Wer schaut sich wann „die Radieschen von unten an“?

Eigentlich kann das niemand wirklich!

Diese Floskel wird in der Regel immer dann angewandt, wenn über das Totsein oder bereits das im Grabliegen einer Person nicht so gern, und schon gar nicht so direkt, gesprochen werden mag.

Folglich flüchtet sich der Sprechende häufig in eine Art von Galgenhumor oder auch Sarkasmus – sprich: Der an sich unerfreuliche und traurige Tatbestand eines einem möglicherweise nahegestanden Verstorbenen wird mit der oben genannten Redensart sozusagen kaschiert, bagatellisiert und heruntergespielt.

Zieht man das „Wörterbuch der deutschen Umgangssprache“ des Sprachwissenschaftlers Dr. Heinz Küpper (*1909/°1999) zu Rate, soll die Sache mit den Radieschen während des 1. Weltkrieges entstanden sein.

Was in der Tat nachzuvollziehen ist, wenn man an die armen Teufel in den Schützengräben denkt, die das schreckliche Sterben ihrer Kameraden im Nachhinein schlicht und einfach verdrängen, und daher mit einer flapsigen Bemerkung bemänteln wollten.

Nun ja, alles in allem ist die Bedeutung des – wie auch immer – gemeinten und dahergesagten Satzes:

  • „… sieht sich jetzt die Radieschen von unten an …“

wahrhaftig kein Grund zur Freude. Da hilft auch der Hinweis auf das Gartengemüse aus der Familie der Kreuzblütengewächse nicht wirklich weiter…

Autor: Manfred Zorn

 

 

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