Genesis - was ist das?

Der Begriff ‚Genesis‘ (griech.: ‚Ursprung‘/‚Entstehung‘) steht für das 1. Buch Mose(s). Sowohl im Alten Testament der Christen, als auch für das in hebräischer Sprache verfasste ‚1. Buch‘ im so genannten ‚Tanach‘, den ‚Heiligen Büchern‘ des Judentums.

Überblick

Darin wird – unter anderem – die Schöpfungsgeschichte, alles über Adam und Eva, Kain und Abel, Abraham, die Sintflut, den Turmbau zu Babel bis hin zum Aufenthalt der Israeliten in Ägypten berichtet. Die Frage allerdings, ob nun dieses 1. Buch – wie von dogmatisch geprägten Schriftgläubigen vermutet – tatsächlich von Mose(s) selbst geschrieben wurde, bleibt allerdings abschließend und letztgültig noch zu klären.

Michelangelo, die 'Geschichte der Genesis' und die Sixtinische Kapelle in Rom

Die ‚Geschichte der Genesis‘ ist im Apostolischen Palast in der Vatikanstadt/Rom, genauer: In der Sixtinischen Kapelle zu besichtigen. Und zwar in zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Michelangelo (*1475/°1564) bildlich in großartiger Ausstattung wiedergegebenen Deckenmalerei.

Der Name der 1483 geweihten (Sixtinischen) Kapelle ist zurückzuführen auf Papst Sixtus IV. (*1414/°1484). Das Deckengemälde allerdings entstand erst Jahre später.

Sixtus‘ Neffe und Nachnachnachnachfolger Papst Julius II. (*1443/° 1513) hatte 1508 – wie gesagt – den bedeutenden Architekten, Bildhauer und Maler Michelangelo beauftragt, die bisherige Deckendekoration zu verändern, also prachtvoll zu gestalten.

Bereits nach nur vier Jahren (1512) waren die Arbeiten am Deckenfresko mit Szenen aus der „Geschichte der Genesis“ (1. Buch Mose/Schöpfung, Sündenfall, Sintflut, etc.) beendet. Unter anderem zeigt das gewaltige Werk des Ausnahmekünstlers Michelangelo die weithin bekannte Darstellung, wie Gott mit ausgestrecktem Finger Adam zum Leben erweckt.

Die 'Genesis' bzw. das '1. Buch Mose(s)' – kurzgefasst

Die Schöpfung

Das mit dem ausgestreckten Finger geschieht im 1. Buch Mose(s) allerdings erst am sechsten Tag. In den fünf Tagen zuvor hat Gott erst einmal Himmel und Erde, das Licht, also Tag und Nacht, das Festland und die Meere, Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen, Früchte und alle Tiere geschaffen. Am siebten Tag ruht er aus.

Der Sündenfall

Kurz darauf, als Gott sieht, dass Adam sich zu langweilen beginnt, entnimmt er dem Schlafenden eine Rippe und schafft Eva. Dann erklärt Gott beiden die Hausordnung und die einzuhaltenden Gepflogenheiten bei der Nutzung des bereitgestellten Paradieses. Alles sei möglich – nur vom ‚(Apfel)Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‘ dürfe nicht genascht werden. Das hätte gravierende Folgen.

Nun, wie man weiß, setzt Eva sich über dieses Verbot hinweg, als eine Schlange zu ihr kommt und meint (sinnbildlich): Alles würde doch nicht so heiß gegessen, wie es gekocht würde. Also beißt Eva beherzt in einen der Äpfel und lässt Adam ebenfalls davon kosten. Das war in der Tat keine gute Idee.

Die Strafe Gottes folgt auf dem Fuß, ist fürchterlich und endet – unter Androhung übelster Strafverhängung ohne Bewährung – mit der Vertreibung aus dem Paradies.

Kain und Abel

Die Geschichte der beiden Söhne Adams und Evas zeigt die frühesten – und danach nicht mehr aus der Welt wegzudenkenden – Auseinandersetzungen der Menschen. Vorzugsweise begangen aus Neid und Missgunst. So erschlägt Kain seinen Bruder Abel, weil dessen Opfergabe, gebratenes Lamm, Gott mehr zusagte, als Kains vegetarische Kost.

So gesehen, hätte schon damals der 2013 von den ‚Grünen‘ vorgeschlagene ‚Vaggie Day‘ keine Aussicht auf Erfolg gehabt.

Die Sintflut

Irgendwann zweifelt Gott an seiner Erschaffung der Menschen. Die haben sich inzwischen zwar auf wundersame Weise vermehrt, verärgern Gott aber aufgrund ihrer Boshaftig-, Hinterhältig-, Lasterhaftig- und Gehässigkeit. Also entscheidet er sich, dem ein Ende zu bereiten. Er schickt die Sintflut.

Zuvor hat Gott allerdings Noah als den einzigen untadeligen Menschen ausgemacht, lässt ihn – mit je einem Paar von jeder Art der Tiere – auf der Arche (Noah) das vierzigtägige Unwetter sowie die damit verbundene mühe- und gefahrvolle Situation überstehen und auf dem Berg Ararat (Ostanatolien/Türkei) landen.

Nun wieder milde und versöhnlich gestimmt, setzt Gott, als Zeichen seines zukünftigen ‚guten Willens‘, den Regenbogen an den Himmel.

