Wann geht jemand von Pontius zu Pilatus?

Im Lukas-Evangelium (Kap 23; 6-11) des Neuen Testaments ist es Jesus Christus, der im Laufe seines fadenscheinigen Prozesses nicht zwischen Pontius und Pilatus, sondern zwischen Pontius Pilatus und Herodes hin und her geschickt wird.

Die Bibel

Pontius Pilatus war zu der Zeit unter Kaiser Tiberius (*42 v. Chr./°37 n. Chr.) römischer Statthalter in Judäa (römische Provinz zwischen Syrien und Ägypten) und der Mann, der Jesus zum Tode verurteilt hat.

Obwohl Herodes Antipas (*um 20 v. Chr./°39 n. Chr.) der Sohn des von den Römern eingesetzten Königs Herodes des Großen (*um 73 v. Chr./°4 v. Chr.) war, wurde er nicht mit dem Königstitel geadelt. Das hatte Kaiser Augustus (*63 v. Chr./°14 n. Chr.) versäumt testamentarisch rechtzeitig klar zu stellen.

Dennoch trat Antipas nach dem Tod des Vaters (4. v. Chr.) dessen Nachfolge sowie die Herrschaft in Galiläa (im Norden Israels) an.

Als Pontius Pilatus nun erfuhr, dass Jesus aus Galiläa gekommen zu sein schien, wollte er den angeblichen Übeltäter loswerden und ließ ihn an Herodes überstellen.

Da Jesus aber nicht im Traum daran dachte, dem Herodes ein von diesem erwartetes Wunder zu zeigen, verspottete der den Delinquenten (Jesus) und schickte ihn kurzerhand zurück an Pontius Pilatus.

Zwei Protagonisten des Lukasevangeliums also, die sich zuvor zwar nicht sonderlich leiden konnten, durch das Hin- und Her-Geschicke Jesu aber doch zu Freunden? wurden (Lukas 23; 12).

Die Redewendung

Wer wann und warum nun darauf gekommen sein mag, Pontius Pilatus seien zwei Personen und man könne zwischen ihnen etwas hin und her schicken, ist nicht rauszukriegen.

Fakt allerdings bleibt die Redewendung, die immer dann zum Tragen kommt, wenn jemand mit seinem Anliegen – zum Beispiel – von Behörde zu Behörde, von Arzt zu Arzt oder ganz einfach nur erfolg- und nutzlos auf unnötige Umwege „verladen“ wird.

Das ist nicht toll, kommt aber immer wieder vor.

Und letztlich macht der Spruch „von Pontius zu Pilatus gehen“ dann doch irgendwie Sinn. Hat es nicht etwas von einer gewissen Ziellosigkeit?

Denn, wie kann zwischen ein und derselben Person überhaupt etwas hin und zurück geschickt werden? Geht doch gar nicht …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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