Was ist unter dem Begriff „Dialektik“ zu verstehen?

Das Prinzip der „Dialektik“, oder die Kunst zu überzeugen und sich dabei selber zu widersprechen, war schon den alten Griechen bekannt.

 

Die "alten" Griechen

So übten sich bereits die griechischen Philosophen Platon (*etwa 428/°347 v. Chr.) und Aristoteles (*384/322 v. Chr.) in der Kunst der Gesprächsführung, der Dialektik ("logische Gewissheit").

Rhetorisch gut gerüstet versuchten sie, durch Rede und Gegenrede, Spruch und Widerspruch, das wahre Wesen der Dinge freizulegen, den innersten Kern der Welt als „dialektisch“ aufzufassen.

Schopenhauer und Hegel

Neben Arthur Schopenhauer (*1788/°1860), wurde diese Theorie dann später am deutlichsten vom deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (*1770/°1831) vertreten.

Hiernach sei – an dieser Stelle kurz und bündig gesagt – die Weltgeschichte ein Prozess, der durch einen dauernden Dreisprung von These, Antithese und Synthese vorangetrieben wird.

Karl Marx und Friedrich Engels

Im 19. Jahrhundert bauten Karl Marx (*1818/°1883) und Friedrich Engels (*1820/1895) ihre – "dialektischer Materialismus" genannte – Theorie auf der hegelschen Hypothese auf, mit der sie sich allerdings bewusst vom so genannten "dialektischen Idealismus" Hegels absetzten.

Wer auch immer sich diese These ideologisch zu eigen machen wollte, konnte nun – verkürzt gesagt – behaupteten, in der Dialektik das Werkzeug zur Erklärung der Welt und der Geschichte gefunden zu haben.

Kurzum

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, sollte letztlich alles, und das wiederum möglichst günstig für die eigene Sache, zu beweisen sein.

Es gibt da eine Anekdote, Quelle unbekannt, die möglicherweise sehr gut diese Methode der dialektischen Anwendung deutlich macht. Gern wird die Geschichte auf Plattdeutsch erzählt, aber sei´s drum, es geht gewiss auch so:

Der Schulmeister und zwei Bauern

Kommen also zwei Bauern zum Schulmeister und fragen ihn:

„Du, sag mal, Schulmeister, Du hast doch einen klugen Kopf. Was ist das eigentlich, Dialektik?“

„Dialektik“, meint der Schulmeister und kratzt sich hinter den Ohren, „ tja, das ist gar nicht so einfach zu erklären. Aber passt mal auf: Wenn hier zwei Bauern reinkommen, der eine glatt und schier, der andere, der sich wohl seit acht Tagen einen Bart hat stehen lassen, und ich sage zu ihnen: Einer von Euch sollte sich dringend mal mit meinem elektrischen Apparat rasieren, was meint ihr wohl, wer von beiden das annimmt?“

„Na, der Letztere doch“, antworten beide, „der, der acht Tage die Stoppeln im Gesicht hat.“

„Nee“, schüttelt der Schulmeister den Kopf, „der andere, der schier und glatt ist. Denn der ist das Rasieren ja gewohnt, dem macht das Spaß. Dem anderen ist das puttegal, wie er aussieht. Wer also geht, und rasiert sich bei mir?“

„Haste doch eben gesagt. Der Glattrasierte!“

„Nee“, sagt der Schulmeister, „der andere. Denn der Glatte braucht sich ja nicht mehr zu rasieren. Aber der andere, der hat es doch dringend nötig, nicht wahr?“

„Aber Du hast doch eben …“

„Ist egal“, meint der Schulmeister, „wer wird sich also rasieren?“

„Na, der, der die Stoppeln im Gesicht hat!“ antworten die Bauern.

„Nun“, sagt der Schulmeister, „demnach rasieren sich alle beide?“

„Na, hast Du doch eben selber …“

„Nee“, kontert der Schulmeister, „keiner von beiden rasiert sich. Der eine nicht, weil er eh glatt und schier ist, und der andere nicht, weil es ihm ja ohnehin egal ist, wie er aussieht!“

„Na, Schulmeister“, meint nun einer der Bauern, „da wird ja kein Mensch schlau draus. Du verdrehst uns immer die Worte!“

„Ja, seht ihr“, lacht der Schulmeister, „das ist Dialektik!“

Autor: Manfred Zorn

 

 

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