Was haben die Begriffe Häresie, Häretiker, Ketzer und Inquisition miteinander zu tun?

Es ist so etwas, wie eine Binsenweisheit: Die drei monotheistischen Weltreligionen nehmen die Deutungshoheit des rechten Glaubens jeweils gern für sich und ihre Klientel in Anspruch.

So wird,

zum Beispiel,

  • im Judentum bereits in der Bibel (2. Buch Moses, Kap. 32/15-29) – im Zusammenhang mit dem Tanz ums Goldene Kalb – locker darauf verwiesen, anders Denkende, ob nun „Bruder, Freund oder den Nächsten“, zu „erschlagen“,
  • der Islam legt dem Gläubigen in seinem „Heiligen Buch“, dem Koran (Sure 66,9), die kämpferische Auseinandersetzung mit so genannten Abweichlern nahe. Und zwar mit den Worten: „Oh, Prophet! Bekämpfe die Ungläubigen und die Heuchler, und sei streng gegen sie. Ihre Herberge wird Dschahannam (Hölle) sein, und dies ist ein schlimmes Ende!“,
  • und das Christentum beruft sich auf die von Papst Paul III. (*1468/°1549) 1542 eingerichtete „Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition“. Das ist eine vatikanische Behörde (Glaubenskongregation), die, sozusagen, die mittelalterliche Inquisition in gewisser Weise wiederbelebt hat, und sich im weitesten Sinn noch heute um den Schutz der Kirche vor „Häresie“ sorgt.

Präfekt der Glaubenskongregation war – von 1981 bis zu seiner Papstwahl 2005 (Benedikt XVI.) – Kardinal Joseph Aloisius Ratzinger.

Ab 2012 wurde das Amt des Präfekten von Erzbischof („ad personam“/„an die Person gebunden“) Gerhard Ludwig Müller wahrgenommen, der allerdings von Papst Franziskus entlassen und per 01. Juli 2017 durch den spanischen Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer ersetzt wurde.

Exkurs

Unter dem aus dem Altgriechischen stammenden Begriff „Häresie“ ist die Wahl, bzw. Auswahl des Glaubens, zu verstehen.

Allerdings ist damit, nach kirchlicher Auffassung, mehr oder weniger die Wahl der „falschen“ Glaubensrichtung gemeint – nämlich ein von der offiziellen Glaubenslehre („Orthodoxie“/„Rechtgläubigkeit“) abweichender „Irrglaube“ („Heterodoxie/Andersgläubigkeit“).

Hat sich nun jemand, aus welchen Gründen auch immer, gegen das von der Kirche als wahre Glaubenslehre propagierte Credo entschieden, galt/gilt er als „Häretiker“, beziehungsweise als der „Ketzerei“ verdächtig.

So weit, so gut

aber wann, durch wen und warum, kommt denn nun die „Inquisition“ ins Spiel? Ok – los geht`s!

Das Instrument der Inquisition („Erforschung“, „Untersuchung“), war eine sich im 13. Jahrhundert etablierende Einrichtung der katholischen Kirche mit dem Zweck, Abtrünnigen vom rechten Glauben, also Häretikern/Ketzern zu zeigen, wo „Bartels den Most“ holt.

Das geschah zu Beginn des Christentums in der Regel durch die so genannte Exkommunikation (Ächtung, Ausschluss, Bann), führte – nach der Erhebung zur Staatsreligion durch den oströmischen Kaiser Theodosius I. (*347/°395) im Jahr 380 –

  • zu ersten Hinrichtungen Andersgläubiger, und gipfelte schließlich
  • in der – von Papst Innozenz III. (*um 1160/°1216) sanktionierten sowie der von Papst Gregor IX. (*etwa 1167/°1241) 1231 ins Leben gerufenen „Inquisition der häretischen Verderbtheit“ – systematischen Bekämpfung, Verfolgung, Folterung und Tötung vermeintlicher Ketzer.

Aufteilung und Wahrnehmung der Aufgaben

Auftragnehmer dieser von Gregor IX. geforderten und gebilligten Jagd auf die Abweichler von der offiziellen Glaubenslehre, waren im Wesentlichen Mönche des Dominikaner- und Franziskanerordens.

Hilfestellung bei diesem Tun leistete aber auch der Staat.

Die Urteilssprechung über angeblich der Häresie überführte Delinquenten oblag kirchlichen Einrichtungen (Inquisitionsgerichten), die Urteilsvollstreckung (Misshandlungen, Gefängnis, Feuertod oder andere schreckliche Grausamkeiten) wurde von weltlichen Instanzen wahrgenommen.

Verlauf

Während die Inquisition in England und Deutschland vergleichsweise nur eine vorübergehende Bedeutung erreichte, fand sie ihren fürchterlichsten Höhepunkt in der so genannten "Spanischen Inquisition".

Diese Angst und Schrecken verbreitende Einrichtung, zeichnete sich durch Willkür und unvorstellbare Grausamkeit gegenüber (angeblichen) Glaubensabweichlern aus.

  • Installiert wurde die Institution 1478 vom streng katholischen Königspaar Ferdinand II. bzw. V. (*1452/°1516) und seiner Gattin Isabella I. von Kastilien (*1451/°1504);
  • billigend abgenickt wurde sie von Papst Sixtus IV. (*1414/°1484).

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Inquisition dann schließlich und endlich auch in Spanien, Frankreich, Italien und im Kirchenstaat abgeschafft.

Apropos

So genannte „Häresien“, „Häretiker“ und „Ketzer“ fanden/finden sich nicht nur im Christentum. Auch im Judentum, im Islam und anderen Religionen, gab/gibt es – wie aktuell (Naher Osten) zu beobachten – die unterschiedlichsten Richtungen und Glaubensauffassungen. Wie auch immer geartete Bestrafung Anders-/Ungläubiger nicht ausgeschlossen ...

Autor: Manfred Zorn

 

 

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