Wer wirft wann wem die sprichwörtlichen ‚Perlen vor die Säue‘?

Die Redewendung ‚Perlen vor die Säue werfen‘ wendet man in der Regel dann an, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass es keinen Sinn macht jemandem etwas Schönes oder Wertvolles geben zu wollen, der in seiner Unkenntnis nichts damit anzufangen weiß. Also jemand, der Dinge entweder nicht wertschätzt oder schlicht den Wert nicht erkennt.

 

Ursprünglich stammt dieser Spruch, wie so viele der heute noch gebräuchlichen geflügelten Worte aus der Bibel.

Genauer

Aus der vom Evangelisten Matthäus in den Kapiteln 5 bis 7 geschilderten Rede, die Jesus auf einer landschaftlichen Erhebung, einem Hügel – Matthäus spricht symbolhaft von einem Berg – am Ufer des Sees Genezareth vor seinen Zuhörern gehalten hat, gehalten haben soll.

Und noch genauer

Aus dem Neuen Testament (NT), Matthäus-Evangelium, Kap. 7/Vers 6.

Das Grundprinzip

Es ist sicher nicht zu weit hergeholt, wenn diese Rede, also die Bergpredigt – ohne hier ins Detail gehen zu wollen – als eine Art Grundsatzprogramm für das christliche Miteinander gesehen werden kann. Denn Jesus bietet in seiner ‚Bergpredigt‘, wenn man so will, so etwas wie Regeln für ein friedliebendes, harmonisches und tolerantes Zusammenleben an.

Inhaltlich geht es dabei unter anderem

  • um die ‚Seligpreisungen‘ (‚Selig sind, die da Leid tragen …‘, Kap. 5/V4),
  • um das Gleichnis von Salz und Licht (‚Ihr seid das Salz der Erde…‘, Kap. 5/V13 und ‚Ihr seid das Licht der Welt…‘, Kap.5/V14),
  • um das Vaterunser (Kap.6/V9-13) und
  • um die so genannte ‚Goldene Regel‘:  (‚Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das sind das Gesetz und die Propheten‘, Kap. 7/V12) – was, anders ausgedrückt, heißen soll: ‚Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem andern zu‘.

Von Perlen und Säuen

Aber, wie kommen denn nun die Perlen und die Säue in die Bergpredigt? Nun, weil – wie gesagt – Matthäus in Kapitel 7/Vers 6 Jesus sagen lässt: ‚Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf das sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen…‘

Allerdings scheinen die sich mit dieser Frage beschäftigenden Theologen bisher noch keine eindeutige Antwort darauf gefunden zu haben. Man weiß nicht, worauf, also auf welche Bibelstelle sich dieser Vers beziehen könnte. Vermutet wird aber, so ist nachzulesen, dass gemeint sein könnte, Jesus habe damit sagen wollen, dass der christliche Glaube nicht unbedingt an diejenigen weitergegeben muss, die ohnehin nicht zu überzeugen sind.

Diese Sorte Mensch wüsste so oder so nichts damit anzufangen. Ebenso wenig wie Säue mit Perlen…

Autor: Manfred Zorn 
Quelle: „Das Neue Testament“ (Privileg. Württemb. Bibelanstalt, Stuttgart)

 

 

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