Götz von Berlichingen und woher das Zitat: ‚Er kann mich am Arsche lecken‘ stammt?

Das Zitat stammt aus Johann Wolfgang von Goethes 1774 in Berlin erstmals aufgeführten Schauspiel ‚Götz von Berlichingen (mit der eisernen Hand)‘. Im Theaterstück lautet das Zitat: „Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsche lecken“. Allerdings soll der echte Götz von Berlichingen diesen Satz selbst so oder ähnlich auch in seiner 'Lebensbeschreibung' niedergeschrieben haben.

Geburt, Herkunft und Waffennarr

Im wahren Leben war Götz von Berlichingen (*1480/°1562) ein Spross aus dem Adelsgeschlecht 'derer von Berlichingen'. Geboren vermutlich um 1480 auf einer der Zweit- oder Drittwohnsitze dieser Familie. In diesem Fall soll es möglicherweise die Burg Jagsthausen im Jagsttal bei Heilbronn in Baden-Württemberg gewesen sein.

Schon in frühen Jahren begeisterte Götz sich mehr für das Waffen- und Kriegshandwerk, weniger für die Schule und so gut wie gar nicht für die höfischen Gepflogenheiten und Regeln des Adels zu dem er gehörte.

Leidenschaftlich beteiligte sich Götz als so genannter ‚fränkischer Reichsritter‘ und bekennendes Raubein an einer erklecklichen Reihe militärischer Auseinandersetzungen (Fehden) zwischen miteinander im Clinch liegender geistlichen und weltlichen Fürsten.

Eine  – nicht vollständige – Chronik seiner Betriebsamkeit

  • 1504 verlor Götz anlässlich der Belagerung der Stadt Landshut seine rechte Hand,
  • ließ sich eine kunstvolle und für die Zeit millimetergenau funktionierende Prothese anfertigen,
  • wurde seitdem mit dem Namenszusatz: ‚Der Ritter mit der eisernen Hand/Faust‘ genannt,
  • nahm weiterhin an diversen ‚legalen‘ Scharmützeln teil,
  • ließ aber auch Raubrittertum, Wegelagerei und Brandschatzen nicht aus,
  • wurde 1512 und 1518 vom habsburgischen Kaiser Maximilian I. (*1459/°1519) mit der Reichsacht belegt,
  • saß von 1519 bis 1522 eine Haftstrafe in Heilbronn ab,
  • war während der Bauernkriege (1524 bis 1526) mit von der Partie,
  • wurde ein zweites Mal, jetzt 1528 in Augsburg, eingesperrt,
  • zog sich zwei Jahre später nach seiner Freilassung auf die Burg Hornberg (Neckar-Odenwald-Kreis) zurück,
  • verstarb dort 1562 und
  • wurde im Zisterzienserkloster Schöntal an der Jagst bestattet.

Eine Autobiografie, ein Theaterstück und eine widersprüchliche Persönlichkeit

In seinen letzten Jahren, möglicherweise auf Burg Hornberg, hat Götz von Berlichingen seine Autobiografie geschrieben, die, um einiges ergänzt, 1731 von einem gewissen Georg Tobias Pistorius unter dem Titel: ‚Lebens-Beschreibung Herrn Gözens von Berlichingen, zugenannt mit der Eisern Hand‘ in Nürnberg herausgegeben wurde.

Danach wurde Götz von seinen Zeitgenossen wie es sich darstellt geachtet, geschätzt und respektiert. Alles Adjektive, von denen sich Goethe bei der Anlage seiner Figur des ‚Ritters mit der eisernen Faust‘ vermutlich inspirieren ließ. Denn bei Goethe ist Götz so etwas wie ein Robin Hood – nimm‘s den Reichen, gib’s den Armen. Was aber in der Realität wohl nicht ganz so gewesen sein soll.

Zumal Götz durchaus wusste, wo ‚Bartels den Most holt‘. Kein Wunder also, dass ihm gleichfalls das Etikett eines Raubritters anhaftete.

Allerdings, es war die Zeit des ausgehenden Mittelalters. Die Zeit der Fehden. Streitigkeiten unter adeligen Sippschaften und dem Klerus mit und gegeneinander waren an der Tagesordnung. Aber, wie es heißt, soll sich Götz von Berlichingen an die seinerzeit bestehenden Regeln des Fehderechts gehalten haben. Wie auch immer.

PS

Zum guten Schluss sei an dieser Stelle noch festgehalten, dass Götz zweimal verheiratet war, aus beiden Ehen zusammengenommen drei Töchter sowie sieben Söhne hatte und seine ‚eiserne Hand/Faust‘ mit einer Handvoll weiterer Exponate aus dem Hause 'derer von Berlichingen' im Schlossmuseum Jagsthausen zu besichtigen sind.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Duden – Das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag), „Reclams Schauspielführer“ (Reclam-Verlag Stuttgart)

 

 

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