Was sind Kassandrarufe?

So genannte Kassandrarufe sind vor einem Unglück oder schrecklichen Ereignis warnende Vorhersagen, die in der Regel allerdings niemand hören mag und schon gar nicht wahrhaben will.

Wer war Kassandra?

Zurückzuführen ist dieser Begriff auf eine gewisse Kassandra, die in Homers – möglicherweise im 8. oder 7. Jahrhundert entstandenen – „Ilias“ als Tochter des Königs Priamos von Troja und dessen Gattin Hekabe dargestellt wird.

Kassandra besaß die zweifelhafte Gabe, schlimme Geschehnisse zwar durchaus vorhersehen, diese aber bedauerlicherweise nicht verhindern zu können. Jeder von ihr Gewarnte schlug nämlich ihren Rat dummerweise schlicht in den Wind.

Vergebliches Liebeswerben

Dabei hatte eigentlich alles ganz nett und gut gemeint begonnen.

Der zu den so genannten zwölf olympischen Hauptgöttern zählende Apoll (Apollo, Appolon) hatte sich in Kassandra verliebt und ihr als Zeichen seiner Zuneigung gezeigt, wie Weissagen so geht. Hat ihm aber nichts genutzt, da Kassandra an einer engeren Beziehung nicht interessiert war.

Gekränkt, enttäuscht und wohl auch beleidigt, fügte Apoll der als Geschenk gedachten "Kunst des Weissagens" eine fiese Kleinigkeit hinzu. Nämlich die unschöne Tatsache, dass fortan niemand auf Kassandras Prophezeiungen auch nur andeutungsweise hören sollte.

Die Folgen

Dumm gelaufen!

So verpufften ihre Warnungen unter anderem:

  • vor einer Entführung der schönen Helena durch Paris,
  • dem daraufhin ausgelösten Trojanischen Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen und
  • vor dem Hereinholen des von den Griechen konstruierten Trojanischen Pferdes in die Stadt Troja.

Das Ende ist bekannt.

Die Griechen richteten ein Blutbad an, entführten die Frauen, brannten Troja nieder und Kassandra wurde letztlich – gemeinsam mit Agamemnon – von dessen Ehegespons und deren Liebhaber in Mykene (heute: Ausgrabungsstätte und seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe in Griechenland) auf niederträchtige Art gemeuchelt ...

PS

Ob es sich bei der 1873 von Heinrich Schliemann (* 1822/°1890) zur Stadt Troja erklärten, heute zur Türkei gehörenden und dort zu besichtigenden Ausgrabungsstätte tatsächlich um Homers Troja handelt, ist wissenschaftlich nach wie vor umstritten.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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