Was ist eigentlich die „Kammer der Tränen“ – und warum tragen Päpste "rote Schuhe"?

Ist ein Papst vom Konklave – der Versammlung der wahlberechtigten (bis zur Vollendung des achtzigsten Lebensjahres) Kardinäle – mit einer Zweidrittelmehrheit plus 1 gewählt und hat er die Wahl angenommen, ist der weiße Rauch aufgestiegen und die Glocken des Petersdoms läuten, wird der frisch Gewählte in die sogenannte „Kammer der Tränen“ („Camera lacrimatoria“) neben der Sixtinischen Kapelle geführt.

Rotes Sofa, Gefühle und drei Konfektionsgrößen

Dort, in dem – gut unterrichteten Kreisen zur Folge – rot ausgekleideten und mit einem roten Sofa ausgestatteten Raum, soll dem neuen Papst Gelegenheit gegeben werden, seinen ihn möglicherweise überwältigenden Gefühlen freien Lauf zu lassen.

Ob das nun tatsächlich die eigentliche Bestimmung dieser Kammer war/ist, bleibt weitestgehend Vermutung.

Fakt dagegen ist, dass in diesem Raum die päpstlichen Kleider (in dreifacher Konfektionsgröße – klein, mittel, groß) bereit gehalten werden.

"Habemus Papam" und "Urbi et Orbi"

Der Papst zieht sich um, geht zurück zum Konklave, um dann, anlässlich der Bekanntgabe seiner Wahl („… Habemus Papam …“), auf der Mittelloggia des Petersdoms den apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ zu erteilen.

Der Papst "vom Ende der Welt"

Der am 13. März 2013 gewählte Papst Franziskus, der Argentinier Jorge Mario Bergoglio (*1936), hat die über Papstgenerationen hinweg gewohnten Rituale auf die ihm eigene bescheidene Art interpretiert.

So lehnte er, unter anderem,

  • das Tragen der roten Samt-Mozzetta, einen mit weißem Hermelinbesatz ausgestatteten Schulterkragen und an das Blut und Leiden Christi erinnerndes Kleidungsstück, rundherum ab,
  • verzichtete, unter Beibehaltung seines Eisenkreuzes, auf das übliche goldene Kreuz der Päpste und
  • verschmähte ebenfalls die – auf den letzten byzantinischen Kaiser Konstantin XI. (*1404/°1453) und die Eroberung Konstantinopels (Istanbuls) 1453 durch die Osmanen zurückzuführenden – traditionellen "roten Schuhe".

Apropos

Rote Schuhe waren, so sagt es die Fama, das einzige Merkmal, an dem der tote Kaiser Konstantin XI. von Sultan Mehmed II. (*1432/°1481) – nach dessen blutiger Einnahme der Stadt – identifiziert werden konnte.

In Erinnerung an Konstantin XI., seinen Tod und den Fall des christlich-byzantinischen Reiches, so heißt es, trugen die Päpste (bisher) über die Jahrhunderte diese auffällig "roten Schuhe" …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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