‚Dem Glücklichen schlägt keine Stunde‘ – woher stammt dieses Zitat?

Das Zitat ‚… dem Glücklichen schlägt keine Stunde…‘ stammt aus Friedrich Schillers (*1759/°1805) ‚Wallenstein-Trilogie‘. Genauer: Aus dem 1. Teil – Die Piccolomini, 3. Aufzug, 3. Auftritt (Gräfin Terzky und Max Piccolomini).

 

Voraus geschickt

Schiller hat dieses Theaterstück ‚Ein dramatisches Gedicht in einem Vorspiel und zwei Teilen‘ genannt. Nämlich in das Vorspiel

  • ‚Wallensteins Lager‘,
  • den 1. Teil: ‚Die Piccolomini‘ und
  • einen 2. Teil: ‚Wallensteins Tod‘.

Die Erstaufführungen fanden 1798 bis 1799 in Weimar statt.

Das in seiner etwa zehnstündigen Länge kaum realistisch aufzuführende Mammutwerk wird, wenn es dennoch einmal zur Aufführung kommt, in der Regel auf Vorstellungen an zwei bis drei Abenden ‚verteilt‘ oder ggf. auf gute zweieinhalb bis drei Komma x Stunden auf den Punkt gebracht.

Worum es geht

Ganz allgemein und kurz gesagt geht es um den in seinem Tun und Handeln widersprüchlichen Feldherrn Wallenstein (*1538/°1634), der mit richtigem Namen eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein hieß und zu den bekanntesten, einfluss- und erfolgreichsten aber auch schillerndsten Protagonisten des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gehörte.

Vorspiel: Wallensteins Lager

Auf der Bühne Marketenderzelte, Kram- und Trödelbuden, Soldaten aus aller Herren Länder und Armeen drängen durcheinander. Alles vermittelt dem Zuschauer die Stimmung des einfachen Volkes. Vor allem die Soldaten, die durchweg mit großer Begeisterung unter dem von ihnen hoch geschätzten Oberbefehlshaber in den Kampf ziehen wollen. Als sie Wind davon bekommen, dass der habsburgische Kaiser des Heiligen-Römischen-Reiches, Ferdinand II. (*1578/°1637), einen Teil der Wallenstein-Armee den Spaniern unterstellen will, bitten sie Max Piccolomini Wallenstein davon zu überzeugen des Kaisers Absicht zu unterlaufen.

Teil 1: Die Piccolomini

Wallenstein hat seine Truppen 1634 nach Böhmen verlegt und die Generäle im Rathaus zu Pilsen zusammengerufen. Es geht in den Gesprächen um Kaisertreue, um den Opportunismus Wallensteins und seiner Getreuen, um Krieg und Frieden, Intrigen, Verrat und die Liebe zwischen Wallensteins Tochter Thekla und Octavio Piccolominis Sohn Max.

Und in diesem Zusammenhang – im 3. Aufzug/3. Auftritt vertraut Max seiner Tante, der Gräfin Terzky, seinen Unmut über das Hin und Her zwischen Kaiser und Wallenstein an, spricht über seine Zweifel am Kriegshandwerk im Besonderen, äußert sich über sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater und lässt seine Gefühle für Thekla anklingen – erfährt der geneigte Zuschauer, dass

‚dem Glücklichen, in Schillers Worten, keine Stunde schlägt‘, nämlich: ‚… Wo aber bleibt sie denn! – O! goldne Zeit der Reise, wo uns jede neue Sonne vereinigte, die späte Nacht nur trennte! Da rann kein Sand und keine Glocke schlug. Es schien die Zeit dem Überseligen in ihrem ewgen Laufe still zu stehen. O! der ist aus dem Himmel schon gefallen, der an der Stunden Wechsel denken muss! Die Uhr schlägt keinem Glücklichen...‘

Teil 2: Wallensteins Tod

Im letzten Teil der Trilogie nehmen die zuvor geschilderten Spannungen und die Differenzen der handelnden Personen zu. Streit und Uneinigkeit bestimmen weiterhin das Geschehen, wobei Octavio Piccolomini die treibende Kraft hinter den Reibereien und Kontroversen der Parteien ist.

  • In diesem Tohuwabohu überwirft sich Max mit Wallenstein, zieht gegen die Schweden und stirbt.
  • Seine große Liebe Thekla gleichfalls. Kurz darauf.
  • Die Gräfin Terzky vergiftet sich und
  • Wallenstein, zuvor des Hochverrats bezichtigt und nach dem Willen Kaiser Ferdinands II. seines Amtes enthoben, wird – neben einer Handvoll seiner Offiziere und anderer Vertrauter – im Februar 1634 in Eger gemeuchelt.

Das ‚Warum‘ dieser Tat scheint historisch noch nicht abschließend geklärt zu sein. Immer noch bleiben Fragen zu den Gründen und Umständen, die tatsächlich zu dem Massaker geführt haben mögen, reine Spekulation.

‚Was ist der langen Rede kurzer Sinn‘?

Diese Frage stellt der von Kaiser Ferdinand II. nach Pilsen entsandte Kriegsrat von Questenberg in Teil 1., 2. Auftritt (Die Piccolomini) dem irischen Oberst Richard Walter Butler.

Letzterer soll maßgeblich an der Ermordung Wallensteins beteiligt gewesen sein, konnte allerdings sein möglicherweise schlechtes Gewissen lediglich für zehn Monate mit sich herumtragen. Im Dezember 1634 verstarb auch er. Ob eines natürlichen Todes oder durch eine wie auch immer gestaltete Fremdeinwirkung ist scheinbar nirgends verbrieft.

Aber Wallensteins Sterbezimmer kann heute im Bezirksmuseum der Stadt Eger/Cheb (Tschechien), dem Pachelbelhaus, besichtigt werden und – seit 2005 finden in der Stadt regelmäßig ‚Wallensteinfestspiele‘ statt, die sich bei Einheimischen und Touristen großer Beliebtheit erfreuen ...

Autor: Manfred Zorn
Quelle: „Wallenstein – I: Wallensteins Lager/Die Piccolomini“ und „Wallenstein – II: Wallensteins Tod“ (Friedrich Schiller/Philipp Reclam jun., Stuttgart)

 

 

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