Was versteht man unter dem Begriff „Antikes Ägypten“?

Es heißt, dass das etwa 1.000 km lange und 10-20 km breite Niltal bereits vor mehr als zehntausend Jahren von Menschen besiedelt wurde.

Begünstigt durch den Oasencharakter, die jährlichen Nilüberschwemmungen und der damit verbundenen fruchtbaren Schlammablagerungen entwickelte sich in der Region ab ungefähr 5000 v. Chr. eine Zivilisation mit einer Kultur, die nicht zuletzt wegen ihrer Beständigkeit und Dauer in der Geschichte ohne Beispiel ist.

Natur, Dörfer, Organisationstalent, politische Einheit

Ägypten wurde von der Natur begünstigt. Das Niltal wird von Wüsten im Westen und Osten, dem Mittelmeer im Norden und den Granitblöcken des ersten Katarakts bei Assuan (eine der sechs Stromschnellengebiete im südlichen, nubischen Teil des Nils) im Süden begrenzt.

Schon früh wurden in dieser Gegend von den bis dahin verstreut siedelnden Stämmen Dörfer gegründet, in denen die Menschen lernten, friedlich zusammenzuleben und sich die jährlich von Juli bis Oktober stattfindenden Überflutungen des Nils landwirtschaftlich zu Nutze zu machen.

Der Übergang zu einer bäuerlichen Lebensweise war – etwa um 5500 v. Chr. – gefunden.

Erste, so genannte "prädynastische" Kulturen ("Badari-" und "Naqadakultur"), sollen zwischen 4000 bis 3200 v. Chr. entstanden sein.

Ab des Beginns des "Alten Reiches" unter dem (vermutlich allerdings der Mythologie zuzurechnenden) Pharao Menes aus der 1. Dynastie (etwa 3000 v. Chr.), gelang es den "alten" Ägyptern, planmäßig eine der funktionierendsten, dauerhaftesten und stabilsten politischen Einheiten des Altertums zu gestalten.

Von Pharao Menes bis zur Cheopspyramide

Deutlicher wird die ägyptische Geschichte etwa während der 3. bis 6. Dynastie des "Alten Reiches" zwischen 2700 bis 2200 v. Chr., als nämlich einer der Nachfolgepharaonen des mystischen Menes, Cheops, die nach ihm benannte Cheopspyramide als pompöse Begräbnisstätte bauen ließ.

Entstehung einer Hochkultur

Im weiteren Verlauf der Jahrhunderte entstand im Land am Nil – unter anderem:

  • Die "ägyptische Bilderschrift" ("Hieroglyphen"),
  • ein gut durchorganisiertes Staatswesen,
  • die so genannte "göttliche" Ordnung "Maat", die für Gerechtigkeit und Wahrheit steht (in der Mythologie wird "Maat" später als Begleiterin bzw. Tochter des Sonnengottes Re sowie als verantwortliche Göttin für die moralische Weltordnung personifiziert),
  • der Aufschwung zur Großmacht und – last but not least – eine bemerkenswerte
  • Architektur, Bildhauerei und Malerei –

also im besten Sinne eine gut dreitausend Jahre überdauernde Hochkultur.

Eine Kultur, die erst mit der Eroberung Ägyptens durch die Römer im letzten vorchristlichen Jahrhundert endete,  deren Hinterlassenschaft sich glücklicherweise aber noch an der Vielzahl archäologischer Ausgrabungsstätten – zum Beispiel bei Abu Simbel, Gizeh, Luxor, Karnak, Memphis und Theben – erfahren lässt.

Boomzeit

Die uns heute bekanntesten Gestalten der ägyptischen Geschichte –

  • Hatschepsut,
  • Echnaton,
  • Nofretete,
  • Tutanchamun und
  • Ramses II. –

wirkten in der Zeit der 18. und 19. Dynastie des etwa von 1500 bis 1200 v. Chr. dauernden "Neuen Reiches". Es war die Zeit, in der das "antike" Ägypten seine wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und militärische Hochzeit erlebte.

Fremdherrschaft

Danach lief's nicht mehr ganz so gut. Spätestens ab Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. begann der schleichende Niedergang des Reiches.

Zuerst übernahmen die

  • Assyrer die Herrschaft, dann kamen
  • die Perser, schließlich
  • Alexander der Große, der 332 v. Chr. die griechische Herrschaft begründete und zuletzt waren es die
  • makedonisch-griechischen Ptolemäer,

die es sich am Nil gut gehen lassen wollten.

Kleopatra und römische Provinz

Nach dem Tod der letzten Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches, Kleopatra VII. (*69/°30 v. Chr.; auch Geliebte Caesars und des römischen Politikers und Feldherrn Marcus Antonius'), wurde Ägypten unter dem römischen Kaiser Augustus (*63 v./°14 n. Chr.) schlussendlich im Jahre 30 v. Chr. römische Provinz.

Autor: Manfred Zorn

 

 

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