In die „Binsen gehen“ und/oder „Binsenweisheit“ – was ist damit gemeint?

First of all – die Familie der Binsengewächse ("Juncaceae") umfasst weltweit etwa vierhundert Arten.

 

Sie sind immergrün, haben kapselähnliche Blütenstände und sind überwiegend in Feuchtgebieten (z.B. Sümpfen, Seen, Teichen, Mooren) anzutreffen.

„Geht etwas in die Binsen“, ist (sprichwörtlich) damit gemeint:

Eine Sache, ein Unterfangen – etwas, das man vorhatte, aber durch widrige Umstände (oder Eigenverschulden) vermasselt wurde – ist gescheitert oder schlicht misslungen.

Woher kommt diese Redewendung?

Zurückzuführen sein soll diese Redewendung vermutlich auf die Jägersprache.

Geht der Jäger nämlich zu ungeschickt durchs Revier, verschwinden Wildente, Schnepfe oder Rebhuhn schlauerweise im Ufergebüsch, im Schilf oder eben in den Binsen – was einem törichten Vorgehen des Weidmannes entspricht.

Müsste er aber nicht das Verhalten gejagten Federviehs kennen?

Natürlich! Ist es doch eine Binsenweisheit, dass sich die Vögel zu retten versuchen.

Möglicherweise fällt dem Jägersmann jetzt aber die Geschichte des Königs Midas aus der griechischen Mythologie ein.

Wieso?

Weil der eitle, geldgierige – aber leider auch dumme Midas – mit dem Begriff „Binsenweisheit“ in Verbindung gebracht wird.

Und das soll sich wie folgt zugetragen haben:

Apollo (Sohn des Zeus) und der Hirtengott Pan wollten sich in der Kunst des Flötenspiels messen. Als Schiedsrichter wurde König Midas auserkoren, der es sich allerdings mit Apollo verscherzte, weil er statt diesen, den bocksbeinigen Pan zum Sieger erklärte.

Da der gekränkte Apollo dieses seiner Meinung nach ungerechte Fehlurteil den kleinen Ohren des Midas zuschrieb, ließ er diesem – schwupps! – Eselsohren wachsen.

Diese Peinlichkeit blieb nicht verborgen. Der erste, der die Bescherung sah, war der Friseur des guten Midas. Obwohl dieser aber unter Androhung der Todesstrafe zum Schweigen verdonnert wurde, konnte der Haircutter einfach nicht die Klappe halten. Prompt vertraute er das Phänomen der Eselsohren den Binsen an.

Die wiederum hatten nichts Eiligeres zu tun, als das Geheimnis in alle Welt auszuplaudern.

Nun waren des Königs Eselsohren allerdings längst kein wirkliches Geheimnis mehr, hatten doch die ständig unter der Krone des Midas herausschauenden Ohren längst zu Klatsch und Tratsch unter den Untertanen geführt. Das lästerliche Getuschel der Binsen war somit zur Binsenweisheit geworden.

Es handelte sich also nunmehr lediglich um eine ganz banale Aussage, etwas, was ohnehin bereits jedem bekannt war – eine Information ohne zusätzliche neue Erkenntnis. Eine Binsenweisheit eben …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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