Der Turmbau zu Babel

Nach Noahs Tod – mit immerhin neunhundertfünfzig! Jahren – verbreiten sich seine Nachkommen, sozusagen in null Komma nichts, über die seinerzeit bekannten Landstriche, sprechen einheitlich eine Sprache, und beginnen im Lande Sinear (1. Mose, 11,2) mit dem Turmbau zu Babel.

Das beunruhigt Gottvater. Will er doch nicht, dass sich möglicherweise andere Götter etablieren oder – noch schlimmer – die Menschen sich über ihn erheben.

Also spricht Gott:

‚… Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder‘ (‚Babylonische Sprachverwirrung‘).

Abraham

Im weiteren Verlauf der im 1. Buch Mose, Kap. 11 geschilderten Geschehnisse geht es (V 10-30) um die Geschlechterfolge eines gewissen Sem über Nahor und Tharah bis zu Abraham, dem Stammvater des Judentums, des Christentums und (mit Ismael) des Islam.

Ursprünglich lebte Abraham in Ur (Mesopotamien/heute: Irak), musste aber kriegsbedingt mit seiner Familie nach Harran fliehen, und wurde dort von Gott berufen nach Kanaan (heute: teils Israel, teils Palästina) weiterzuziehen. Mit dem Versprechen Gottes, ‚…ihn zu einem großen Volk zu machen (1. Mose, Kap. 12, 2).

Gleichzeitig wird ihm, Abraham, zugesagt, zahlreiche Nachkommen erwarten zu können. Und das gelingt tatsächlich. Abrahams Erstgeborener, Ismael, wird ihm von der Magd Hagar ‚geschenkt‘, Isaak, der Zweitgeborene, dann aber doch – oh, Wunder – von Sarah, Abrahams einhundertjähriger Frau.

Alles in allem, Gott lässt es Abraham gut gehen, stellt in dieser Erzählung allerdings auch hohe Erwartungen an ihn. Auf Geheiß Gottes

‚… hebe deine Augen auf und sieh von der Stätte aus, wo du wohnst, nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben für alle Zeit…‘,

zieht Abraham von A nach B  und hin und her, führt die Beschneidung ein, schließt einen Bund mit Gott, der mal eben und leichthin die Städte Sodom und Gomorra wegen unlauterer Umtriebe vernichtet und stellt sich anstandslos der größten Herausforderung – nämlich Gott seinen Sohn Isaak zu opfern.

Obwohl wie vor den Kopf geschlagen über dieses Ansinnen, gehorcht Abraham anstandslos. Im letzten Moment allerdings hindern ihn die Engel daran, Isaak zu töten. Stattdessen opferte er einen zufällig daherkommenden Widder statt seines Sohnes. Und, da Gott nun gesehen hat, dass Abraham zu diesem Opfer bereit gewesen wäre, bedenkt er ihn erneut reich mit zusätzlichen Gottesgeschenken.

Abraham heiratet ein zweites Mal, bekommt noch einmal sechs Kinder, übergiebt Isaak all sein Gut und verstirbt. Er wurde einhundertfünfundsiebzig Jahre alt.

Mauschelei, Trickserei und Abzocke

Der Rest dieser mitreißenden Ausführungen ist – hier unter Auslassung vielfältiger weiterer Spannungselemente – schnell erzählt.

Jakob, Isaaks Sohn, spielt ein falsches Spiel mit seinem Bruder Esau, begaunert ihn um dessen Erstgeburtsrecht, trickst seinen Onkel Laban aus, erhält dadurch auf unfeine Art nicht nur dessen neugeborene Schafe, sondern auch Labans Töchter Leah und Rachel zu seinen Frauen und kämpft eine Nacht lang mit einem Engel des Herrn, der ihm zwar die Hüfte ausrenkt, ihm aber auch den Namen Israel gibt.

Jakob alias Israel bekommt zehn Söhne von Lea, darunter Juda, den Ahnherrn der Juden und von Rachel zwei – Joseph und Benjamin.

Leahs Söhne können nicht so recht mit Joseph. Sie echauffieren sich über Jakobs nicht zu übersehende Zuneigung und Bevorzugung ihres Halbbruders und dessen Träumereien von besseren, anspruchsvolleren Zeiten.

Sklave, Kerker und Karriere

Also verkaufen die Brüder Joseph ohne viel Federlesens an die Ägypter, wo er Sklave Potiphars, eines hohen Beamten des Pharao wird.

Das Werben von Potiphars Gattin respektlos verschmähend, wird Joseph von eben dieser Gattin aus Frust der sexuellen Belästigung bezichtigt, angeklagt und in den Kerker gesteckt.

Zum guten Schluss fällt Joseph aber doch noch die Treppe rauf. Er arriviert – wegen seiner hellseherischen, präzisen, punktgenauen Prophezeiungen – zum maßgebenden Traumdeuter des Pharao. So verhindert er durch rechtzeitige Bevorratung der Lagerbestände zum Beispiel eine drohende Hungersnot. Und, weil das alles so gut klappt mit den Vorhersagen, lässt Joseph seine Verwandtschaft mit Billigung des Pharao ebenfalls nach Ägypten kommen. Mit zeitlich unbegrenztem Aufenthaltsrecht.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Die Bibel“ (Württembergische Bibelanstalt Stuttgart) „Bildung“ (Dietrich Schwanitz/Goldmann), „50 Klassiker – Bibel“ (Christian Eckl/Gerstenberg Verlag), "Die Bibel" (Penguin-Spiegel Buchverlag)

 

 

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