Warum und seit wann gilt das Kreuz als christliches Symbol?

Weil es, wie hinlänglich bekannt, mit der im Neuen Testament (NT) von den Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes beschriebenen Kreuzigung Jesus Christus’ zu tun hat.

Wurde das Kreuz daraufhin sofort zum Symbol?

Nein, denn abgesehen davon, dass das Kreuz – unter anderem weist es im spirituellen Sinne in alle vier Himmelsrichtungen und verbindet, senkrecht betrachtet, Himmel und Erde – bereits seit der Steinzeit und im weiteren Verlauf zum Beispiel den „alten“ Griechen, den Ägyptern, Phöniziern und anderen Kulturen mehr bekannt gewesen sein soll, zeigen eine Reihe neuzeitlicher Forschungen (historisch, archäologisch und medizinisch) inzwischen eindrucksvoll, dass das heute übliche „Passionskreuz“ keineswegs unmittelbar nach dieser außerordentlich qualvollen Hinrichtungsart zum Symbol der Christen wurde.

Von Fischen und einem Monogramm ...

Bis ins vierte/fünfte Jahrhundert hinein waren das vielmehr stilisierte Fische und/oder das so genannte Christusmonogramm „XP“.

  • Die Sache mit den Fischen ist, so heißt es, auf die im NT unter anderen vom Evangelisten Johannes geschilderte Allegorie der „Speisung der 5000“ (Joh.: K6/V5-13);
  • das X (=„CHi“) und das P (=„Rho“) wiederum auf die Verbindung der ersten beiden Buchstaben des altgriechischen Wortes „Xpiotós“, was so viel wie Christos (=„CHR“) bedeutet, zurückzuführen.

... bis zum "Ersten Konzil von Konstantinopel"

Dann, etwa ab dem Ende der Christenverfolgung –

  • im weitesten Sinne 313 eingeleitet mit der „Mailänder Vereinbarung“ unter Kaiser Konstantin dem Großen (*um 275/°337) und
  • endgültig 381 aufgehoben mit der Zulassung des Christentums als Staatsreligion durch den oströmischen Kaiser Theodosius I. (*347/°395) auf dem 1. Konzil von Konstantinopel –

gewann das Kreuz zunehmend an christlich-symbolischer Bedeutung.

Angekommen im Heute und Jetzt

Heute steht das nicht mehr weg zu denkende Kreuz symbolisch für die Opferbereitschaft Jesu, der dadurch, so der Glaube, die Menschheit von allen Sünden befreien wollte und findet sich – zum Beispiel als Passions (lateinisches)-, Andreas-, Petrus-, Armenisches-, Griechisches-, Koptisches-, Orthodoxes- oder diverser weiterer Kreuze – auf Kirchtürmen, Altären, kirchlichen Gewändern, Flaggen, Bannern und einer Vielzahl sonstiger (sakraler) Devotionalien ...

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Religionen der Welt – Kompakt & Visuell“ (Philip Wilkinson, Dorling Kindersley/DK-Verlag)

 

 

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