Woher kommt der Ausspruch: ‚Langer Rede, kurzer Sinn‘?

Das Zitat ‚…langer Rede, kurzer Sinn…‘ stammt aus Friedrich Schillers (*1759/°1805) Wallenstein-Trilogie: ‚Wallensteins Lager‘, ‚Die Piccolomini‘ und ‚Wallensteins Tod‘. Genauer: aus dem 1. Teil: ‚Die Piccolomini‘.

Ein genervter Kriegsrat

Gestellt wird diese Frage, die im 1. Aufzug, 2. Auftritt genau lautet: ‚Was ist der langen Rede kurzer Sinn?‘, vom kaisertreuen Kriegsrat von Questenberg. Und sie, diese Frage, richtet sich gegen einen zuvor vom irischen Dragoneroberst Richard Walter Buttler/Butler in epischer Breite gehaltenen Vortrag. Aber, worum geht es dabei überhaupt?

Im Allgemeinen

Grundsätzlich und kurz gesagt geht es um den in seinem Tun und Handeln widersprüchlichen Feldherrn Wallenstein (*1538/°1634), der mit richtigem Namen eigentlich Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein hieß und zu den bekanntesten, einfluss- und erfolgreichsten, aber auch schillerndsten Protagonisten des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gehörte.

Im Besonderen

Als Wallensteins Offiziere und Mannschaften Wind davon bekommen, dass der habsburgische Kaiser des Heiligen-Römischen-Reiches, Ferdinand II. (*1578/°1637), einen Teil der Wallenstein-Armee den Spaniern unterstellen will, kommen Unmut und Verstimmungen auf. Also heißt es, den Kaiser zu überzeugen, von dieser Idee Abstand zu nehmen. Der aber wiederum ist keineswegs begeistert von Wallensteins nicht zu übersehender Beliebtheit, fürchtet um seinen Machtverlust und entsendet den weiter oben erwähnten von Questenberg nach Pilsen, um die Lage zu seinen Gunsten im Blick zu behalten.

Talkrunden

Wallenstein hat 1634 seine Truppen nach Böhmen verlegt und die Generäle im Rathaus zu Pilsen zusammengerufen. In den dort stattfindenden Gesprächen und Auseinandersetzungen geht es um Kaisertreue, um den Opportunismus Wallensteins und seiner Getreuen, um Krieg und Frieden, Intrigen, Verrat und die Liebe zwischen Wallensteins Tochter Thekla und Octavio Piccolominis Sohn Max.

Seitenwechsel

Ganz langsam wird Wallenstein deutlich bewusst, dass ihm der Kaiser nicht mehr sonderlich gewogen ist, ihm nicht mehr vertraut. Gekränkt und verärgert über seinen obersten Dienstherren, denkt er mehr und mehr darüber nach, auf die Seite der Schweden zu wechseln. Zunächst noch zögerlich, aber dann, als um ihn herum dunkle Machenschaften und intrigantes Verhalten gegen ihn in Gang gebracht werden – was sogar dazu führt, dass Teile seiner Truppen sich von ihm abwenden – vollzieht Wallenstein diesen Schritt schlussendlich doch. Noch zumal klar wird, dass der vermeintlich Wallensteingetreue Octavio Piccolomini schon lange auf Seiten des Kaisers steht und gemeinsam mit Ferdinand bereits einen Nachfolger Wallensteins als Heerführer bestimmt hat.

Drunter und drüber

Im weiteren Verlauf der Handlung reißen die Spannungen und Differenzen der handelnden Personen nicht ab. Streit und Uneinigkeit bestimmen weiterhin das Geschehen, wobei Octavio Piccolomini die treibende Kraft hinter all den Reibereien und Kontroversen ist.

In diesem Durcheinander der Gefühle, dem nicht nachlassenden Ränkeschmieden und Gekungel so gut wie aller Beteiligten, überwirft sich

  • Max Piccolomini sowohl mit seinem Vater als auch mit Wallenstein,
  • zieht mit den kaisertreuen Pappenheimern gegen die Schweden ins Gefecht – und stirbt.
  • Kurz darauf entscheidet sich Max‘ große Liebe, Thekla, sich am Grab mit dem Geliebten zu vereinen und
  • Gräfin Terzky, langjährige Vertraute Wallensteins, sagt sich: Genug ist genug, nimmt Gift und stirbt ebenfalls.

Und Wallenstein, inzwischen in Eger (Cheb/Tschechien) sowie zuvor bereits des Hochverrats bezichtigt und nach dem Willen Kaiser Ferdinands II. seines Amtes enthoben, wird – neben einer Handvoll seiner Offiziere und anderer Vertrauter – im Februar 1634 in Eger gemeuchelt. Und das nicht nur in Friedrich Schillers Wallenstein-Trilogie, sondern auch im wirklichen Leben.

Summa Summarum

Das ‚Warum‘ dieser Tat scheint, so heißt es, historisch noch nicht abschließend geklärt zu sein. Immer noch bleiben Fragen zu den Gründen und Umständen, die tatsächlich zu dem Massaker in Eger geführt haben mögen, reine Spekulation. Allerdings soll, wie auch in Schillers Drama, der irische Obrist Walter Buttler/Butler maßgeblich an der Ermordung Wallensteins beteiligt gewesen sein, konnte allerdings sein möglicherweise schlechtes Gewissen lediglich für zehn Monate mit sich herumtragen. Im Dezember 1634 verstarb auch er. Ob eines natürlichen Todes oder durch eine wie auch immer gestaltete Fremdeinwirkung ist scheinbar nirgends verbrieft.

Wallensteins Sterbezimmer dagegen kann heute im Bezirksmuseum der Stadt Eger/Cheb (Tschechien), dem ‚Pachelbel-Haus‘, besichtigt werden und – seit 2005 finden in der Stadt regelmäßig ‚Wallensteinfestspiele‘ statt, die sich bei Einheimischen und Touristen großer Beliebtheit erfreuen ...

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Wallenstein – I: Wallensteins Lager/Die Piccolomini“, „Wallenstein – II: Wallensteins Tod“ (Friedrich Schiller/Philipp Reclam jun., Stuttgart), Reclams Schauspielführer (Reclam-Verlag Stuttgart), „Wallenstein“ (Golo Mann/S. Fischer)

 

 

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