Woher stammt der Ausspruch ‚Der Rest ist Schweigen‘?

Aus William Shakespeares 1602 in London uraufgeführten Trauerspiel in fünf Akten: ‚Hamlet, Prinz von Dänemark‘. Und zwar sind das Hamlets letzte Worte im 5. Akt, 2. Szene unmittelbar vor dem Ende des Stücks.

Wie alles beginnt

Prinz Hamlet, aus Wittenberg zurückgekehrt an den Hof nach Dänemark, erscheint der Geist seines kurz zuvor ermordeten Vaters. Der, also der Geist, berichtet von dieser scheußlichen Gräueltat, die sein Bruder Claudius auf dem Gewissen hat, um – was auch sonst – selbst König zu werden und das Bett mit Hamlets Mutter teilen zu können.

Bevor der Geist wieder ins Gefilde der Seligen entschwindet, fordert er seinen Sohn, Hamlet, unmissverständlich auf, diese unglaubliche Niedertracht zu rächen.

Sein oder Nichtsein

Und tatsächlich! Im darauf folgenden etwa dreistündigen Plot sucht Hamlet nach passenden Gelegenheiten, dem Auftrag seines Vaters gerecht zu werden. Allerdings scheitert er in der Durchsetzung seiner diesbezüglichen Strategie immer wieder an seiner inneren Zerrissenheit, seinem widersprüchlichen und komplexen Charakter. Eigenschaften, die seinem ohnehin zögerlichen Wollen, nämlich seine Rachepläne auch wirklich umzusetzen, zweckwidrig entgegenstehen – Onkel Claudius, der Brudermörder, wird erst ungefähr zehn- bis fünfzehn Minuten vor Ende der Tragödie von Hamlet erstochen.

Was alles so geschieht

Selbstverständlich fehlt es der Story – trotz eines grüblerischen Grundtenors – nicht an einer gewissen Spannung. Da gibt es

  • Intrigen,
  • Jäger (Hamlet) und Gejagte (Claudius, Hamlets Mutter),
  • ein Schauspiel im Schauspiel,
  • eine unerfüllt bleibende Liebe (Hamlet, Ophelia),
  • ein unabsichtliches Opfer (Polonius, Ophelias Vater),
  • einen von Hamlet abgeänderten Brief seines Onkels, der eigentlich den Auftrag enthielt ihn, Hamlet, nach seiner Ankunft in England töten zu lassen, nun aber die Überbringer dieses Schreibens (Rosenkranz und Güldenstern) zum Opfer werden lässt,
  • den Tod Ophelias durch Ertrinken, die durch die schlimmen Ereignisse dem Wahnsinn anheimgefallen ist sowie letztlich
  • ein zwischen Claudius und Laertes, Ophelias Bruder, abgesprochenes und als sportlicher Zweikampf getarntes Duell zwischen Laertes und Hamlet.

Zum Schluss sterben (fast) alle

Laertes, Hamlets Mutter, Claudius und der in Horatios – Hamlets bestem Freund – Armen sterbende Hamlet selbst. Kurz gibt Hamlet aber noch ‚sein sterbend Wort‘, dass ein gewisser Fortinbras von Norwegen das Erbe des Reiches antreten und Horatio der Nachwelt die Zusammenhänge der Tragödie erklären soll. Dann haucht Hamlet seine definitiv letzten Worte: ‚… der Rest ist Schweigen …‘.

PS

Heute ist mit der Anmerkung ‚Der Rest ist Schweigen‘ in der Regel eine Situation gemeint, in der einem vor purer Betroffenheit, Sprach-, Fassungs- und/oder Ratlosigkeit schlicht die Worte fehlen …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Reclams Schauspielführer“ (Reclam Verlag Stuttgart); „Hamlet“ (Rowohlts Klassiker/Rowohlt Hamburg)

 

 

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