Die schöne Helena – was hat die „Femme fatale“ der Mythologie ausgelöst?

Helena galt/gilt in der griechischen Mythologie als schönste, aber auch als „verhängnisvolle" Frau („Femme fatale“) der damaligen Welt. Wegen dieser als attraktiv, lasziv, freizügig und flatterhaft geschilderten Schönheit haben Trojaner und Griechen gute zehn Jahre Krieg, den so genannten Trojanischen Krieg, gegeneinander geführt.

Ob dieser Krieg, wie von dem einen oder anderen Wissenschaftler vermutet, tatsächlich etwa im 13. Jahrhundert v. Chr. stattgefunden hat, bleibt allerdings in letzter Konsequenz (noch) unbewiesen.

Was sind Mythen?

Mythen sind Erzählungen und/oder Dichtungen, die von Göttern, Nymphen, Feen und anderen Fabelwesen handeln, und sich im Besonderen mit der Entstehung der Welt sowie der Menschwerdung befassen. Alles in allem beruhen diese Schilderungen auf mündlichen Überlieferungen, die im Laufe der Zeit schon mal zu unterschiedlichsten Darstellungen und somit gleichzeitig auch zu Widersprüchlichkeiten geführt haben. Das gilt grundsätzlich auch für die Geschichte der „schönen Helena“.

Eine dieser Varianten beginnt so:

Der Vater Helenas war der Göttervater Zeus. Der hatte seine Leidenschaft für Leda entdeckt. Aber Leda war bereits mit Tyndareos, dem König von Sparta, verheiratet. Also griff Zeus, dafür war/ist er ja hinlänglich bekannt, zu einer List.

Er näherte sich Leda in Gestalt eines Schwans, schlief mit ihr und, schwuppdiwupp, gebar Leda vier Kinder:

  • Klytaimnestra,
  • Kastor,
  • Polydeikes (o.a. Polydeukes; lat.: Pollux) und eben
  • Helena –

wobei Tyndareos die ersten beiden komischwerweise für sich reklamierte.

Eine gelungene und eine misslungene Entführung

Helena, schon als Kind außergewöhnlich hübsch, wurde, da war sie gerade einmal zwölf Jahre alt, von Theseus, dem Herrscher von Athen, zwecks beabsichtigter Heirat entführt. Unterstützt wurde Theseus bei diesem Unternehmen von seinem Freund Peirithoos, dem König der Lapithen in Thessalien.

Aber der Plan ging nicht auf. Die Hochzeit musste abgeblasen werden. Denn so, wie Peirithoos Theseus bei der Entführung geholfen hatte, wollte nun Theseus ebenfalls seinem Freund bei dessen „Brautklau“ helfen.

Der aber hatte sich ausgerechnet Persephone, die Gattin des Unterweltgottes Hades, ausgeguckt. Das konnte nicht gut gehen. Hades, der rechtzeitig von diesem ungeheuerlichen Vorhaben erfuhr, sperrte die beiden Übeltäter kurzerhand in die nach ihm benannte Unterwelt, den Hades.

Als Theseus schließlich, im Gegensatz zu Peirithoos, nach Jahren aus dem Totenreich entlassen wurde, war Helena – inzwischen längst befreit von ihren Brüdern Kastor und Polydeukes – wieder zurück in Sparta. Dort sollte sie von ihrem vermeintlichen Vater, Tyndareos, an den Mann gebracht werden. Hat auch nicht geklappt.

Einer kam durch (Menelaos)

Helena war, so würde man heute sagen, emanzipiert genug, um sich unter der Vielzahl an Bewerbern ihren Gatten fürs Leben selbst auszusuchen. Letztlich machte Menelaos das Rennen.

Menelaos war der Bruder Agamemnons, des Herrschers von Mykene (Peloponnes/Griechenland). Durch die Vermählung mit Helena wurde er – zwei Fliegen mit einer Klappe – König von Sparta.

Lange Zeit lebte das Paar in Gleichklang und Harmonie. Bis, ja, bis eines guten Tages der gut aussehende Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos, bei den beiden zu Gast war.

Noch 'ne Entführung

Paris, das war der, dem in einer anderen Version der Geschichte Helena von Aphrodite versprochen wurde, wenn er – anlässlich eines Schönheitswettbewerbs zwischen

  • Hera (Gattin des Zeus),
  • Athene (Göttin der Weisheit) und
  • Aphrodite (Göttin der Liebe) –

Letzterer den Sieg zuspräche. Wie auch immer! In beiden Fällen ließ sich Helena bereitwillig von Paris ver- und der Liebe wegen entführen. Nach Troja.

Der "Trojanische Krieg"

Als der Versuch des gehörnten Ehemanns (Menelaos), Helena auf friedlichem Wege von den Trojanern zurückzuerhalten scheiterte, animierte er seinen Bruder Agamemnon zu einem Waffengang gegen Troja.

Mit von der Partie auf griechischer Seite waren so illustre Typen wie Odysseus und Achilles; Troja konterte mit Hektor (Sohn des Königs Priamos) und Äneas (Sohn der Aphrodite und des Trojaners Anchises).

Der Krieg um Troja, bei dem – unter anderen –

  • Patroklos (bester Freund des Achilles) von Hektor,
  • Hektor von Achilles,
  • Achilles von Paris und dieser wiederum vom
  • griechischen Bogenschützen Philoktetes

getötet werden, dauerte, so heißt es, zehn Jahre und konnte nur mit List und Tücke beendet werden. Nämlich mit Hilfe des so genannten „Trojanischen Pferdes“.

Das war eine als angebliches Geschenk an die Trojaner deklarierte Holzfigur, in der eine Handvoll Griechen saß, die in der Nacht herauskletterten und ihren Waffengefährten die Stadttore öffneten.

Priamos, seine Familie, die Krieger und die Bevölkerung Trojas wurden dahingemetzelt und die Stadt zerstört. Alles ganz gewiss nicht wirklich schön. Nun denn!

Epilog

Nachdem Paris verstorben war, heiratete Helena dessen Bruder Deiphobos, der allerdings kurz darauf – unter tatkräftiger Mitwirkung Helenas – von Menelaos gemeuchelt wurde. Menelaos, der den Trojanischen Krieg überlebt hatte und wieder Oberwasser zu haben schien, drohte, Helena nach erfolgter Rückkehr nach Sparta, also später,  ebenfalls umzubringen.

Dazu kam es nicht. Die Heimreise dauerte mehrere Jahre, die Rachegefühle Menelaos’ blieben sozusagen auf der Strecke und Helena starb (vermutlich) eines natürlichen Todes. Oder auch nicht! In der Mythologie ist bekanntlich alles möglich …

Autor: Manfred Zorn
Quelle: Mythen, 50 Klassiker (Gerold Dommermuth-Gudrich/ Gerstenberg Verlag)

 

 

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