Wer gibt wann Fersengeld?

Wenn zum Beispiel jemand die Zeche prellt, stickum das Lokal verlässt und davon rennt, der hat in der Tat einen triftigen Grund „Fersengeld zu geben“.

 

Bedeutung heute

Grundsätzlich kann mit diesem Begriff jeder belegt werden, der sich einer für ihn unangenehmen Situation entzieht und somit stiften geht, einfach türmt oder sich schlicht aus dem Staub macht.

Ursprung

Im „Sachsenspiegel“ – das ist eine in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts verfasste Gesetzessammlung der bis dahin lediglich mündlich weitergegebenen Gewohnheitsrechte – ist unter anderem von Frauen slawischer Völker (Mittel-, Ost- und/oder Südeuropas) die Rede, die sich von ihren Männern gegen Zahlung eines entsprechenden Entgelts („versne pennige“) trennen durften.

Obwohl mit dem Ausdruck „versne“ aller Wahrscheinlichkeit nach ein noch nicht „erstkalbbereites“ weibliches Rind („Färse“/18 bzw. 27 Monate alt) gemeint gewesen sein könnte, entbehrt die Vorstellung „Fersengeld gebender“ Frauen dennoch nicht einer gewissen Komik – was hier allerdings keineswegs diskriminierend gemeint sein soll, sondern mehr oder weniger dem Mittelalter geschuldet ist.

Möglicherweise, so heißt es, ist die Redewendung aber auch auf die Fersen davonlaufender Deserteure zurückzuführen?

Wie auch immer!

Beide Erklärungsversuche, die mit dem Rindvieh und die mit den Fahnenflüchtigen, scheinen nicht wirklich bewiesen zu sein. Oder, um es – verkürzt – mit Bertolt Brechts (*1898/°1956) „gutem Menschen von Sezuan“ zu sagen:

  • „… den Vorhang zu und alle Fragen offen…“

Autor: Manfred Zorn

 

 

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