Was sind eigentlich ‚Streich- oder Saiteninstrumente‘?

Unter den Begriffen ‚Streich- oder Saiteninstrument‘ verbergen sich die Violine/Geige, die Viola/Bratsche, das Violoncello oder schlicht Cello und der Kontrabass. Allen gemeinsam ist, dass die Saiten von einem ‚Streicher‘, also dem entsprechenden Instrumentalisten, mit einem (Geigen-)Bogen ‚gestrichen‘ werden, um die Instrumente zum Klingen zu bringen.

Anmutung und Klang

Von wenigen Details einmal abgesehen, sind die Instrumente auf den ersten Blick lediglich an ihrer unterschiedlichen Größe sowie ihrem Klang zu unterscheiden.

So ist die Violine/Geige mit einer

  • Korpuslänge zwischen 25,5 bis 35,5 cm das kleinste Instrument, generiert aber die höchsten Töne.
  • Die dagegen im Sound (Alt-Stimmlage) tiefer, voller und wärmer klingende Viola/Bratsche misst zwischen 38,5 bis 42 cm,
  • das im Klang um noch einiges tiefer angelegte Violoncello/Cello zwischen 51 bis 76 cm und der
  • 'Goliath' unter den Streich-/Saiteninstrumenten, der Kontrabass, kommt auf 95 bis 116 cm und ist unter diesen vier Instrumenten mit Abstand das mit der dunkelsten Tonnuance.

Bedienung und/oder Handhabung

Geige und Bratsche werden während des Musizierens vom Streicher zwischen Kinn und Schulter gehalten, das Cello steht auf einem so genannten ‚Stachel‘ und wird mit den Knien des Cellisten abgestützt.

Im Gegensatz zu den Geigern, Bratschisten und Cellisten, die bei ihrem Spiel sitzen können, übt der Musiker mit dem Kontrabass seinen Job meistens im Stehen aus.

Manchmal, jedermann hat das gewiss schon einmal gesehen, wirbelt der Kontrabassspieler sein Instrument auf dem ‚Dorn‘ virtuos um die eigene Achse. In diesem Fall ‚streicht‘ er allerdings nicht, sondern zupft. In der Regel gefällt das dem Publikum. Kommt aber zumeist wohl mehr im Jazz-, seltener im Klassikkonzert vor.

Materialien

Gefertigt sind die Streichinstrumente normalerweise aus Holz (z.B.: Decke/Fichte; Boden, Zarge und Hals/Ahorn; Griffbrett/Ebenholz), und haben, bis auf den Kontrabass, der hat fünf, vier jeweils mittels so genannter ‚Wirbel‘ zu stimmende Saiten aus Naturdarm, Aluminium, Stahl oder Nylon.

Zum Klingen gebracht werden die Saiteninstrumente mit einem Bogen. Und ebenso, wie die hier aufgeführten Klangkörper, ist auch der etwa 75 cm lange und um 60 Gramm wiegende Bogen aus einer ganzen Reihe hochwertiger Materialien. So sind – zum Beispiel – die 'Bogenstange' aus Pernambukholz, die 'Bogenhaare' aus Pferdehaar und das ‚Frosch‘ genannte Teil, das die Bespannung hält, aus Ebenholz gefertigt.

Anwendung

So weit, so gut. Aber – wo kommen Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass denn nun zum Einsatz?

Üblicherweise in einem Orchester. Na klar. Und so, wie man es aus Konzerten kennt, setzt sich ein – je nach Komposition und Anlass aus fünfundzwanzig bis zu einhundert Musikern bestehendes  – Sinfonieorchester in aller Regel aus Streichern, Holz- und Blechbläsern sowie dem Schlagwerk (Pauke, Trommel, Becken, Triangel) zusammen.

Wobei die Streicher, also die ersten und zweiten Violinen, die Bratschen, Violoncelli und Kontrabässe mit insgesamt zwischen 44 und 60 Musikern den größten Raum einnehmen.

Die Anfänge

Die heutige Form der Geige entstand im 16. Jahrhundert, wurde im 17/18. Jahrhundert unter anderen durch die

  • Geigenbauerfamilien Amati und Guarneri aus Oberitalien,
  • durch Jakob Steiner aus Südtirol sowie
  • Matthias Klotz aus Mittenwald/Oberbayern

weiterentwickelt und fand in der Arbeit des aus Cremona in der Lombardei/Italien stammenden Geigenbaumeisters

  • Antonio Stradivari (*um1644/°1737)

ihre bis heute, so heißt es, unerreichte Vollendung.

Apropos

Von ihm, also von Stradivari, sollen gegenwärtig noch ungefähr sechshundertfünfzig seiner Instrumente weltweit irgendwo zu finden sein:

  • Einige dieser um die dreihundert Jahre alten sowie ‚schweineteuren‘ Instrumente noch im musikalischen Einsatz und 'gestrichen' von – unter anderen – Arabella Steinbacher, David Garrett und André Rieu;
  • andere möglicherweise als Antiquität hinter Glas oder im Banktresor;
  • und wieder andere 'Stradivaris', aber auch die Werkstücke anderer früher Geigenbauer, werden auf Kunstmärkten und/oder Versteigerungen namhafter Auktionshäuser schon mal im utopischen Millionenbereich angeboten.

Ob der Preis nun gerechtfertigt ist oder nicht, darüber wird unter denen, die das 'absolute Gehör' für sich in Anspruch nehmen, allerdings nach wie vor trefflich ‚gestritten‘. Nun denn …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Duden – Das große Buch der Allgemeinbildung“ (Dudenverlag), „Lexikon der Musikinstrumente – Aktualisierte Sonderausgabe“ (Martin Elste, Anthony Baines / J.B. Metzler)

 

 

Google-Anzeige Google-Anzeige Google-Anzeige