Was ist unter „Nordischer Mythologie“ zu verstehen?

Unter „Nordischer Mythologie“, die großenteils mit der der (Nord)-Germanen und Wikinger vergleichbar ist, ist – im weitesten Sinn – die vorchristliche Religion des nördlichen Europa zu verstehen.

Antike vs. Nordische Mythen

Zwar sind uns die überlieferten Mythen der Griechen, Ägypter und Römer irgendwie geläufiger, aber natürlich gibt es durchaus auch volkstümliche Erzählungen, Mythen und Märchen – zum Beispiel – keltischen, germanischen,  skandinavischen, isländischen und irländischen Ursprungs.

Überlieferung

Dass wir aber überhaupt etwas über die Mythen und die Glaubensausrichtung der Menschen nördlich der Alpen wissen, ist im Wesentlichen

  • den bruchstückhaften archäologischen Funden (Runeninschriften, Bildsteinen),
  • den erhaltenen Überlieferungen römischer Autoren (Tacitus, Plutarch u.a.),
  • der mündlichen Weitergabe uralter Erzählungen ihrer germanischen Vorfahren durch die Wikinger sowie
  • den mittelalterlichen Aufzeichnungen der Mönche oder anderer Autoren (Historiker)

geschuldet.

Zugegeben

Alles in allem scheinen also Originalquellen nordischer bzw. nordgermanischer Mythologie nur noch, wenn überhaupt, in homöopathischen Dosen vorhanden zu sein. Der Großteil der bis dahin lediglich mündlich weitergegebenen Mythen und Erzählungen aus dem hohen Norden wurde erst später, etwa ab dem 10. Jahrhundert, schriftlich festgehalten. Und nicht immer ist sicher, ob die Autoren den Geschichten nicht auch ihre subjektive Sicht der Dinge beigefügt haben.

Die "Edda"

Aber, nichtsdestotrotz gilt als eine der wichtigsten Quellen nordgermanischer Mythologie heute die um 1220 von einem gewissen Snorri Sturluson in Island zu Papier gebrachte so genannte „Snorra- bzw. Prosa-Edda“ – ergänzt durch die im 17. Jahrhundert in Island wiederentdeckte, bis 1971 in der „königlichen Bibliothek zu Kopenhagen“ und nach 1971 im „Arnamagnäanischen Handschrifteninstitut Islands“ in Reykjavik zu besichtigende „Lieder-Edda“ („Codex Regius“).

In der „Lieder-Edda“, aber auch in Sturlusons „Snorra- bzw. Prosa-Edda“, erfährt der geneigte Leser so ziemlich alles über die Erschaffung der Welt, über das altnordische Göttergeschlecht der Asen und den Göttervater Odin, über den schlitzohrigen Loki oder auch Thor, den Gott des Donners sowie über die Helden der Wikinger und deren Sagen.

Autor: Manfred Zorn
Quellen: "Mythen und Sagen des Nordens" (Edmund Jacoby/Gerstenberg); Mythologie für Dummies (Christopher W. & Amy Hackney Blackwell/mitp-Verlag/Bonn)

 

 

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