Wann, warum und woher „holt Barthel den Most …“?

Mit dem sprichwörtlichen "Barthel", der den "Most holt", ist in der Regel jemand gemeint, der die Dinge – welche auch immer – gut im Griff hat.

 

Einerseits, andererseits

Wenn also jemandem nachgesagt wird er wisse „wo Barthel den Most holt“, kann damit einerseits ein cleverer, gewitzter und mit allen Wassern gewaschener Typ gemeint sein, der seinem Umfeld deutlich machen möchte wo es langgeht.

Andererseits kann die Redensart auch als – nicht unbedingt ganz ernst gemeinte – Drohung wahrgenommen werden.

Zum Beispiel, wenn mit dem Hinweis auf Barthel und den Most zum Ausdruck gebracht werden soll, dass der Angesprochene „gleich was erleben kann“, wenn er nicht das tut, was sein Gegenüber von ihm erwartet.

Herkunft

Der Ursprung dieser Redensart soll, so ist zu erfahren, vielfältige und bereits bis ins 17. Jahrhundert zurückliegende Wurzeln haben.

Unter anderem ist da in diesem Zusammenhang von einem Bartholomäus/Barthold/Bartheld sowie auch vom Jiddischen die Rede.

Die Sache mit dem Storch

Da die Namen Bartholomäus/Barthold/Bartheld in der nieder-/plattdeutschen Mundart auch Storch bedeuten, könnte also gemeint sein, der „Barthel“ respektive der „Storch“ wisse eben „woher die Kinder zu holen sind“.

Warum aus dem Storch "Barthel", der weiß wo man den Most holt, geworden sein soll, bleibt allerdings irgendwie unklar.

Ein Apostel und das Ausschankverbot

Etwas plausibler erscheint die Geschichte eines der zwölf Apostel Jesu aus dem Neuen Testament mit Namen Bartholomäus.

An dessen Namenstag (24. August) war es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (zum Beispiel im süddeutschen Raum) per Gesetzt verboten, alkoholische Getränke (hier: Most!) auszuschenken – was zu umgehen einem Gastwirt an diesem Gedenktag schon eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit abverlangt haben muss.

Weg vom Storch und Apostel, hin zum Ganoven

Legt man nun das Jiddische, die Sprache der – kurz gesagt – osteuropäischen bzw. aus Osteuropa stammenden Juden zugrunde, ist Barthel/Bartel weder Apostel noch Storch und Most keineswegs ein guter Tropfen.

Vielmehr bedeutet „Bartel“ oder auch „Barsel“ in diesem Fall soviel wie „Eisen/Brecheisen“. Und „Most“ steht im Jiddischen für „Geld, Moos, Knete oder Bares“.

Demnach weiß also kein wie auch immer genannter Schlaumeier wie er einen Drink besorgen, sondern ein Spitzbube, wie er mit einer Brechstange zu Geld kommen kann.

Nachsatz

Spätestens jetzt – nach diesen vagen Erklärungsversuchen – scheint es an der Zeit, nicht irgendwo irgendwelchen Most zu holen, sondern lieber zu einem guten Glas Wein zu greifen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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