Was hat die US-Verfassung mit einem „religiösen Supermarkt“ zu tun?

Um das als Europäer wirklich zu verstehen, muss man auf die 1787/88 beschlossenen und 1790/91 verabschiedeten ersten zehn Zusatzartikel („Bill of Rights“) zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika zurückgehen.

"Constitution"

Diese Verfassung („Constitution“)

  • wurde 1787 – u.a. unter Mitwirkung George Washingtons und Benjamin Franklins – von den dreizehn britischen Kolonien: Delaware, Pennsylvania, New Jersey, Georgia, Connecticut, Massachusetts, Maryland, South Carolina, New Hampshire, Virginia, New York, North Carolina und Rhode Island auf den Weg gebracht,
  • im Juni 1788 in Philadelphia endgültig beschlossen und
  • 1790 schließlich auch vom letzten (13.) Staat, Rhode Island, ratifiziert.

"Bill of Rights"

Der erste der zehn 1791 in den „Bill of Rights“ festgelegten Zusatzartikel („Amendments“) verbietet dem Kongress  (unter anderem) jegliche Einschränkung der Meinungs-, Religions-, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie – und jetzt kommts – die Einführung einer Staatsreligion.

Was sagt uns das?

Das bedeutet zwar, dass der Staat keinerlei Einfluss auf die Religiosität seiner Bürger nehmen darf, bietet ihnen aber mit dieser Klausel gleichzeitig doch eine fulminante Plattform zur Gründung von (zurzeit etwa dreihundert praktizierenden!) glaubensmäßig wie auch immer ausgerichteten Religionsgemeinschaften.

Flapsig gesagt

In den USA findet Religion sozusagen marktwirtschaftlich statt: Religiöse Vielfalt = „religiöser Supermarkt“.

Oder, wie Eric T. Hansen in seinem vergnüglichen Buch „Planet Amerika – Ein Amerikaner erklärt sein Land“ so treffend schreibt:

  • „Wir Amis glauben alles! Und wenn es die Religion noch nicht gibt, an die wir glauben wollen, dann gründen wir sie eben."

Autor: Manfred Zorn

 

 

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