Warum ist das Musical ‚West Side Story‘ so populär?

Immer noch so populär ist das Musical, weil dem US-amerikanischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten Leonard Bernstein (*1918/°1990) mit seiner ausgezeichneten musikalischen Umsetzung des Shakespeare-Dramas ‚Romeo und Julia‘ ein durchaus gesellschaftskritisches und zeitloses Bühnenstück gelungen ist.

Voraus geschickt

Baute die etwa um 1900 herum entstandene Stilrichtung Musical bis in die 50iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts hauptsächlich auf leichte Unterhaltungskost mit Happy End, wollte Bernstein mit der ‚West Side Story‘ bewusst auf den Faktor ethnischer Konflikte zwischen Migranten und ureingesessenen US-Bürgern aufmerksam machen.

In der ‚West Side Story‘ (ursprüngliche Idee: Jerome Robbins; Buch: Arthur Laurents; Liedtexte: Stephen Sondheim) sind das die puerto-ricanischen ‚Sharks‘ und die weißen ‚Jets‘.

Spätestens seit der Uraufführung im September 1957 und des gleichnamigen Films von 1961 ist auch die Gattung Musical, ebenso wie Oper, Operette und Singspiel, deren dramatische oder komödiantische Handlung durch Gesang und Instrumentalmusik dargestellt werden, anerkannter Teil des so genannten Musiktheaters (1).

Handlung

Während sich bei William Shakespeare (*1564/°1616) die Veroneser Familien Montague und Capulet beiderseits nicht das Gelbe vom Ei gönnen, sind das in der ‚West Side Story‘, wie gesagt, die puerto-ricanischen ‚Sharks‘ und die weißen ‚Jets‘.

  • Der Ort ihrer Auseinandersetzungen ist die New Yorker Westside (Manhattan),
  • Montagues Sohn Romeo heißt in der Musicalfassung Tony,
  • und Julia Capulet ist Maria aus Puerto-Rico.

Beide, also Maria und Tony, verlieben sich ineinander. Alle anderen sind von dieser Entwicklung überrumpelt und keineswegs begeistert. Bernardo, Marias Bruder, schon ganz und gar nicht, hat er doch seinen Kumpel Chino als Heiratskandidaten für Maria vorgesehen.

Tony, ehemaliger Anführer der ‚Jets‘, hat den Stab an Riff weitergegeben, geht inzwischen einem geregelten Job nach und hofft auf eine bessere Zukunft. Die verbliebenen Mitglieder beider Gangs dagegen verharren in gegenseitiger Abneigung und Rivalität.

Und weil das so ist, wird ein Kampf verabredet, der zur Klärung der Verhältnisse sowie der Vorherrschaft im Viertel beitragen soll.

Tony, der sich aus Loyalität hat überreden lassen, an der Konfrontation teilzunehmen, wird von Maria gebeten dafür zu sorgen, dass das Aufeinandertreffen fair bleibt. Tut es aber nicht.

Showdown

Bernardo von den ‚Sharks‘ ersticht, im Eifer des Gefechts, Riff, den jetzigen Anführer der ‚Jets‘. Woraufhin Tony – Kurzschlusshandlung! – Bernardo tötet.

Einigermaßen verwirrend überschlagen sich nun die Ereignisse. Tony wird gesucht. Von der Polizei und von den ‚Sharks‘.

Maria bittet Anita, das ist sowohl ihre als auch die Freundin Bernardos, Tony über die ‚Jets‘ vor der Rache der ‚Sharks‘ zu warnen. Wozu Anita aber nicht kommt, da sie sich im Verlauf ihrer Mission von den ‚Jets‘ belästigt und bedroht fühlt. Wütend und aufgebracht behauptet sie stattdessen Chino habe, wohl aus Eifersucht, Maria getötet.

Als Tony diese Fakenews erfährt, daraufhin jeglichen Lebensmut verliert und nach Chino sucht, um sich ebenfalls von ihm erschießen zu lassen, aber unvermittelt Maria auf sich zukommen sieht und realisiert, dass sie lebt, schlägt das Schicksal unerbittlich zu.

Tony wird tatsächlich von Chino erschossen. Nachdem Maria und Tony sich ein letztes Mal ihrer gegenseitigen Liebe versichert haben, stirbt Tony in Marias Armen. Tragisch! Kein Happy End – aber eine durchaus realistische Geschichte und auch heutzutage denkbar.

(1) Musiktheater, Sprechtheater (Schauspiel), Figurentheater (Marionetten/Puppen) und Tanztheater (Ballett) sind die vier gebräuchlichen Einteilungen der unterschiedlichen Theaterformen.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Reclams Musical Führer“ (Charles B. Axton, Otto Zehnder/Reclam); der mit zehn Oskars bedachte Film „West Side Story“ von 1961 mit Natalie Wood, Richard Beymer, Rita Moreno und anderen.

 

 

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