Papst Johannes XXII. – wer war das?

Papst Johannes XXII. (*um 1245?/°1334), der im vorpäpstlichen Leben Jacques Duése hieß, wurde im August 1316 in Lyon zum 196. Papst nach Petrus erhoben. Gegenpäpste nicht gerechnet. Johannes war nach Papst Clemens V. (*1250-1265?/°1314) der este Oberhirte der römisch-katholischen Kirche, der seine gesamte Amtszeit in Avignon, also im so genannten ‚babylonischen Exil der Päpste‘ verbrachte. Und zwar – im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der erst nach vier Jahren Papstzeit Avignon als Amtssitz erkor – sogar ausschließlich.

Erst fünf Päpste:

  • Benedikt XII./1334-1342,
  • Clemens VI./1342-1352,
  • Innozenz VI./1352-1362,
  • Urban V./1362-1370)

und gute dreiundvierzig Jahre später nach Johannes XXII., war es Papst

  • Gregor XI. (Papst von 1370-1378),

der im November 1377 für die ihm verbliebenen Monate bis zu seinem Tod im März 1378 Avignon aufgab und wieder zurück nach Rom ging.

Zurück zu Johannes XXII.

Nach Clemens‘ V. Ableben im Jahr 1314, benötigten die Kirchen- und sonstigen Fürsten zwei Jahre, ehe sie sich auf den in Cahors im Süden Frankreichs geboren Sohn eines Schusters einigten.

Zu dem Zeitpunkt hatte der studierte Mediziner und Rechtswissenschaftler bereits zwei Beschäftigungsverhältnisse als Bischof und eine als Kardinalbischof von Porto e Santa Rufina (nahe Rom) hinter sich.

Und doch seiner inzwischen runden siebzig Jahre oder gerade deswegen, galt dieser kleine, schmächtige, ständig erschöpft wirkende und mit einem, wie es heißt, unfreundlichen Charakterbild ausgestattete Mann dem Wahlgremium gleichwohl für das Amt als geeignet – ging man doch davon aus, dass er es nicht mehr lange machen würde.

Aber: Shit happens

Johannes XXII. schien unkaputtbar. Achtzehn Jahre hielt sich dieser grob auftretende, zur Heimtücke und Ruchlosigkeit neigende ‚Stellvertreter Christi‘ auf dem ‚Heiligen Stuhl‘.

Schnell stellte er fest, dass bereits Clemens V. die kirchenstaatliche Kasse geplündert hatte. Bares musste her. Also entwarf Johannes ein (für ihn)

  • effizientes Steuersystem,
  • ernannte – vetternwirtschaftsmäßig – ein Handvoll Verwandte zu Kardinälen,
  • erteilte gegen Cash Absolution für so gut wie alle Ungeheuerlichkeiten (unter anderen sogar für Mord, Raub, Inzest, Sodomie und andere Gemeinheiten), die von Menschen begangen werden können,
  • wetterte – um seinen Anspruch auf weltlichen Besitz zu rechtfertigen, aber damit im Widerspruch zu Kaiser Ludwig IV. von Bayern (*um 1284 herum/°1347) und dem Franziskanerorden stand – in seiner Bulle ‚Cum inter nonnullos‘ von 1323: ‚… zu sagen, Christus und die Apostel hätten kein Eigentum gehabt, sei eine Perversion der ‚Heiligen Schrift…‘ und
  • frönte seinem Hang zum Säbelrasseln, indem er 1324 militärisch gegen Galeazzo I. aus dem Hause Visconti in Mailand marschierte, aber Dank des Einschreitens Kaiser Ludwigs nicht zum Zuge kam.

Antichrist und Gegenpapst

Nun waren sich Ludwig und Johannes ohnehin nicht sehr gewogen.

Als der Papst diejenigen, die die Haltung Jesu, nämlich in Armut zu leben, weiterhin als einzig verdienstvoll und heilig betrachteten, und Johannes diese Leute (z.B. Franziskaner) kurzerhand als Häretiker diffamierte und verfolgen ließ, bezeichnete der Kaiser Papst Johannes als Antichrist, erklärte ihn mir nicht, die nichts als abgesetzt und berief einen anderen – (Gegen)Papst Nicolaus V. (*1275/°1333).

Das war ein Papst ohne große Auffälligkeiten, allerdings mit ehelicher Erfahrung. Zum Zeitpunkt seiner Wahl zwar bereits geschieden, verursachte dieser Umstand trotz allem einen erheblichen Sturm im klerikalen Wasserglas.

Ein Umstand, den der bereits im Januar 1328 in Rom – ohne Anwesenheit des in Avignon sitzenden Johannes – zum Kaiser gewählte Ludwig allerdings anfangs ignorierte,

  • sich stattdessen im Mai des Jahres, sozusagen nachträglich bestätigend, von Nicolaus zum Kaiser krönen/salben ließ und
  • dennoch nicht einschritt, als Nicolaus 1330 in Pisa sein farbloses Pontifikat aufgab, nach Avignon zog und sich unter die Fittiche des Papstes Johannes XXII. begab.

Keinen Fuß breit nachgeben

Der wiederum machte weiter wie bisher,

  • interpretierte wichtige Glaubensartikel der Lehre der Kirche derart, dass ihm nun erneut Häresie vorgeworfen,
  • er daraufhin zum zweiten Mal – mehr oder weniger um der Form zu genügen, denn Johannes dachte auch in seinen verbliebenen gut drei Jahren keineswegs an offiziellen Rücktritt – zum Ketzer erklärt wurde,
  • Anfang Dezember 1334 verstarb und, den Annalen zur Folge,
  • die Nachwelt im Allgemeinen sowie die Theologen im Besonderen im Unklaren darüber ließ, ob er auf dem Sterbebett seine von der gängigen Lehre abweichenden Meinungen nicht doch noch widerrufen hat.

Johannes wurde in der Kathedrale von Avignon bestattet.

Der Fairness halber

Obwohl in weiten Kreisen unbeliebt und teilweise sogar verhasst, hat dieser ständig – auch auf unanständige Weise – dem Mammon hinterherjagende Papst Johannes XXII. letztlich nicht nur unzählige ihm widersprechende Menschen von der Inquisition verfolgen und hinrichten lassen, nein, er selbst hat geradezu bescheiden gelebt und laufend einen nicht unerheblichen finanziellen Beitrag an das von ihm geschaffene Almosenamt geleistet.

Dennoch, die nichts desto trotz nach seinem Ableben voll bis zum Überlaufen vorgefundene päpstliche Schatulle wurde von seinen Nachfolgern direktemang mit vollen Händen verbraten.

Bereits sein unmittelbarer Nachfolger zum Beispiel, Benedikt XII. (*um 1285/°1342), begann ab 1335 mit dem Bau des Papstpalastes von Avignon, der heute – unter dem Namen ‚Historisches Zentrum von Avignon‘ – zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Gottes erste Diener“ (Peter de Rosa/Droemer Knaur); „Die Päpste“ (DVA – Spiegel Buchverlag)

 

 

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