brot und sein Blut im Wein – bei diesem Akt gegenwärtig sei.

Im unüberbrückbaren Gegensatz zu ihm konnten die Schweizer Reformatoren Johannes Calvin (*1509/°1564) und Huldrych (Ulrich) Zwingli (*1484/°1531) diese Ansicht nicht teilen. Für sie hatte die so genannte Anwesenheit Jesu beim Abendmahl lediglich symbolischen Charakter.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Der Mensch Martin Luther" (Lyndal Roper/S. Fischer Verlag);
"Die Reformation" (Dietmar Pieper, Eva-Maria Schnurr – Hg./Deutsche Verlags-Anstalt, München/"Spiegel-Buchverlag); "Religionen der Welt" (Philip Wilkinson/Dorling Kindersley Verlag GmbH)

 

 

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