Wer war Papst Innozenz III.?

Papst Innozenz III. (*um1161/°1216), der eigentlich Lotario dei Conti di Segni (Lothar von Segni) hieß, wurde, wie der Name bereits vermuten lässt, in Segni (Latium/Italien) – unweit von Rom – geboren.

Der Vater stammte aus der Familie der Grafen von Segni, die Mutter kam aus gutsituierter römischer Oberschicht.

Lothar wurde Subdiakon, dann Kardinaldiakon und schließlich, im Januar 1198, mit siebenunddreißig Jahren Papst Innozenz III.

Statthalter, Vormundschaft und rigorose Verbote

In dieser Rolle sah er sich nicht nur als Nachfolger Petri, sondern auch gleich als Statthalter Jesu auf Erden ("Vicarius Christi"). Ein Titel, den fortan alle folgenden Päpste gern für sich in Anspruch nahmen und nehmen.

Nach dem Tod Konstanzes von Sizilien, der Ehefrau Heinrichs VI. im November 1198,

  • übernahm Innozenz die Vormundschaft deren beider Sohn Friedrichs II. von Hohenstaufen (*1194/°1250),
  • verbot 1199 im ersten Schritt das Lesen der Bibel bei Zusammenkünften nichtkirchlicher Glaubensgemeinschaften (z.B. der Waldenser und Katharer/Albigenser, die im weitesten Sinne auf persönlichen Besitz verzichteten, eine schlichte Lebensweise propagierten und die Verweltlichung des Klerus´ strikt ablehnten – was der etablierten Institution Kirche nicht gefallen konnte),
  • um dann grundsätzlich allen Nichtkirchenleuten das Schmökern in Bibelübersetzungen zu verweigern.
  • Und schließlich und endlich war Innozenz III. für den von ihm 1209 angezettelten unseligen Albigenserkreuzzug verantwortlich, der in einer fast vollständigen Vernichtung der als Ketzter/Häretiker (Abweichler des offiziell vertretenen Glaubens) verunglimpften Katharer endete.

Innozenz III., England und "seine" Kreuzzüge

Innozenz legte sich mit König Johann Ohneland von England (*1167/°1216) an, der allerdings schnell klein beigab und war Initiator des 4. Kreuzzuges (von 1202-1204). Auch kein Ruhmesblatt!

Dieser Kreuzzug scheiterte nicht nur katastrophal, sondern schwächte auch Byzanz, das seine Funktion als Bastion gegen den Islam verlor und damit wesentlich zur Spaltung der katholischen und orthodoxen Kirche beitrug.

Das alles hinderte Innozenz aber nicht, auf dem 4. Laterankonzil zum 5. Kreuzzug aufzurufen, der als sogenannter "Kreuzzug von Damiette" (von 1217-1221) bekannt wurde.

Aber, obwohl dieses Mal angeführt von einem Kirchenfürsten, Kardinal Pelagius von Albano, war auch dieser Kreuzzug nicht erfolgreich.

Statt, wie geplant, Jerusalem zurückzuerobern, mussten die Kreuzfahrer, nach längerer Belagerung der Stadt Damiette/Ägypten, unverrichteter Dinge die Heimreise antreten.

Friedrich II. von Hohenstaufen wurde die Schuld des Scheiterns in die Schuhe geschoben, weil er eigentlich an diesem Kreuzzug hätte teilnehmen sollen, dann aber doch, Innozenz war zuvor im Juli 1216 in Perugia (Umbrien/Italien) verstorben, gepasst hatte.

Innozenz III. und seine Bedeutung

Wegen seiner erfolgreich gelungenen Territorialerweiterung, Besitzanhäufung und Absicherung des Kirchenstaates, der Festigung seiner – in unerbittlich geführten Auseinandersetzungen mit dem Kaisertum – Stellung als Oberhirte auch weltlicher Mächte sowie weitgehender Reformen innerhalb der Kirche, gilt auch Papst Innozenz III. der (institutionellen kirchlichen!?) Nachwelt als einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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