Alexander von Humboldt – was machte ihn berühmt?

Um es mit dem ersten Satz (und es werden bei der Fülle von Humboldts Wirken im Folgenden dieses Beitrags ausnahmsweise noch eine ganze Reihe mehr, sorry) schlicht und an dieser Stelle nicht wirklich umfassend mit Daniel Kehlmanns Romantitel „Die Vermessung der Welt“ zu sagen: Alexander von Humboldt (*1769/°1859) hat, so heißt es, in der Tat die Welt vermessen. Zumindest den Teil der Welt, den er auf seinen Reisen besucht und kennen gelernt hat.

Der "Kleine Apotheker" im Schloss Tegel

Alexander von Humboldt stammte, dank des 1738 in den erblichen preußischen Adelsstand erhobenen Großvaters, aus gut situiertem Haus. Der bereits 1779 verstorbene Vater war Offizier, Unternehmer und Kammerherr bei Elisabeth Christine von Braunschweig, der Gattin Friedrich Wilhelms II. (*1744/°1797), die Mutter kam aus einer finanziell ausgesprochen großzügig ausgestatteten hugenottischen Familie.

Gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Bruder Wilhelm (*1767/°1835), erhielt Alexander sozusagen „Privatunterricht“, das heißt, frühe Bildung und fundiertes Wissen wurden von Hauslehrern vermittelt. Allerdings sollen Alexanders Leistungen, im Gegensatz zu seinem Bruder, anscheinend zu wünschen übrig gelassen haben.

Der „Kleine Apotheker“, wie er im Familienkreis genannt worden sein soll, hatte es mehr mit Pflanzen, Insekten, Kräutern, Pilzen und Steinen.

Nichtsdestotrotz

  • studierte Alexander eine relativ kurze Zeit verschiedenste Fächer in Frankfurt/Oder, Göttingen und Hamburg,
  • wechselte 1791 an die Bergakademie Freiberg, machte dort nach nur neun Monaten Studium seinen Abschluss als Bergbauingenieur,
  • brachte es während seiner Tätigkeit im Staatsdienst bei der Bergbaubehörde bis zum Oberbergmeister (Oberbergrat),
  • „revolutionierte“ – unter anderem – mit der Entwicklung einer Sicherheits-Grubenlampe, einer Atemmaske und der Gründung einer Berufsschule für Bergbau das Berg-, Hütten- und/oder Grubenwesen,

quittierte aber letztlich den Dienst im März 1795.

Eröffnung neuer Möglichkeiten

Als fast zeitgleich Alexanders Mutter verstarb, erbten er und sein Bruder Wilhelm ein nicht unbeträchtliches Vermögen, das ihm erlaubte, endlich seiner Passion zu folgen – nämlich als Naturforscher und Wissenschaftler auf Forschungsreisen die Zusammenhänge von Natur, Klima und Menschen wissenschaftlich zu erkunden.

Südamerika

Etwa 1798 ging Humboldt nach Paris, lernte den Arzt und Botaniker Aimé Bonpland kennen und plante mit diesem die Expedition nach Südamerika.

Zwischen 1799 und 1804 bereisten die beiden, ausgestattet mit dem nötigen Equipment (z.B.: Sextanten, Teleskope, Fernrohre, Quadranten und vielem anderen mehr), Gebiete und Landschaften der heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko, Kuba und die USA.

Eine Forschungsreise, die gespickt mit allerlei – teils auch gefährlichen und lebensbedrohenden – Unwägbarkeiten, im Klappentext zum oben erwähnten Kehlmann-Roman treffend wie folgt beschrieben wird:

(Zitat) „... Alexander von Humboldt kämpft sich durch Urwald und Steppe, befährt den Orinoko, erprobt Gifte im Selbstversuch, zählt die Kopfläuse der Eingeborenen, kriecht in Erdlöcher, besteigt Vulkane und begegnet Seeungeheuern und Menschenfressern …“.

Aufarbeitung

Die späteren Veröffentlichungen über die anlässlich dieser Unternehmung gewonnnen Eindrücke, Erfahrungen und Erkenntnisse – um hier nur einige wenige wiederzugeben – über:

  • Längen-, Breiten und Höhengrade,
  • vulkanisches Gestein,
  • Flora-und Faunavielfalt,
  • Klimabeeinflussung durch von Menschen aus kommerziellen Gründen veranlasste Eingriffe in die Natur (einhergehend mit möglichen Ursachen für Wetterphänomene),
  • die Veränderlichkeit der Meereswärme bei Ebbe und Flut und, und, und ...,

machten Alexander von Humboldt berühmt.

