Woher kommt der Begriff „Babylonische Gefangenschaft“?

Aus der Bibel.

Verschleppung

Und dort, neben einer Reihe weiterer so genannter „Bücher“, z.B. in den Büchern:

  • „Esra“,
  • „Ester“,
  • dem 2. Buch „der Chronik“,
  • „Jeremia“ und
  • „Daniel“,

die sich ebenfalls mit der „Babylonischen Gefangenschaft“ befassen, wird auch im

  • 2. Buch „der Könige“ (Kap. 24,1 bis 25,30)

eingehend über den Zeitraum des babylonischen Exils der Hebräer (später: Israeliten, Juden) berichtet.

Das Exil nahm seinen Anfang 598/97 v. Chr. mit der ersten kämpferischen Auseinandersetzung zwischen dem Königreich Juda und dem babylonischen König Nebukadnezar II. (*etwa um 640/°562 v. Chr.).

Etwa zehn Jahre später, 586 v. Chr., folgte die erneute Eroberung und totale Zerstörung Jerusalems seitens des Babyloniers Nebukadnezar.

Sowohl bei der ersten, als auch nach der zweiten Zertrümmerung und Verwüstung der Stadt, wurden Heerscharen der Bevölkerung nach Babylonien verschleppt.

Sammlung von Gesetzestexten, Überlieferungen und Traditionen

Während dieser etwa an die fünfzig Jahre andauernden „Babylonischen Gefangenschaft“, beschäftigten sich die aus ihrer Heimat Vertriebenen mit dem Glauben ihrer Vorfahren und begannen, die Geschichte und die Traditionen ihres Volkes mit den ersten – weiter oben erwähnten – „Büchern der Bibel“ aufzuschreiben.

Rückkehr

Als dann 539/38 v. Chr. endlich das „Babylonische Exil“, die „Gefangenschaft“, mit der Einnahme Babylons durch den Perserkönig Kyros II. (*etwa 590/580 - °530 v. Chr.) endete, trugen die Rückkehrer sozusagen den Grundstock der jüdischen Religion mit sich im Gepäck.

Apropos

Neben der o. gen. ursprünglichen Herkunft des Begriffs „Babylonische Gefangenschaft“, gibt es da noch die

  • „Babylonische Gefangenschaft der Päpste“, das so genannte „avignonesisches Papsttum“, d.h., die Verlegung des Pontifikats der Päpste von Rom nach Avignon in der Provence/Südfrankreich in den Jahren 1309 bis 1377,
  • die „Babylonische Gefangenschaft der Kirche“. Das bezieht sich auf eine Abhandlung Martin Luthers über die Infragestellung der sieben Sakramente von 1520 sowie
  • ein Gemälde des französischen Malers Ferdinand Victor Eugéne Delacroix (*1798/°1863) mit dem Titel „Babylonische Gefangenschaft“ („Captivité á Babylone“), das im Palais Bourbon, dem Sitz der französischen Nationalversammlung in Paris, zu sehen ist.

Und dann wird der Begriff manchmal auch benutzt, wenn sich jemand zum Beispiel in einer außergewöhnlichen Abhängigkeit (permanent oder auch nur vorübergehend) von einer Person oder Sache befindet, die eben durchaus vergleichbar mit der – wie auch immer interpretierten – „Babylonischen Gefangenschaft“ sein kann.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige