Römische Verträge – was ist darunter zu verstehen?

Die am 25. März 1957 von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden in Rom abgeschlossenen so genannten „Römischen Verträge“ begründeten sowohl die „Europäische Wirtschaftgemeinschaft“ („EWG“) als auch die „Europäische Atomgemeinschaft“ („EURATOM“).

Mit dem "Marshallplan" fing alles an

Begonnen hatte der Weg zu diesen beiden Verträgen im Grunde genommen mit dem amerikanischen Außenminister George Marshall, der – aus nicht gänzlich uneigennützlichen Gründen (Furcht vor einer möglichen Ausweitung des Kommunismus nach Westen sowie der vorausschauenden Sicherung eines zu erwartenden positiven Absatzmarktes für die amerikanische Wirtschaft) – Mitte 1947 für alle! europäischen Länder (ohne Sowjetunion und Ostblockstaaten) ein Hilfsprogramm („Marshallplan“) ins Leben rief.

Ein im Frühjahr 1948 vom amerikanischen Kongress abgesegnetes entsprechendes Gesetz rundete diesen Vorschlag ab. Der von Amerika mit Sach- und Geldleistungen unterstützte wirtschaftliche Wiederaufbau Nachkriegseuropas gewann an Fahrt.

OEEC/OECD

Die ebenfalls zu Beginn dieses Jahres gegründete „Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit“:

  • „OEEC“/1948: 16 Länder; 1949: plus Deutschland und Freies Territorium Triest; 1960: plus USA und Kanada

kümmerte sich um die Verteilung und Verwendung der Gelder aus dem Marshallplan, trug fortan wesentlich zur wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit bei und ging letztlich 1961 in der Nachfolgeorganisation „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“:

  • „OECD“/Sitz in Paris; derzeit: 35 Mitglieder

auf.

Haager Europa-Kongress

Nach Kriegsende, Europa lag weitestgehend in Schutt und Asche, dämmerte es den verantwortlichen Politikern bereits auf dem im Mai 1948 stattgefundenen „Haager Europa-Kongress“ in Den Haag, dass – auch um zukünftig möglicherweise erneut aufkeimenden Kriegsgelüsten europäischer Staaten mit nicht abzusehenden Folgen einen Riegel vorzuschieben – ein Zusammenschluss wirtschaftlicher, möglichst auch politischer, sozialer und kultureller Interessen durchaus Sinn machen würde.

Europarat

Ein Jahr später wurde von den Staaten Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Schweden sowie Großbritannien mit Nordirland der Europarat (Sitz: Straßburg; Deutschland ab 1951; derzeit: 47 Länder) gegründet. Mit dem hehren – aber, wie es zurzeit (2017) aussieht – nur sehr mühsam zu erreichenden Ziel (Zitat):

„Der Europarat hat die Aufgabe, einen engeren Zusammenschluss unter seinen Mitgliedern zu verwirklichen.“

Montanunion und EWG

Es waren dann die Gründerväter der EU –

  • Jean  Monnet (*1888/°1979),
  • Walter Hallstein (*1901/°1982),
  • Konrad Adenauer (*1876/°1967),
  • Robert Schuman (*1886/°1963) u.v.a.m. –

die sich zusammen setzten und begannen, mit der Einrichtung der „Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ („Montanunion“; 1950/51: BRD, Frankreich, Italien, Niederlande, Belgien, Luxemburg) und der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (EWG, 1957/Römische Verträge), Europa wirtschaftlich und – bisher (2017) noch nicht wirklich gelungen – politisch zu vereinen.

Was – unter anderem – folgte

  • 1967 – Zusammenschluss der Montanunion, EWG und Euratom zu Europäischen Gemeinschaft (EG),
  • 1968 – Zollunion,
  • 1978 – Beschluss eines europäischen Währungssystems (ECU),
  • 1992 – Vertrag von Maastricht mit der Gründung der Europäischen Union (EU)
  • 2002 – Einführung des Euro als offiziellem Zahlungsmittel sowie
  • 2007 – Vertrag von Lissabon
  • 2017 – 60 Jahre Römische Verträge

Wie wird's weitergehen?

Das scheint im Jubiläumsjahr (2017) – wie’s aussieht – nicht eindeutig klar zu sein.

Denn obwohl die Europäische Union (EU) seit 70 Jahren, beginnend mit dem o. gen. „Marshallplan“,

  • den Frieden in Europa gesichert hat,
  • Werte wie – zum Beispiel – Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Solidarität zwischen den europäischen Nationen erfolgreich hochhielt und immer noch hält sowie – unter anderem, aber doch auch mit gewissen Unvollkommenheiten –
  • den Grundstein für Wohlstand und politische Stabilität in Europa gelegt hat,

hat die EU offenbar in weiten Kreisen der Bevölkerung, und das länderübergreifend, ihren Charme verloren.

Was bleibt?

Europaweit scheint die Globalisierung die Menschen zu verunsichern und damit einem übersteigerten Nationalbewusstsein Platz zu machen. Dennoch bleibt zu hoffen, dass die Idee eines geeinten Europa nicht an einem fehlgeleiteten Nationalpatriotismus, Rechtsextremismus und/oder einer Fremdenphobie scheitert …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Das europäische Geschichtsbuch“ (Frédéric Delouche/Klett-Cotta); „Geschichte – kompakt & visuell“ (Philip Parker/DK-Dorling Kindersley)

 

 

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