Woher stammt die Redewendung „Mir stehen die Haare zu Berge?“

Aus der Bibel. Genauer: Aus dem „Alten Testament/Dem Buch Hiob“ (Kap. 4, 13-15), in dem es grundsätzlich um die Vereinbarkeit von Gottesfürchtigkeit und einer von Gott zum Himmel schreienden Ungerechtigkeit an einem seiner treuesten Schäfchen geht.

Wenn ich einmal reich wär'

Hiob, so erzählt es das 1. Kapitel, war ein rechtschaffender und überaus gottesfürchtiger Mann aus dem Lande Uz. Er hatte sieben Söhne, drei Töchter, siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder, fünfhundert Eselinnen und viel Gesinde. Er war reicher als alle, die im Osten wohnten. Ein glücklicher Mann! Bis Gott mit dem Teufel eine Wette einging.

Der Prüfung 1. Teil

Der, also der Teufel, behauptete (sinngemäß), dass es durchaus einen Weg gäbe, Hiob vom rechten Glauben abzubringen. Und tatsächlich! Schlimmes geschieht.

Aber, obwohl Hiob – sozusagen im ersten Schritt – all seiner Güter beraubt wird, bleibt er Gott unerschütterlich gewogen. Schicksalsergeben äußert er unter anderem lediglich: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“

Die 2. Prüfung

Doch dann, der Teufel gab nicht auf, werden auch Hiobs Kinder getötet, und er selbst wird mit unangenehmen Geschwüren bedeckt. Zwar ist Hiob nun nachhaltig verstimmt, bleibt aber trotz allem Gott gegenüber weitestgehend loyal. Allerdings verlangt er Rechenschaft – was wiederum bei Gott nicht so gut ankommt.

Wortgefechte, Disput und Kontroverse

Im weiteren Verlauf der Geschichte, Hiob ist jetzt so gut wie von allen verlassen, führt er mit drei ihm verbliebenen Freunden Streitgespräche – in die sich ab Kapitel 38 auch Gott einmischt – über das Für und Wieder seines schrecklichen Schicksals. Ein gewisser Eliphas ist der erste der Freunde, der das Wort ergreift. Einerseits ermahnt er Hiob, sich trotz der erlittenen Gräuel mit dem Furchtbaren zu arrangieren, andererseits möchte er Zuversicht vermitteln.

Um seine Argumentation zu untermauern, führt Eliphas unter anderem ein ihm widerfahrenes nächtliches Erlebnis, quasi eine Erscheinung, an (ab Kap.4, 12), das ihn tief beeindruckt haben muss. Wörtlich drückt er sein Empfinden in dieser Nacht so aus: „… beim Nachsinnen über Gesichte in der Nacht, wenn tiefer Schlaf auf die Leute fällt; da kam mich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschraken. Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe … „ (4, 13-15).

Dann sprechen noch Bildad und Zophar. Auch deren Zuspruch ist ein Mix aus Beistand und der Schlussfolgerung, dass Hiob irgendwie doch selbst Schuld sei an seiner Misere.

Langer Rede, kurzer Sinn:

Gott besteht auf seiner Macht. Nichts geht ohne ihn. Und was er so macht, ist schlicht ok. Schließlich zeigt Hiob Reue, spricht sich schuldig und tut Buße. Gott nimmt seine „Entschuldigung“ an und: „… gab Hiob doppelt so viel, wie er gehabt hatte ...“ (42, 10) – „… und Hiob lebte danach einhundertvierzig Jahre und sah Kinder und Kindeskinder bis in das vierte Glied. Und Hiob starb alt und lebenssatt“ (42, 16/17). Ende gut, alles gut?!

PS

Heute werden mit der Redewendung „mir stehen die Haare zu Berge“ Angst, Erschrecken oder Entsetzen vor etwas ausgedrückt.

Autor: Manfred Zorn

 

 

Verwandte Beiträge

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige