Welche Bedeutung haben „heilige Kühe“ im Hinduismus?

Bereits seit dem Eindringen der indoarischen Völker in Indien während des 2. Jahrtausends v. Chr. gelten Kühe im Hinduismus als „heilig“.

Entsprechend der Mythologie geht die "Heiligsprechung" der Rinder auf den Gott Krishna zurück, der zum Schutz vor angedrohtem Ungemach unmittelbar nach seiner Geburt vorsorglich aufs Land geschickt wurde, dort lange Zeit unter Hirten und deren Tieren lebte und den Nutzen der Rinder schnell erkannte.

Da diese Tiere alle Arten von Milchprodukten, Häute zur Herstellung von Kleidung sowie auch Dung zum Heizen und für den Hausbau lieferten, verglich Krishna sie mit liebevollen und aufopferungsbereiten Müttern und erklärte sie daher für ganz besonders verehrungswürdig.

Zwar werden Rinder in Indien seitdem nicht angebetet, aber fortan galten sie als heilig. Sie werden verehrt und dürfen nicht geschlachtet oder in irgendeiner Weise behindert werden.

Während Rinder allerdings heutzutage in Indien durchaus auch als Last- oder Zugtiere in der Landwirtschaft eingesetzt werden, laufen sie in den Städten dagegen scheinbar herrenlos herum, obwohl sie auch hier ihre Besitzer haben.

Da es aber in der Stadt keine Weiden gibt, wo die „heiligen Kühe“ grasen und sich ernähren könnten, lässt man sie einfach ihr Futter dort suchen, wo sie es finden – auf Straßen und Plätzen. Sie ernähren sich von Unrat, Kehricht und Abfall, beseitigen somit einen Teil des Mülls und übernehmen damit gleichsam so etwas wie gemeinnützige Aufgaben.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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