Wer verhält sich wann und warum „… wie die Lemminge…“?

Abgesehen davon, dass der 1958 in die Kinos gekommene Disney-Dokumentarfilm? „Weiße Wildnis“ den Eindruck vermittelte, Lemminge würden sich tatsächlich blindlings und in Massen über die Klippen ins Meer stürzen, gibt es – unter anderem – auch noch die vergnügliche Geschichte „Interview mit einem Lemming“ von James Thurber (*1894/°1961).

Kontroverse

In dieser Fabel trifft ein Wissenschaftler auf einen Lemming. Nachdem der Geistesarbeiter seiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen hat, dass der Lemming seine Sprache spricht, entwickelt sich ein Gespräch über die Verhaltensweisen der Menschen, der Tiere im Allgemeinen und der Lemminge im Besonderen.

In dieser Unterhaltung ist der Lemming sozusagen wortführend. Nicht zimperlich, zeigt er dem Akademiker die üblen menschlichen Eigenschaften auf. Heute würde man seine Auslassungen im weitesten Sinne mit Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in Verbindung bringen.

Irgendwann, und möglicherweise irritiert von den durchaus treffenden Anwürfen des Lemmings, fragt der Gelehrte den streitbaren Vertreter dieser putzigen Wühlmausart, warum um alles auf der Welt sich dessen Spezies immer herdenweise ins Meer stürze?

Woraufhin der Lemming wie beiläufig entgegnet: …und er verstünde nicht, warum die Menschen das eigentlich nicht täten? Ok, darüber lässt sich nachdenken.

Vortäuschung falscher Tatsachen

Obwohl aber weder die so genannte Dokumentation aus dem Hause Disney stimmt – die Filmleute haben damals nachweislich getrickst und gefälscht –, noch die Parabel von James Thurber wirklich ernst gemeint ist, hält sich doch die Redewendung „… wie die Lemminge …“ hartnäckig im Sprachgebrauch.

Herdeninstinkt

Gemeint ist damit zum Beispiel, jemand macht etwas vor und alle, die dabei sind oder davon hören, machen es ungeprüft, kritik- und gedankenlos oder dem Herdentrieb folgend nach. Sehr häufig ist dieses Phänomen an der Börse anzutreffen.

PS

Lemminge sind kleine Nagetiere, etwa 10-15 cm groß, wiegen bis zu 100 g, haben Ähnlichkeit mit Murmeltieren oder Hamstern, leben in Skandinavien, Nordamerika und Asien, vermehren sich innerhalb kurzer Zeit sozusagen tausendfach, finden – aufgrund der massenhaften Vermehrung – irgendwann nicht mehr genügend Nahrung, machen sich mit Gleichgesinnten auf den Weg nach besseren Bedingungen, fallen ihren Feinden (Eulen, Füchsen, Hermelinen u.a.m.) zum Opfer, verhungern einfach oder verenden aus anderen Gründen.

Massenselbstmord begehen sie nicht!

Autor: Manfred Zorn

 

 

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