Warum wurde "Porgy and Bess" von den Nationalsozialisten verboten?

Das Musical "Porgy and Bess" von George Gershwin gilt als Hommage an das Leben der unterdrückten Schwarzen in den USA. Obwohl das Stück überhaupt nichts mit dem Faschismus in Deutschland zu tun hat, war es wegen seiner Position gegen Rassismus den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge.

Als das Musical (für Gershwin war es übrigens eine Oper) 1935 in New York uraufgeführt wurde, war die Resonanz des Publikums noch recht verhalten. Erst mit einer zweiten Veranstaltungsserie in den frühen Vierziger Jahren kam der Durchbruch. Mitentscheidend war dabei die erste europäische Vorstellung in Kopenhagen. Man schrieb das Jahr 1943 und Dänemark war gerade erst von den Nationalsozialisten besetzt worden. Als die Nazis von dem Inhalt des Stücks hörten, versuchten sie die Aufführung zu verhindern, was aber erst nach einigen Vorstellungen gelang. Nicht zuletzt wegen dieses Aufführungsverbots avancierte "Porgy and Bess" in der Folge zum Symbol des Widerstands.

Gershwin selbst erlebte das alles nicht mehr, zumindest nicht auf dieser Welt. Er starb 1937.

Warum Porgy und Bess zu Symbolfiguren wurden

Schaut man sich die Handlung des Stücks an, ist diese Hochstilisierung fast erstaunlich. Ein verkrüppelter Schwarzer (Porgy) gewinnt die Liebe der leichtlebigen und schönen Bess. Als der ehemalige Liebhaber von Bess sie zu entführen versucht, ersticht ihn Porgy. Weil das nicht bewiesen werden kann, muss er nur kurz ins Gefängnis. Gleichwohl ist bei seiner Entlassung Bess den Verführungen eines Drogenhändlers erlegen und mit dem nach New York entschwunden. Das Musical endet damit, dass Porgy sich auf die Suche nach Bess begibt.

Es war wohl vor allem Gershwins Anteilnahme am Leben der Schwarzen in US-amerikanischen Armenvierteln und seine sympathisierende Perspektive, die "Porgy and Bess" so bedeutend machte. Auch die Musik war in vielerlei Hinsicht "schwarz inspiriert" ("Summertime", "It ain't necessarily so").

Autor: Dr. Jörg Zorn

 

 

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