Kontaktpflege

Sprichwörtlich lässt sich durchaus sagen: Die Großen seiner Zeit – unter anderen Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Thomas Jefferson (Präsident der USA), Benito Juárez (Präsident Mexikos), Zar Nicolaus I., Ludwig XVIII. (König Frankreichs), Friedrich Wilhelm III. (König Preußens), Simón Bolivár (Anführer der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung gegen Spanien) sowie Charles Darwin und eine erkleckliche Anzahl weiterer Wissenschaftler jeglicher Couleur – haben sich bei Humboldt, sozusagen, gegenseitig die Klinke in die Hand gegeben.

Ehrungen

Es „hagelte“ Auszeichnungen

  • diverse Orden und Großkreuze bereits zu Lebzeiten,
  • Namensstiftungen (z.B. „Humboldt-Pinguin“, „Humboldt Bay“/Kalifornien, „Humboldt River“/Nevada), Humboldt Universitäten, Gymnasien und
  • Denkmäler im In- und Ausland sowie
  • – spätestens im 20. Jahrhundert – Sondermarken der Deutschen Bundespost.

Schön und gut!

Aber, wie ging’s weiter nach der Südamerika-Expedition?

Vergleichsweise vielfältig!

Für die auf die Expedition folgenden gut zwanzig Jahre verlegte Humboldt seinen Wohnsitz erneut nach Paris.

Unermüdlich forschte er weiterhin,

  • pflegte Kontakte zur Pariser Wissenschaftsszene,
  • arbeitete an der Aufarbeitung der Amerikareise,
  • schrieb und veröffentlichte eine Reihe seiner Bücher,
  • wurde – etwa ab 1827 wieder zurück in Berlin – von König Friedrich Wilhelm III. (*1770/°1840) mit diplomatischen Aufgaben betraut,
  • unternahm 1829 noch einmal eine große Reise durchs Baltikum nach Russland und Sibirien, die ihn bis an die chinesische Grenze führte und

arbeitete an seinem wohl wichtigsten (fünfbändigen) Werk mit dem Titel „Kosmos“.

Vom "Kosmos" zurück nach Schloss Tegel

Als Alexander von Humboldt am 6. Mai 1859 fast neunzigjährig in Berlin verstarb, waren seit 1845 bereits vier Bände des "Kosmos" veröffentlicht. Der fünfte, unvollendete Teil erschien 1862. Posthum.

Seine letzte Ruhestätte ist in der Familiengruft im Park von Schloss Tegel (Berlin – OT Tegel/Reinickendorf); errichtet: 1820/1824; Architekt: Karl Friedrich Schinkel); heute auch "Humboldt-Museum") zu finden.

(Unverbindliche) Schlussbemerkung

Alexander von Humboldt gilt, ob nun zu Recht oder, wie auch zu lesen ist, mit der einen oder anderen Einschränkung, unter anderem

  • als der letzte große Universalgelehrte, der in der Natur alles mit allem in Zusammenhang gesehen hat,
  • als früher und wichtiger Mahner gegen Ressourcenausbeutung und für den Schutz der Umwelt und
  • auch als jemand, der sich schon zu seiner Zeit vehement gegen die Versklavung von Menschen generell und im Besonderen in den USA ausgesprochen hat.

Wie auch immer sein Wirken beurteilt werden mag, bleibt doch festzuhalten, dass der umtriebige Naturforscher mit seinen Arbeiten der modernen Naturwissenschaft den Weg bereitet hat. Aber, wie so häufig, liegt auch hier natürlich ein abschließendes Fazit im Auge des geneigten Betrachters …

Autor: Manfred Zorn
Quellen: „Alexander von Humboldts Amerikanische Reise“ (Hanno Beck/Thienemann Edition Erdmann),
„Alexander von Humboldts Reise durchs Baltikum nach Russland und Sibirien“ (Hanno Beck/Edition Erdmann),
„Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ (Andrea Wulf/C. Bertelsmann),
„Glorious Book for Heroes“ (Jan & Jeff Kennedy/cbj-Verlag),
„Die Vermessung der Welt“ (Daniel Kehlmann/Rowohlt)

 

 

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