Warum und wie machte Theseus dem Minotaurus den Garaus?

Der Sage nach hatte Minos vor Jahren die Athener besiegt, bei diesem Unternehmen allerdings seinen Sohn Androgeos verloren. An anderer Stelle heißt es dagegen, der Junge sei bei einem Stierkampf in Athen ums Leben gekommen. Egal – für den Tod des Sohnes machte König Minos wie selbstverständlich die Athener verantwortlich. 

Opferdienste, ein Stier und ein Ärgernis

Athen wurde also dazu verdonnert, fortan alle neun Jahre Opfergaben in Gestalt von je sieben jungen Männern und Frauen nach Kreta zu schicken. Dort wurden diese dem Minotaurus zum Stillen des Hungers vorgeworfen.

Minotaurus war zwar ebenfalls ein Sohn des Minos, allerdings kein leiblicher. Minos´ Gattin Pasiphae hatte sich – unerhört, unerhört – mit einem Stier eingelassen und eine Missgeburt zur Welt gebracht.

Minotaurus, oh Schreck, war halb Mensch, halb Stier.

Der Architekt und das Labyrinth

König Minos, not amused, befand, der hässliche Typ gehöre weggesperrt.

Unverzüglich ließ er also für das Scheusal eine adäquate Heimstätte errichten. Der Konstrukteur Daidalos entwarf und baute daraufhin ein Labyrinth, aus dem Minotaurus nie wieder hinausfinden sollte. Was auch nicht geschah. Denn die Athener fanden schließlich in Theseus jemanden, der sich bereit fand, der Tragödie um die jugendlichen Opfer ein Ende zu bereiten.

Theseus, Ariadne und der Ariadnefaden

Theseus ging nach Kreta, verliebte sich in die Königstochter Ariadne und machte sich auf, um das Monster Minotaurus zur Strecke zu bringen.

Diese Aktion gelang allerdings nur, weil die kluge Ariadne ihrem Helden sowohl ein funktionales Schwert, als auch ein Wollknäuel in die Hand gedrückt hatte, welches er auf seinem Weg zum Ungeheuer abrollen lassen sollte.

Und richtig: Mit Hilfe dieses Fadens, dem so genannten Ariadnefaden, fand Theseus nach der Tötung des Minotaurus den Weg aus dem Labyrinth zurück und machte sich, gemeinsam mit Ariadne und den geretteten vierzehn jungen Leuten aus der dritten Athener Tributlieferung, aus dem Staub ...

Übrigens

Ein Labyrinth, einen Irrgarten im Sinne der Bedeutung des Wortes hat es mutmaßlich in Knossos nie gegeben.

Dafür gab es aber anscheinend einen – bereits von Homer in der Ilias erwähnten – Mosaikfußboden mit labyrinthartigen Mustern, der den Tänzern möglicherweise als roter Faden für den Rebhuhn-Frühlingstanz gedient haben soll.

Nicht auszuschließen ist andererseits, dass das vorgriechische Wort „labrys“ („Doppelaxt“) mit dem daraus abgeleiteten Begriff „Labyrinth“ sowie dem „Palast der Doppelaxt“ in Knossos, der so genannten „Labrys“, ein Labyrinth vermuten ließ.

Vielleicht ist den Zeitgenossen aber auch nur – sofern sie denn Gelegenheit hatten Knossos kennenzulernen – der Palastkomplex mit seinen verwirrend verschachtelten Bauten und zahlreichen Räumlichkeiten schlicht und einfach wie ein Labyrinth vorgekommen …

Autor: Manfred Zorn

 

 

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